MyMz
Anzeige

Schauspiel

Heine hat das große Los gezogen

Die Großmußerin Henriette Heine gastiert mit dem Kultur-Mobil in 30 bayerischen Gemeinden – auch im Landkreis Kelheim.
von Edith Vetter

Henriette Heine lässt sich nicht unterkriegen – sie ist gerne die „Pippi Langstrumpf“, in der Kulturmobil-Saison 2018 die Becky Thatcher. Und jetzt freut sich auf die Theateraufführungen in der Heimat. Foto: Edith Vetter
Henriette Heine lässt sich nicht unterkriegen – sie ist gerne die „Pippi Langstrumpf“, in der Kulturmobil-Saison 2018 die Becky Thatcher. Und jetzt freut sich auf die Theateraufführungen in der Heimat. Foto: Edith Vetter

Großmuß.Fröhlich, begeisternd, impulsiv, lebenslustig und sympathisch. Diese Adjektive stehen alle für das junge Schauspieltalent Henriette Heine. Die 24-jährige Großmußerin hat sozusagen „das große Los gezogen“ und ein befristetes Engagement beim Tourneetheater Kulturmobil abschließen können. Seit Juni bis September gastiert das Kulturmobil, die rollende Theaterbühne des Bezirks Niederbayern in 30 bayerischen Gemeinden mit 60 Aufführungen. Mit dabei: Henriette Heine als Becky Thatcher in dem Theaterstück „Die Abenteuer von Tom und Huck“ nach dem Roman von Mark Twain.

Die Schauspielerin mit den langen blonden Haaren lächelt viel und strahlt große Zuversicht aus. Das Tournee-Angebot hat sie wieder in ihrer Berufswahl bestärkt und sie freut sich sichtlich, in der Heimat spielen zu dürfen. Es ist ein knallhartes Business, sagt Henriette Heine, und es braucht Zeit, bis man versteht, wie das wirre Geflecht aus Castingbüros, Schauspiel- und Werbeagenturen und Filmproduktionsfirmen funktioniert.

In der Schauspielerei seien viele Frauen aktiv und die Konkurrenz groß. Sie stehe in ihrer Karriere noch am Anfang. Heine hat ein Schauspielstudium an der Fachakademie für darstellende Kunst Bayern in Regensburg absolviert. „Das war eine wunderschöne Zeit mit viel kreativem Input und Austausch.“ Der Intendant und Regisseur Moritz Katzmair sei aus dieser Zeit ihr Mentor, der sie auch zum Kulturmobil gebracht habe.

Ein Sprichwort als Lebensmotto

In den zwei Jahren habe sie kleine und große Rollen im Turmtheater oder Stadttheater Regensburg erhalten oder am Festspielhaus München und Theater an der Rott in Eggenfelden mitgewirkt. Mit Kurzfilmrollen, Sprecher-Einsätzen oder Workshops hält sie sich finanziell über Wasser. Wer sich mit Heine unterhält, versteht, wie schwer es ist, in dieser Welt Erfolg zu haben, und wie groß die Belastung für junge Schauspieler ist, die zwar jede Menge Ehrgeiz und Talent haben, aber nur wenige Aufträge bekommen.

Henriette lässt sich nicht unterkriegen. „Jeder ist seines Glücks Schmied“, lächelt sie zuversichtlich. Dieses Sprichwort begleite sie ihr ganzes Leben. Denn niemals hätte sie gedacht, einmal auf den Brettern zu stehen, die die Welt bedeuten. „Als Kind wollte ich Schriftstellerin werden, wie mein Papa“, erzählte sie. Am Gymnasium habe sie dann beim Projekt „Dramatisches Gestalten“ Theaterluft geschnuppert. Heine ist fasziniert davon, wie ein Stück entsteht, von der ersten Leseprobe bis zur Aufführung. Sie spürt, dass das, was sie tut, beim Publikum ankommt, sie ist berauscht vom Applaus. Doch traute sie sich nicht, direkt nach dem Abitur Schauspiel zu studieren.

