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Beruf

Gute Seele des Rathauses in Rente

35 Jahre kümmerte sie sich um die Geschicke der Bürgermmeister. Jetzt ist Annita Eisenschenk in den Ruhestand gewechselt.
Von Jochen Dannenberg

Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer bei der Verabschiedung seiner Sekretärin Annita Eisenschenk: Sie war 35 Jahre lang Sekretärin der Neustädter Bürgermeister.
Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer bei der Verabschiedung seiner Sekretärin Annita Eisenschenk: Sie war 35 Jahre lang Sekretärin der Neustädter Bürgermeister.

Neustadt a.d. Donau.Sie war mehr als eine Sachbearbeiterin, sie war die gute Seele des Rathauses. Annita Eisenschenk organisierte die Termine des Bürgermeisters, aber auch das Kinderprogramm für die „großen Ferien“ und sie war Anlaufstelle für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung genauso wie für die Bürger, die dem Bürgermeister ein Anliegen vorbringen wollten. 35 Jahre lang liefen bei ihr die Fäden zusammen. Jetzt ist Annita Eisenschenk nach insgesamt 45 Berufsjahren in den Ruhestand gewechselt.

Gerina Leipert, Sekretärin von Stadtpfarrer Monsignore Johannes Hofmann, und Annita Eisenschenk kennen sich seit vielen Jahren. Sie haben einst beide bei der Sparkasse in Neustadt gearbeitet.
Gerina Leipert, Sekretärin von Stadtpfarrer Monsignore Johannes Hofmann, und Annita Eisenschenk kennen sich seit vielen Jahren. Sie haben einst beide bei der Sparkasse in Neustadt gearbeitet.

„Das ist nicht nur eine lange Zeit“, bemerkte Neustadts Erster Bürgermeister Thomas Reimer anlässlich der Abschiedsfeier zu Ehren von Annita Eisenschenk vor wenigen Tagen im Sitzungssaal des Rathauses. Es war eine Vertrauensstellung, die seine Sekretärin dreieinhalb Jahrzehnte inne gehabt hatte, betonte er. Annita Eisenschenk war für viele nämlich zugleich eine Vertraute, ein Kummerkasten, bisweilen auch Kumpel. Immer aber eine Respektsperson. Dass die Menschen ihr mit dem nötigen Respekt begegneten, war ihr Verdienst uind beruhte nicht nur auf ihrer Freundlichkeit.

Eine Instanz im Rathaus

Annita Eisenschenk konnte, wenn es sein musste, alle Höflichkeiten fallen lassen und allzu dreisten, frechen, aufdringlichen oder sogar unverschämten Mitmenschen deutlich zeigen, was ein gepflegter Umgang ist und wo die Grenzen des Zumutbaren erreicht sind. Umgekehrt fand der, der sich anständig verhielt, immer ihr Gehör und ihre Unterstützung. Auch insofern war Annita Eisenschenk eine Instanz im Rathaus. Das war sie auch, weil sie die Menschen nicht vergaß, die sie in ihrem Leben begleitet hatten.

Annita Eisenschenk war zudem das Gedächtnis der Stadt. Nicht nur wenn es um die vielen Anlässe ging, die kein Bürgermeister übersehen darf. Die Geburtstage und Jubiläen, aber auch die traurigen Momente, um die das Stadtoberhaupt unbedingt wissen muss. Und weil Annita Eisenschenk auch noch kontaktfreudig und diskret war, entging ihr nichts, was in der Stadt wichtig war. Auch die kleinen Dramen nicht. Wem sie gesonnen war, durfte darauf hoffen, an ihrem Wissen teilzuhaben. Andere waren davon ausgeschlossen.

Mit zwei Bürgermeistern „herumgeschlagen“

„Sie hat Glück gehabt, sie hat sich nur mit zwei Bürgermeistern ‚herumschlagen’ müssen“, erinnerte Thomas Reimer bei der Abschiedsfeier, an der neben Reimers Stellvertretern Bernhard Rieger und Konrad Dichtl auch Monsignore Johannes Hofmann und dessen Sekretärin Gerina Leipert und natürlich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung teilnahmen. Tatsächlich hatte es Annita Eisenschenk nur mit zwei Bürgermeistern zu tun gehabt. Der eine, Hans Gigl von der CSU, war 18 Jahre im Amt. Der andere, Thomas Reimer von der SPD, wird es bis zum Frühjahr ebenfalls auf 18 Jahre bringen.

Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer bei der Verabschiedung seiner Sekretärin Annita Eisenschenk. Sie war 35 Jahre lang Sekretärin der Neustädter Bürgermeister. Zum Abschied gratulierten auch Monsignore Johannes Hofmann, die stellvertretenden Bürgermeister Konrad Dichtl und Bernhard Rieger sowie Josef Lindermayer, geschäftsleitender Beamter im Neustädter Rathaus.
Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer bei der Verabschiedung seiner Sekretärin Annita Eisenschenk. Sie war 35 Jahre lang Sekretärin der Neustädter Bürgermeister. Zum Abschied gratulierten auch Monsignore Johannes Hofmann, die stellvertretenden Bürgermeister Konrad Dichtl und Bernhard Rieger sowie Josef Lindermayer, geschäftsleitender Beamter im Neustädter Rathaus.

Reimer wie Gigl sind völlig unterschiedliche Charaktere. Sie stehen auch für eine völlig unterschiedliche Politik. Während unter Gigl die Entwicklung der Stadt als Industriestandort im Vordergrund stand, ging es bei Reimer insbesondere um das Leben in der Stadt, die Schaffung und den Ausbau sozialer Einrichtungen wie Kindergärten, Kinderkrippen und die durchgehende Ganztagsbetreuung an den Schulen.

Wie ein altes Ehepaar

Ums Miteinander ging es freilich auch im Rathaus, wie der Erste Bürgermeister bemerkte. „Man verbringt unheimlich viel Zeit in der Arbeit“, stellte er fest. Und Josef Lindermayer, geschäftsleitender Beamter des Rathauses, ergänzte: „Böse Zungen behaupten, wir sind wie ein altes Ehepaar.“ Was zumindest insoweit stimmt, als dass Eisenschenk und Lindermayer es auf 35 gemeinsame Jahre gebracht haben. Und, wie eine der jüngeren Sekretärinnen des Rathauses im Gespräch mit der Mittelbayerischen betonte, es manchmal schon erstaunlich gewesen sei, wie unterschiedlich die Meinungen der beiden am Morgen sein konnten, zugleich aber regelmäßig am Mittag wieder größte Harmonie zwischen ihnen herrschte.

Ob so der Ruhestand aussieht? Ein Geschenk der Kollegen legt es nahe.
Ob so der Ruhestand aussieht? Ein Geschenk der Kollegen legt es nahe.

Annita Eisenschenk lag all das Lob, das sie an ihrem letzten Arbeitstag bekam, gelassen. Sie war noch einmal der Mittelpunkt des Rathauses, an dem alle Fäden zusammen liefen. Sie hatte für jeden ein freundliches Wort und herzte die Gratulanten, sie war charmant und gut gelaunt und nur wer genau hinschaute, dass es ihr nahe ging - der letzte Arbeitstag im Rathaus.

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