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Aktion

„Hände weg“-Tag soll Helfern helfen

Am 5. Mai werben Kreis und Stadt Kelheim um Solidarität mit Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei. Das wird immer nötiger.
Von Martina Hutzler

Schnelle Hilfe erwartet jeder, der selbst von einem Unglück betroffen ist. Das hindert Nicht-Betroffene freilich nicht daran, Einsatzkräfte zu beschimpfen, wenn zum Beispiel Straßensperrungen nötig sind. Foto: Archiv / Pfeffer
Schnelle Hilfe erwartet jeder, der selbst von einem Unglück betroffen ist. Das hindert Nicht-Betroffene freilich nicht daran, Einsatzkräfte zu beschimpfen, wenn zum Beispiel Straßensperrungen nötig sind. Foto: Archiv / Pfeffer

Kelheim.

„Da seid‘s ja endlich, Ihr Pfeifen von Sanitätern!“ Das bekamen kürzlich Retter vom Kelheimer BRK als „Begrüßung“ von einem Patienten um die Ohren gehaut. Nur ein Beispiel – Rettungsdienstleiter Stephan Zieglmeier und Feuerwehr-Kreisbrandrat Nikolaus Höfler hätten noch etliche weitere verbale Attacken zu schildern, die ihre Kolleginnen und Kollegen schon zu hören bekamen. Rot-Kreuz-Helfer im Kreis Kelheim mussten sich in wenigen Einzelfällen sogar schon körperlicher Angriffe erwehren: insbesondere, wenn Patienten betrunken oder unter Drogen waren, schildert Zieglmeier. Bevor es noch schlimmer wird, will nun der Landkreis die Bevölkerung sensibilisieren: mit der Aktion „Hände weg – wir retten Euch!“ Am Samstag, 5. Mai, findet sie am Kelheimer Ludwigsplatz statt.

„Freunde der Einsatzkräfte im Landkreis“

  • Aktion

    : Am Samstag, 5. Mai um 10 Uhr, eröffnet die Stadtkapelle den Aktionstag am Kelheimer Ludwigsplatz. Höhepunkt ist die Unterzeichnung einer „Solidaritätserklärung“.

  • Info:

    Organisationen wie Feuerwehr, BRK, DLRG, THW, Polizei bauen Infostände auf.

Pöbeln frustriert Ehrenamtler

Als „Prävention“ will Landrat Martin Neumeyer, der Initiator, die Aktion verstanden wissen: Einen Gewalt-Exzess gegen Einsatzkräfte gebe es im Landkreis zum Glück bisher nicht, betonten er und weitere Teilnehmer eines Pressegesprächs unisono. Aber „der Ton wird rauer“, bestätigt Stephan Zieglmeier. Und so manchem Bürger sei offenbar gar nicht mehr richtig bewusst, dass zum Beispiel „die Feuerwehr“ in Bayern weitestgehend aus Ehrenamtlichen bestehe, die ihre Freizeit im Dienst am Nächsten einsetzen, mutmaßt Kreisbrandrat Höfler: „Vielleicht ist diese Struktur so selbstverständlich geworden, dass man sie nicht mehr richtig schätzt…“, dass im Freistaat in aller Regel spätestens zehn Minuten nach einem Notruf Hilfe da ist. „Diese Leistung sollte man zumindest respektieren – wenn man schon nicht ,Danke’ sagt“. Denn sonst sei zu befürchten, dass irgendwann zu viele Ehrenamtler die Nase voll haben.

Schnelle Hilfe erwartet jeder, der selbst von einem Unglück betroffen ist. Das hindert Nicht-Betroffene freilich nicht daran, Einsatzkräfte zu beschimpfen, wenn zum Beispiel Straßensperrungen nötig sind. Foto: Archiv / Pfeffer
Schnelle Hilfe erwartet jeder, der selbst von einem Unglück betroffen ist. Das hindert Nicht-Betroffene freilich nicht daran, Einsatzkräfte zu beschimpfen, wenn zum Beispiel Straßensperrungen nötig sind. Foto: Archiv / Pfeffer

