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Siegenburg

Hatz auf Mann in Frauenkleidern

Am Freitag beginnt der Prozess vor dem Landgericht Regensburg wegen versuchten Mordes: Ein Brüderpaar soll einen jungen Mann durch Siegenburg gejagt haben.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Ab Freitag wird der brutale Überfall auf einen jungen Mann in Frauenkleidern vor dem Landgericht Regensburg verhandelt. Foto: dpa

Siegenburg. Mordversuch an einem jungen Mann in Frauenkleidern in Siegenburg (Lkr. Kelheim): Von Freitag an müssen sich ein Brüderpaar und deren Bekannter vor dem Landgericht Regensburg für diesen brutalen Überfall verantworten. Mit Schlägen, Fußtritten und einer Hatz durch die Marktgemeinde sollen sie ihr Opfer gequält und schließlich in einer kalten Februarnacht 2012 seinem Schicksal überlassen haben. Der junge Mann konnte sich selbst retten, seine Verletzungen waren massiv, aber nicht lebensbedrohlich, doch bis heute leidet er unter den psychischen Folgen.

Die Staatsanwaltschaft legt den drei Angeklagten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren gefährliche Körperverletzung und gemeinschaftlich versuchten Mord durch Unterlassen zur Last. Als Motiv sieht sie die Vorlieben des Opfers sich mehr als Frau zu sehen und sich auch dementsprechend zu kleiden. Diese Ausrichtung sei für den Angeklagten Tobias B. ein Grund gewesen, an jenem 23. Februar gegen 23 Uhr auf dem Marktplatz einen Streit anzufangen. Dort war das spätere Opfer mit dessen Bruder auf einer Parkbank gesessen. Tobias B. nannte den Mann laut Anklage „Schwuchtel“ und beschimpfte ihn als homosexuell. Als dieser zu erklären versuchte, dass er zwar gerne Frauenkleider trage, jedoch heterosexuell sei, soll B. ihm überraschend mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Nun soll auch dessen Bruder das Opfer mit Fäusten traktiert haben. Der junge Mann versuchte zu flüchten. Der bis dahin unbeteiligte dritte Angeklagte schloss sich dem Brüderpaar an, das nun das Opfer durch den Ort jagte und weiterhin mit Fäusten und – als es zu Boden ging – mit beschuhten Füßen traktierte, heißt es in der Anklageschrift. Dabei wurde der Geschädigte hauptsächlich im Gesicht und am Rücken getroffen.

Der Angeklagte Daniel A. soll dem Mann geholfen haben, sich wieder aufzurichten, während die Brüder weiter auf ihn eindroschen. Auf Geheiß von A. hin verlagerten die Täter das Geschehen in eine Gasse zwischen Marienplatz und Rathaus – aus Angst vor Augenzeugen, heißt es weiter in den Ausführungen der Staatsanwaltschaft. Dort sollen die Angeklagten begonnen haben, ihr Opfer zu quälen. Der junge Mann sollte seine Kleider ausziehen, was er verweigerte. Als er schließlich auf Geheiß den Mantel ablegte, zertrümmerte einer der mutmaßlichen Täter das in der Tasche steckende Handy. In der Folge drohte Tobias B. dem Opfer mit dem Tod, so die Ermittlungen. Einer der mutmaßlichen Täter forderte das Opfer auf, sich hinzuknien und sexuelle Handlungen bei einem aus der Gruppe durchführen, heißt es weiter in der Anklageschrift.

Weil das Opfer sich widersetzte, trieben sie es weiter durch die Ortschaft und verpassten ihm dabei Schläge und Fußtritte. Der junge Mann erlitt unter anderem eine Gehirnerschütterung, einen Nasenbeinbruch und eine Kieferhöhlenfraktur. Den Angeklagten sei klar gewesen, so die Staatsanwaltschaft, dass der Geschädigte zu diesem Zeitpunkt schwer verletzt und körperlich beeinträchtigt gewesen sei. Dennoch ließen die drei Männer ihr Opfer ohne Mantel auf einem Feld am Ortsrand zurück und begaben sich in ihre Wohnungen. Erst am nächsten Vormittag kehrten sie an den Tatort zurück, um den Geschädigten zu suchen. Hierbei hätten sie, so die Anklage, auch damit gerechnet, ihn verstorben aufzufinden.

Dem jungen Opfer war es selbst gelungen, in einem nahegelegenen Anwesen die Polizei zu verständigen. Der Mann wurde mehrere Tage stationär in der Uniklinik Regensburg behandelt. Durch die brutale Tat kam es bei ihm auch zu psychischen Problemen.

Der Prozess vor dem Landgericht Regensburg ist auf fünf Tage angesetzt. Am 21. Juni soll das Urteil gesprochen werden.

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