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Kultur

Hexen, Geister und Helden der Stadt

In den szenischen Stadtführungen entführen Schauspieler aus Abensberg seit zehn Jahren in die Geschichte und die Sagenwelt.

Die Magd will Geister und Hexen gesehen haben.
Die Magd will Geister und Hexen gesehen haben.

Abensberg.Die Gruppe ist gerade im Brunnenhof des Schlosses angekommen. Laute Schreie sind zu hören. Kurze Zeit später kommt eine Frau entgegengerannt. Ein Blick auf die Kleidung – etwa Haube und Holzschuhe – zeigt: Es handelt sich um eine Dienstmagd aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Angstvoll blickt sie in den schwarzen Nachthimmel. Sie beginnt von wundersamen Erscheinungen zu erzählen, berichtet von Hexen und Geistern, die sie gesehen haben will.

Stadtführerin Anna Maria Tuscher-Sauer ist mit rund 30 Teilnehmern unterwegs durch die Stadt. Wieder einmal läuft eine szenische Stadtführung. Diesmal geht es um Butterhexen, Druden und allerlei sagenhafter Gestalten. Die Veranstaltungs-Reihe feiert heuer ihr „Zehnjähriges“. Der Jahrestag der Schlacht von Abensberg 2009 animierte seinerzeit Museumschef Dr. Tobias Hammerl, diese Art der Stadtführungen anzustoßen. „Seither kommen immer wieder neue Themen dazu“, berichtet Tuscher-Sauer. Sie ist seit Anfang an mit dabei.

Von Aventin bis zum Hopfen

Die Abensbergerin, die auch schon auf der Theaterbühne große Erfahrungen gemacht hat, sagt weiter: „Wir setzen uns oft zusammen und überlegen, welche Themen interessant sein könnten.“ Auf diese Weise entstanden im Laufe der Zeit sieben verschiedene Aufführungen. Da geht es um Aventin, wie gesagt um die Zeit von Napoleon – aber auch um den Hopfen oder eben die Sagen- und Legendenwelt rund um die Babonenstadt. Eine kurze Umfrage unter den Teilnehmern zeigt: Es sind einige dabei, die bei jedem Thema mindestens einmal mitgegangen sind. „Wir haben absolute Stammgäste“, freut sich Tuscher-Sauer.

Szenische Stadtführung Abensberg

Die Texte für die schauspielerischen Einlagen, die jeweils einige Minuten dauern, stammen von Hammerl. Sind die geschrieben, wird ein sinnvoller Weg durch die Stadt gesucht. Diesmal geht es an dunklen Ecken im Schlossbereich, beim Schwefelschwammerl und auf der Liebesinsel. Diese Führungen sind eine Gemeinschaftsproduktion der Stadt und des Theatervereins Lampenfieber. Denn an den habe sich Hammerl zu Beginn gewandt, um an erfahrene Schauspieler zu kommen. Noch heute ist Thomas Seeber mit dabei. Diesmal spielt er eine Doppelrolle. Ihm zur Seite stehen Margit Mages und Agnes Englerth.

Geschichte unter den Sternen

Die Magd ist nach Hause geeilt. Tuscher-Sauer holt die Truppe zusammen. Jetzt gibt es den Geschichtsunterricht. Denn die kleine Szene bleibt nicht unkommentiert. Die Magd erzählte von Hexen, welche die Butter sauer machen. Und wie man sich wohl davor schützen könne.

Die Stadtführerin berichtet davon, dass es früher ein schwerer Schaden war, wenn Lebensmittel verdarben. Kurz mal zum Supermarkt – das ging früher nicht. Da habe man gern an Hexen geglaubt, denen man die Schuld zuschieben konnte. Sie erzählt weiter, wie der Hexenglaube von Kirchenmännern befeuert wurde. Und dass es noch im 19. Jahrhundert diesen Aberglauben gab – und Hexenverbrennungen. Dabei habe viel früher Karl der Große solche Umtriebe bei Todesstrafe schon verboten gehabt.

Am Ende gibt es einen gemeinsamen Auftritt der drei Darsteller.
Am Ende gibt es einen gemeinsamen Auftritt der drei Darsteller.

Sie freut sich, dass sie bei ihren Ausführungen freie Hand hat. Sie kann selbst entscheiden, bei welche Historischen Ereignisse oder Themen sie besonders gewichtet. Nur die Spielszenen seien konkret vorgegeben. Bei denen mitzumachen, gefällt Seeber nach wie vor. Das Textlernen sei nicht so aufwendig, da es nur kleinere Auftritte sind. Außerdem müsse man sich nicht so arg in eine Rolle hineindenken wie auf der Theaterbühne. Da müsse man eine Figur ja regelrecht entwickeln. Auch aus einem anderen Grund seien solche Auftritte etwas ganz anderes als in einem Schauspielhaus. „Wir sind draußen. Da kann immer etwas passieren“, betont Kollegin Mages. Da könne schon einmal ein streunender Hund die Szene stören. Später wird sie als Ehefrau ihren betrunkenen Mann – gespielt von Seeber – nach Hause bringen. Seine Erscheinungen, die er hat, schiebt sie auf den Alkohol.

Auch so können alle Abensberg entdecken

  • Klassisch:

    Abensberger Stadtführer erzählen bei einem Spaziergang durch die Stadt aus der Geschichte wie der Gegenwart Abensbergs. Eine solche Veranstaltung dauert 90 Minuten. Das Angebot ist auch barrierefrei möglich. Dann können maximal 20 Personen teilnehmen – ansonsten sind es deren 30.

  • Keller:

    In der Babonenstadt darf auch in die die Unterwelt eingetaucht werden. Es gibt Einblicke in uralte, sonst für die Allgemeinheit verschlossene Räume. Es gibt Anekdoten und Fakten über Häuser, das Leben der Menschen aus früheren Tagen und das Bier. Diese Führungen werden von Robert Jahny organisiert.

  • Kirche:

    Führungen gibt es ebenso durch die Abensberger Gotteshäuser. Wer noch nie auf einem Abensberger Kirchturm war, kann das ändern. Das Pfarramt Abensberg organisiert diese Veranstaltungen. So ist es aus der Touristikabteilung der Stadt zu erfahren. Dort gibt es Infos zu weiteren Führungen. (wo)

Mittlerweile ist die Gruppe aber wieder in der Innenstadt angekommen. Gestartet war sie vor dem Herzogskasten. Jetzt stehen alle auf der kleinen Grünfläche bei der Osterriedergasse. Hier hat Seeber seinen zweiten Auftritt. Als Erasmus Rambein betritt er die Szenerie. Das ist ein Stadtpfarrer, der vor einigen Jahrhunderten in Abensberg gewirkt hat. Dem Akteur sieht man die Freude an, ausgerechnet so eine Figur zu spielen. Sie gibt den Teilnehmern der Führung etwas mit auf den Weg. Sie sollen nicht an Ammenmärchen glauben. Sicherlich habe nicht der Teufel die Stadtmauer gebaut. Solchen Glauben gab es in vielen Städten.

Bald danach ist die Führung zu Ende. 90 kurzweilige Minuten sind viel zu schnell vergangen. Aber keine Angst: Hammerl, Tuscher-Sauer und ihre Mitstreiter arbeiten bereits an einer weiteren, neuen Führung. Im kommenden Jahr wollen sie ihre Gäste in die interessante Zeit zwischen den Weltkriegen entführen.

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