Bei den Feuerwehren sind es oft die Straßensperren an einer Unfallstelle, die Fahrer verbal ausflippen lassen, schildert Höfler. Zudem nehmen die Probleme mit „Gaffern“ zu, die schamlos draufhalten, teils sogar die Rettung behindern, erinnert Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann. Als traurigen Beleg dafür wertete er, dass die neue mobile „Gafferwand“ der Kelheimer Wehr bundesweites Interesse fand. Für Sanitäter wiederum „gefährlich“ ist, dass sie ihr Einsatz oft in Wohnungen, als in den höchstpersönlichen Bereich des Betroffenen führt. Dies und der Notfall an sich lässt bei manchem die Sicherung durchbrennen – natürlich insbesondere, wenn Drogen oder Alkohol im Spiel sind.

De-eskalieren und Polizei rufen

Solche Ausfälle nicht persönlich zu nehmen, sondern der Situation zuzuschreiben: Dafür werden die Retter mittlerweile geschult, berichtet Francesca Klostius, beim BRK Kelheim für Qualitätsmanagement zuständig. Gelehrt wird auch, die Situation wenn möglich zu de-eskalieren. Aber für die Sanitäter gilt auch die klare Ansage: „Wenn’s brenzlig wird: raus! Der Eigenschutz geht vor.“ In dem Fall bleibt den Helfern nichts anderes übrig, als auf die Polizei zu warten – die freilich bei einschlägigen Notruf-Meldungen von der Integrierten Leitstelle gleich mit alarmiert wird. Für Klostius und Zieglmeier Grund genug, den Polizisten im Landkreis zu danken: „Die halten immer den Kopf für uns hin, wenn’s am Einsatzort ,brennt’!“, sagte er in Richtung der Inspektionen Kelheim und Mainburg (die beim Pressetermin nicht mit dabei waren).

Die Ordnungshüter haben es in der Tat immer öfter mit regelrecht enthemmten Kandidaten zu tun. Das musste heuer zum Beispiel ein beinahe fassungsloser Mainburger Polizeichef Johann Stanglmair nach dem dortigen Faschingszug feststellen: „Wie sehr so eine Veranstaltung aus dem Ruder läuft, ist mittlerweile nicht mehr nachvollziehbar“, kommentierte er damals das hemmungslose Saufen etlicher Besucher, das nicht nur in Pöbeleien mündete, sondern auch in Faustschläge und Tritte. Auch Kelheims Inspektionsleiter Erich Banczyk beklagte in dem Zusammenhang, dass allgemein der Umgang untereinander immer rauer werde, insbesondere gegenüber uniformierten Beamten.

Stellten die Aktion vor: v.li.) Bürgermeister Hartmann, Francesca Klostius und Stephan Zieglmeier, BRK, Landrat Neumeyer, Kreisbrandrat Höfler Foto: hu
Stellten die Aktion vor: v.li.) Bürgermeister Hartmann, Francesca Klostius und Stephan Zieglmeier, BRK, Landrat Neumeyer, Kreisbrandrat Höfler Foto: hu

All das soll beim Aktionstag am Samstag, 5. Mai, thematisiert werden – „ohne dass das zu einer Trauerveranstaltung wird!“, betonte Landrat Neumeyer. Start ist um 10 Uhr. Nach Grußworten von ihm und Bürgermeister Hartmann spricht Manfred Gigler, Leitender Polizeidirektor am Präsidium Niederbayern, zum Thema „Mehr Respekt – mehr Rücksicht“. Kreisbrandrat Höfler erklärt dann das Motto „Hände weg – Wir retten Euch!“ vor. Nach der Bayernhymne durch die Stadtkapelle Kelheim wird eine „Solidaritätserklärung“ der Redner für die Einsatzkräfte unterzeichnet. Landrat und Bürgermeister Hartmann, dass viele Bürger den Weg zu der Veranstaltung finden: „Das wäre ein Zeichen von Solidarität mit unseren Einsatzkräften!“

Die vielseitige Arbeit der verschiedenen Einsatzkräfte im Landkreis Kelheim haben wir in der Serie „Unsere Retter“ vorgestellt!

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