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Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Kultur

Hoffnung auf ein langes Erbe

Die Donau war Limes Grenze, jetzt soll der Donau-Limes Teil des Unesco-Welterbes „Grenzen des römischen Reichs“ werden.
Von Gabriele Schwarzbözl und Jochen Dannenberg

Schnee auf dem Gelände des Auxiliarkastelles Abusina in Eining lässt die Überreste der Römerbauten deutlich hervortreten. Foto: Dr. Stefan Satzl
Schnee auf dem Gelände des Auxiliarkastelles Abusina in Eining lässt die Überreste der Römerbauten deutlich hervortreten. Foto: Dr. Stefan Satzl

Künzing.Vier Seiten waren 1987 für einen Antrag als Welterbe nötig, der Hadrians-Wall in Großbritannien war darin mittels Filzstift-Linie markiert. Die Zeiten haben sich geändert: Auf 2300 Seiten, aufgeteilt in drei Bände, ist begründet, warum der „nasse Limes“, die Donau zwischen Eining und dem ungarischen Kölked, nun ebenfalls zum Welterbe erklärt werden soll. Der entsprechende Antrag wurde am 2. Februar bei der Unesco in Paris eingereicht.


Transnationales Projekt

Kulturstaatssekretär Bernd Sibler, Prof. Dr. C. Sebastian Sommer, Landeskonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und Vorsitzender der Deutschen Limes-Kommission, sowie Vertreter der beteiligten Kommunen erläuterten am Donnerstag im Museum Quintana in Künzing die Bedeutung und den Zwischenstand in Sachen „Welterbe“.

2300 Seiten dick ist der Antrag für den Donau-Limes bei der Unesco. Foto: Gabriele Schwarzbözl
2300 Seiten dick ist der Antrag für den Donau-Limes bei der Unesco. Foto: Gabriele Schwarzbözl

Die benötigte thematische Studie, mit der der Antrag begründet wurde, hatte auch einen Vorteil: Die Forscher selbst haben dabei einiges gelernt, erläuterte Prof. Sommer. Und: Das Projekt ist transnational. Neben Bayern sind Österreich, die Slowakei und Ungarn beteiligt; aufgeführt sind 164 Areale an 98 Standorten an 997 Flusskilometern.

Entscheidung in 2019

  • In Künzing

    trafen sich Vertreter der beteiligten Kommunen, um den Antrag zu unterstützen.

  • 2300 Seiten

    dick ist der Antrag für den Donau-Limes bei der Unesco.

  • Die beteiligten

    Kommunen hoffen auf eine positive Entscheidung im nächsten Jahr.

Auf deutscher Seite ist dabei die Oberpfalz, aber vor allem Niederbayern beteiligt, betonte Kulturstaatssekretär Sibler. Als „starkes Signal der Geschlossenheit“ wertete er die positiven Beschlüsse der Stadt- und Gemeinderäte der beteiligten Kommunen, die Unesco werde die internationale Kooperation hoch werten. Gleichzeitig bedeute der Titel Welterbe eine Lobbyarbeit für die Denkmalpflege. Dies schärfe „das historische Bewusstsein und die Verantwortung, das Erbe für Generationen nach uns zu erhalten“.

Stärkere Identifizierung

Die jeweiligen herausragenden universalen Werte (die Unesco fordert „outstanding universal values“) als Belege erläuterten die Vertreter der beteiligten Kommunen. In Künzing sind dies Amphitheater und Vicus. Bürgermeister Bernhard Feuerecker betonte die Innenwirkung einer Welterbestätte vor Ort: Die Gemeinde würde sich stärker damit identifizieren. Dr. Jörg-Peter Niemeier, Leiter des Archäologie- und Römermuseums in Passau, hofft durch eine Anerkennung auf größere Besucherzahlen für die Einrichtung. Ähnliches erwarten Clemens Unger, Kulturreferent aus Regensburg, Theo Schabmüller, 3. Bürgermeister von Kelheim, sowie Eduard Albrecht, Kulturreferent und Heimatpfleger von Neustadt, und Prof. Dr. Günther Moosbauer, Leiter des Straubinger Gäubodenmuseums.

Neustadts Heimatpfleger Eduard Albrecht stellte fest: „Der Weltkulturerbe-Status schafft die Möglichkeit einer zeitgemäßen Präsentation und Erfahrbarkeit unseres römischen Erbes. Foto: Dannenberg
Neustadts Heimatpfleger Eduard Albrecht stellte fest: „Der Weltkulturerbe-Status schafft die Möglichkeit einer zeitgemäßen Präsentation und Erfahrbarkeit unseres römischen Erbes. Foto: Dannenberg

Eduard Albrecht wies auf die Anstrengungen der Stadt Neustadt, das Kastell Abusina in Eining an der Schnittstelle von „nassem“ und „trockenem“ Limes für Besucher aufzuwerten. 900000 Euro seien investiert worden. Das Römerfest „Salve Abusina“ habe sich seither zu einer bedeutenden Veranstaltung im süddeutschen Raum entwickelt und locke jedes Jahr Tausende Besucher an. Eduard Albrecht stellte fest: „Der Weltkulturerbe-Status schafft die Möglichkeit einer zeitgemäßen Präsentation und Erfahrbarkeit unseres römischen Erbes. Die Stadt Neustadt unterstützt deshalb uneingeschränkt den Antrag ‚Weltkulturerbe Donau-Limes‘ als logische Fortführung des bereits nominierten germanisch-raetischen Limes und hofft auf baldige Anerkennung.“

In Künzing trafen sich Vertreter der beteiligten Kommunen, um den Antrag zu unterstützen. Foto: Gabriele Schwarzbözl
In Künzing trafen sich Vertreter der beteiligten Kommunen, um den Antrag zu unterstützen. Foto: Gabriele Schwarzbözl

Theo Schabmüller, 3. Bürgermeister der Stadt Kelheim, erläuterte: „Kelheim ist mit dem Kleinkastell bei Weltenburg beteiligt. Hier trifft der ‚trockene‘ Limes auf die Donau. Das Kastell ist nicht sichtbar, aber am Rande eines Baugebiets noch erhalten.“ Schabmüller hofft, dass mit einer Auszeichnung des Donau-Limes Touristenströme vom Donaudurchbruch zum „nassen Limes“ abgezweigt werden könnten.

Prof. Dr. Moosbauer blickte in die Zukunft: „Ich träume von dem Welterbe bis zum Schwarzen Meer.“ Der Traum von Landeskonservator Sommer geht sogar noch darüber hinaus, er sieht das Projekt „Grenzen des römischen Reichs als Welterbe“ den Mittelmeerraum umschließend.

Das würde 19 Staaten auf drei Kontinenten – Europa, Asien und Afrika – umfassen. Die einstige Grenze, der Limes, würde dann als Verbindung fungieren. Die beteiligten Regionen und Länder müssten sich beispielsweise in der Entwicklung des Tourismus abstimmen und können international Forschung betreiben. Aufgrund verschiedener Herausforderungen wie Kriege und Vertreibung sei dies derzeit aber nicht möglich, weshalb sich der Antrag auf Europa konzentriert. Sommer und Sibler hoffen auf einen positiven Bescheid im Juli 2019.

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