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Probleme

Ihre Hilfen sind schwer gefragt

Im Jugendhilfeausschuss berichten Schul-Sozialarbeiterinnen und eine Psychologin, wo ihre Klienten der Schuh drückt.
Von Beate Weigert

Probleme mit dem Ausbilder, den Eltern oder der Freundin: Auch am BSZ in Kelheim und Mainburg haben die Schul-Sozialarbeiterinnen alle Hände voll zu tun. Im Kreis-Jugendhilfeausschuss gaben sie Einblick in ihre Arbeit. Symbol-Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Probleme mit dem Ausbilder, den Eltern oder der Freundin: Auch am BSZ in Kelheim und Mainburg haben die Schul-Sozialarbeiterinnen alle Hände voll zu tun. Im Kreis-Jugendhilfeausschuss gaben sie Einblick in ihre Arbeit. Symbol-Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Kelheim.Die Quintessenz der Berichte der Schul-Sozialarbeiterinnen von JaS und der Leiterin der Kelheimer Erziehungsberatungsstelle im jüngsten Kreis-Jugendhilfeausschuss: Sie haben immer mehr zu tun.

Cordula Wallner und Andrea Gietl stellten den Mitgliedern ihre Arbeit von JaS, Jugendsozialarbeit an Schulen, speziell am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum (BSZ) in Kelheim und Mainburg vor. Seit zehn Jahren gibt es das Angebot und laut den beiden Referentinnen ist es immer öfter nötig.

Die beiden sind zusammen mit einer dritten Kollegin der Anknüpfungspunkt für Jugendliche mit Problemen. Das JaS-Team ist quasi ein „verlängerter Arm“ des Kreisjugendamts. Dass dieses tatsächlich eingeschaltet werden müsse, ist laut Cordula Wallner jedoch die Ausnahme. „Meistens können wir alles alleine lösen.“

Unbestritten ist jedoch, dass die Fallzahlen stetig steigen. Meist sind die Sozialpädagoginnen damit beschäftigt, Einzelfälle lösen zu helfen.

Meist vermitteln Lehrer die Sozialarbeiterinnen an die Berufsschüler. Oft melden sich aber auch die Schüler selbst, weil sie das Angebot mittlerweile kennen, so Wallner.

Rechnet man die BSZ-Außenstelle Mainburg und FOS/BOS mit ein, so kümmern sich die Frauen um mehr als 2000 Jugendliche. An die 220 Fälle beschäftigten sie im vergangenen Jahr.

Stress mit dem Ausbilder

Die Probleme der Berufsschüler sind vielfältig. Es kann um Knatsch mit dem Ausbilder gehen, um Stress mit der Freundin oder dem Freund, um psychische Probleme, Ärger im Elternhaus oder Hilfe bei der Suche nach einer eigenen Bleibe nötig werden. Um nur einiges zu nennen. Wer einmal 18 Jahre alt ist, hat sonst keine andere Möglichkeit, Unterstützung zu finden, wenn er oder sie nicht schon zuvor einmal ein Fall für die Jugendhilfe gewesen ist, so Wallner. Oft seien dann der sozialpsychiatrische Dienst der Caritas oder die Schuldnerberatung wichtige Partner.

Hinter massiven Problemen im Betrieb könne viel Größeres stecken. Ein Trauma durch viel früher erfahrenen sexuellen Missbrauch etwa. Eltern, Lehrer oder Betriebe erfahren nicht, dass Jugendliche die Schul-Sozialarbeiter aufsuchen. Einzige Ausnahme: Wenn die Gefahr besteht, dass sie sich selbst oder andere gefährden könnten. Alles andere ist vertraulich.

Neuerung für Pflegeeltern

  • Beitrag: Mit Zustimmung des Ausschusses steigt der monatliche Erziehungsbeitrag für Pflegeeltern im Kreis ab Juli von 300 auf 350 Euro.

  • Pauschalen: Damit beträgt die Pflegepauschale, die sich aus Erziehungsbeitrag und Unterhaltsbedarf zusammensetzt 854 Euro (für Kinder bis 6 Jahre), 958 Euro (7-12 Jahre) und 1098 Euro (ab 13 Jahre). Für Zusätzliches, wie Fahrrad, neue Brille etc. gibt es künftig monatlich pauschal 50 Euro.

  • Zusatzleistungen: Mit der neuen Pauschale entfällt laut Kreis-Jugendamtsleiter Norbert Birnthaler eine Vielzahl von Einzelzuschuss-Möglichkeiten. Künftig soll es diese nur noch zur Erstausstattung für Möbel und Kleidung, der Übernahme des Kindergartenbeitrags, bei der Einschulung und als Weihnachtshilfe geben.

  • Ambulante Hilfe:

    Zudem ermächtigte der Ausschuss die Verwaltung des Kreis-Jugendamts, im Bereich der ambulanten Hilfen zur Erziehung oder Eingliederungshilfe nach dem Sozialgesetzbuch VIII Vereinbarungen mit freien Trägern der Jugendhilfe abzuschließen.

Diplom-Psychologin Birgitta Hable, die Leiterin der Kelheimer Erziehungsberatungsstelle, macht ihren Job seit 1990. Zu Beginn ihres Referats im Jugendhilfeausschuss machte sie klar: Sie könnte noch viel mehr arbeiten. Allein die Kapazitäten sind begrenzt. Es gibt eine Warteliste.

Inhaltlich hat sich bei Birgitta Hable viel verändert seit 1990. Prinzipiell würden Jungs öfter auffällig, meist durch aggressives Verhalten. Doch inzwischen brauchen auch immer öfter Mädchen Hilfe, so Hable. Bei ihnen gehe es jedoch mehr um Depression oder Ängste. Risikofaktoren psychisch auffällig zu werden, seien niedriger sozioökonomischer Status, Migrationshintergrund, Konflikte in der Familie, Ein-Elternfamilien oder auch psychisch, chronisch oder suchtkranke Eltern.

Gravierendere Fälle als früher

Birgitta Hable verzeichnet von Jahr zu Jahr mehr Fälle. Die Gründe, weswegen Familien sie kontaktieren, seien gravierender und wesentlich komplexer geworden als früher. Und entsprechend nicht mit wenigen Terminen abgehandelt. Früher kamen Klienten etwa, weil ein Kind sehr schüchtern war oder Prüfungsangst hatte. Auch Erziehungsprobleme seien in den Hintergrund getreten. „Das ist inzwischen vielleicht ein Fall von 100.“ Heute geht es um Selbstverletzung, sexuelle Gewalt, Cybermobbing, exzessive Handynutzung oder auch Transsexualität.

Wer als Kind Traumata erleidet, wird sehr wahrscheinlich als Erwachsener mit Problemen zu kämpfen haben, sagte Hable mit Blick auf Langzeitstudien. Für die Gesellschaft bedeute dies hohe Folgekosten. Zudem werde sie immer häufiger auch bei Kinder, die jünger als drei Jahre sind, kontaktiert. Oftmals hätten Eltern heute ein Problem damit, Grenzen zu ziehen.

Auch die Erziehungsberatung ist kostenlos, unterliegt der Schweigepflicht. Landkreisbürger jeder Konfession oder Nationalität können sich dort Hilfe holen.

Mittlerweile gibt es auch eine Onlineberatung unter bke-beratung.de, Betroffene können auf dem Weg von zu Hause aus mit Psychologen chatten. Es gibt einen für Jugendliche und einen für Eltern.

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