Viele Berufspraktika absolviert

Da auch ihre Eltern, eine Akademikerfamilie, sich nicht unbedingt für diese „brotlose“ Kunst begeistern konnten, suchte sie erst einmal in vielen unterschiedlichen Berufspraktika herauszufinden, was sie eigentlich werden wollte. „Man läuft durch die Welt und weiß gar nicht, wohin man will“, resümiert sie rückblickend. Aus lauter Verzweiflung begann sie ein Informatikstudium, das sie aber bald wieder abbrach.

Durch Zufall erhielt sie eine Einladung zu einem Vorsprechwettbewerb, verbunden mit einem dreimonatigen Schauspiel-Schnupperkurs an der Akademie. Die Eltern hatten nichts dagegen, da sie immerhin etwas machte, und Henriette hatte wieder ein Ziel vor Augen. Der Monolog „Henriette“ habe ihr Glück gebracht und unerwarteterweise das Schauspielstudium in Regensburg ermöglicht. Um finanziell über die Runden zu kommen, organisiert sie Theaterschnupperkurse für Kinder oder Rhetorikworkshops an Schulen.

Sie schlüpft gerne in Kinder- oder Märchenrollen wie „Rapunzel“, „Hexe Hillary geht in die Oper“ oder „Pippi Langstrumpf“. Es sei schön vor Kindern zu spielen, denn die seien ein ehrliches Publikum. Da weiß man sehr schnell, ob man gut oder langweilig spielt. Spitzbübisch gesteht sie, dass sie gerne Rollen von „ungeliebten“ Lehrern ausgiebig parodiere. Das gehöre zu den schauspielerischen Freiheiten, lächelt Henriette verschmitzt.

Mit ihren zwei Schauspielkollegen bei „Tom und Hack“ hat sie ein inniges Verhältnis. „Wir sind drei wilde Schauspieler. Es ist ein Geben und Nehmen“, schwärmt sie. „Immer wieder fällt uns bei den Proben zu einer Szene etwas Neues ein, das dann regiemäßig verpackt wird.“ Julian Häuser (Tom) kenne sie noch von der Schauspielschule her.

Das Lernen von dramatischen Rollen oder Komödien unterscheide sich kaum. Beides fällt ihr nicht schwer. „Wenn ich auf die Bühne gehe, ist dies mit intensiver Vorbereitungszeit verbunden gewesen.“ In Maske und Kostüm verwandle sie sich am Vorstellungsabend in den Charakter, den sie zu verkörpern habe, und versetze sich in dessen Geschichte und Situation, und dann gehe es los. Atem-, Entspannungs- und Stimmübungen halten sie fit. Auf die Frage, ob sie noch ein Hobby habe, kommt spontan: „Theater spielen“.

Das Kulturmobil auf Tournee

  • Kulturmobil:

    Das fahrende Theater des Bezirks Niederbayern, ist mit dem Stück „Tartuffe, der Scheinheilige“ – nach der Komödie von Jean Baptiste Molière – und dem Kindertheaterstück „Die Abenteuer von Tom und Huck“ und 30 Mitwirkenden im Sommer 2018 auf Gastspielreise durch den ganzen Bezirk.

  • Gastspiele:

    Das Kulturmobil, eine Idee von Bezirksheimatpfleger Dr. Maximilian Seefelder ist seit 1998 auf Tour. Das Programm an den Gastspielorten ist immer gleich. Heuer wird um 17 Uhr wird das Kinderstück „Tom und Huck“ gegeben, um 20 Uhr „Tartuffe, der Scheinheilige“ Der Eintritt ist für die Besucher frei.

  • Abensberg:

    Sonntag, 22. Juli im Schlossgarten. Bei Schlechtwetterprognose am Feuerwehrgelände, An den Sandwellen

  • Riedenburg:

    18. August auf dem Marktplatz, bei Schlechtwetterprognose auf dem Gelände des Städtischen Bauhofs in der Bahnhofstraße 11.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Kelheim finden Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht