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Samstag, 21. Juli 2018 31° 2

Grossbaustelle

Im Juli wird es in Abensberg leiser

Der erste Abschnitt beim Projekt Rathaus geht zu Ende. Und auch der Lärm hört auf. Bald werden neue Mauern hochgezogen.

  • Gerhard Rölz zeigt auf einen der Bohrpfähle. Fotos: Abeltshauser
  • In den kommenden Tagen stehen Erdarbeiten an. Foto: Abeltshauser

Abensberg.Wer rund um den Stadtplatz wohnt, der kann ein wenig aufatmen. Gerhard Rölz, im Bauamt für Hochbauten zuständig, verspricht: „Die lärmintensiven Arbeiten beim Rathaus sind jetzt zu Ende.“ Seit einigen Tagen ist der große Bohrer abgezogen, der notwendig war, um die Bohrpfähle zu setzen. Die sollen die Baugrube abstützen, die in den kommenden Tagen ausgehoben wird. Ab Juli wird es endgültig ernst. Die Maurer kommen und ziehen die Wände für den Neubau hoch.

Bauleiter Rölz ist mit dem bisherigen Verlauf der Großbaustelle mitten in der Altstadt im Großen und Ganzen zufrieden. Auch wenn das Projekt einige Tage im Zeitverzug ist. Hatten doch Untersuchungen des Bodens ergeben, dass der nicht auf der gesamten Fläche so tragfähig ist wie gedacht. Nicht überall stieß man auf Granit, der durchaus hilfreich sei. So mussten erst einmal die Statiker neu rechnen.

Diese ungewöhnliche Aufnahme in ein Bohrloch gelang Gerhard Rölz. Foto: Rölz
Diese ungewöhnliche Aufnahme in ein Bohrloch gelang Gerhard Rölz. Foto: Rölz

Insgesamt 101 Pfähle aus Beton sollen die Baugrube stützen – und der Bodenplatte Halt geben. Im südlichen Bereich müssen die jetzt aber noch zusätzlich gesichert werden. Eine Zement-Wassermischung wird dort eigens angebracht. Dafür wird derzeit das Erdreich zwei Meter tief abgetragen. Danach entfernen die Arbeiter weitere 150 Zentimeter. Dann ist die Tiefe erreicht, in der die Bodenplatte aufgebracht wird. Ist dies erledigt, können die Maurer kommen. Geplant ist das laut Rölz für den Juli. Ein genauer Termin könne nicht genannt werden. Das hänge nicht zuletzt davon ab, wie schnell der Beton der Platte trocknet. In einem Jahr soll der Rohbau fertig sein.

Keine archäologischen Funde

Archäologische Überraschungen gab es bisher keine. Womit bei einer Baustelle in einer historischen Altstadt ja durchaus zu rechnen ist. Entsprechende spezielle Untersuchungen gab es laut Rölz nicht. Allerdings seien Geologen von Anfang an im Spiel gewesen. Die das Erdreich im Blick hatten, um die Bodenbeschaffenheit zu prüfen. Der Bohrer sei demnach auf keine auffälligen Erdschichten gestoßen, die Archäologien hätten aufhorchen lassen.

Hierzu passt, was Stadtarchivar Franz Piendl zu den Gebäuden weiß, die dem kommenden Neubau haben weichen müssen. Sie waren bei weitem nicht so alt wie etwa der denkmalgeschützte Rathaus-Altbau. Zum Teil entstanden sie erst Mitte des vorigen Jahrhunderts. Der Kelheimer Band der Reihe „Denkmäler in Bayern“ hat im Gegensatz zu anderen Bauten in der Dollinger Straße über diese Gebäude nichts zu berichten. Archäologische Untersuchungen im Vorfeld von Baumaßnahmen waren damals oder noch früher im 19. Jahrhundert nicht üblich.

Die Baustelle der Post in der Bahnhofstraße. Foto: Stadtarchiv
Die Baustelle der Post in der Bahnhofstraße. Foto: Stadtarchiv

Stadthistorisch am interessantesten von den abgerissenen Bauten war sicherlich das so genannte Kassenhäuschen – der in rot gehaltene frühere Anbau südlich des Rathauses. Piendl weiß, dass dort 1894 bis 1925 die Reichspost ihre Räume hatte. Dort gab es auch ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts eine öffentliche Telefonstelle. Danach waren die Räumlichkeiten zu klein – die Post zog in die Bahnhofstraße um.

Der Altbau hat noch Ruhe

Ein neue Nutzer war da schon gefunden. Die kaufmännische Abteilung des Elektrizitätswerkes zog ein. Im oberen Geschoss wurden Wohnungen für städtische Bedienstete eingerichtet. Die übrigen Gebäude dienten Abensberger Unternehmern als Wohnstätte wie als Arbeitsplatz. Zum Beispiel gab es dort vor einigen Jahrzehnten noch eine Zahnarztpraxis. All das ist aber Vergangenheit. Ab Juli wird ein Neubau entstehen, der wichtige Abteilungen der Stadtverwaltung beherbergen wird – dazu Büros der Stadtwerke und der Volkshochschule.

2020 soll das Rathaus fertig sein

  • Umzug:

    Am letzten Novemberwochenende war es soweit: Das gesamte Rathaus zog um zum Ausweichstandort an der Münchner Straße. 40 Mann waren damit rund 48 Stunden beschäftigt. In einer Abendschicht hatten die Angestellten dazu wichtige Utensilien in Umzugskartons gepackt.

  • Abriss:

    Am 20. Februar war es dann soweit: Es rückten die Abbruchbagger an. Die Gebäude zwischen der Apotheke und dem denkmalgeschützten Bau wurden platt gemacht. Vor Ort wurden Materialien sortiert. Einige Wochen davor waren die Arbeiter damit beschäftigt, die alten Gebäude zu entrümpeln.

  • Zukunft:

    Die Bau- und Sanierungsarbeiten werden sich laut Planung bis ins Jahr 2020 erstrecken. Entstehen soll nach den Worten von Bürgermeister Dr. Uwe Brandl ein modernes, barrierefreies, Verwaltungszentrum. Platz geben wird es dann auch für Büros der Volkshochschule und der Stadtwerke Abensberg.

Ruhe liegt dagegen noch einige Monate über dem denkmalgeschützten, Jahrhunderte zählenden alten Rathaus. Frühestens im Januar werden dort laut Rölz die Sanierungsarbeiten starten. Kontrollgänge im ehrwürdigen Gemäuer sind übrigens keine notwendig. „Es ist alles frostfrei gemacht und ohne Strom“, sagt der Baufachmann. Da könne nichts passieren. Dabei gab es ähnlich wie bei der Baustelle nebenan für den Neubau unangenehme Überraschungen. Kontrollen unter dem Dach hatten ergeben, dass der Staub dort bleihaltig war. Fachleute mussten kommen, um den mit Spezialsaugern zu entfernen. Der Staub hatte sich auch auf die Akten des Bauamts niedergelassen, die vor einigen Wochen noch auf dem alten Dach lagerten. Sie sind mittlerweile im Archiv in der Römerstraße. Rölz hat sie eigenhändig aussortiert. Nicht mehr alles müsse aufgehoben werden.

Hier ist der Zweck der Pfähle gut nachzuvollziehen. Foto: Abeltshauser
Hier ist der Zweck der Pfähle gut nachzuvollziehen. Foto: Abeltshauser

Der Grund für den Einsatz der Fachkräfte liegt in der Vergangenheit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts habe man wohl Blei verwendet, um den Brandschutz sicherzustellen. Das Holz wurde damit bestrichen. So hat Rölz es aus Expertenmund gehört. Kontrolliert werde im übrigen auch das Glockenspiel, dass seit November ja nicht mehr klingt. Falls nötig, soll es restauriert werden, damit es ab 2020, wenn die Arbeiten beendet sein sollen, wieder zu hören sein wird.

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