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Förderzentrum

Immer mehr Kinder außer Rand und Band

Selbst Sonderpädagogen geraten bei sozial auffälligen Schülern an ihre Grenzen. Eine neue Klasse in Thaldorf soll helfen.
Von Beate Weigert

Immer mehr Kinder haben soziale oder emotionale Probleme oder Defizite. Das bringt selbst Sonderpädagogen an ihre Grenzen. Symbol-Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Immer mehr Kinder haben soziale oder emotionale Probleme oder Defizite. Das bringt selbst Sonderpädagogen an ihre Grenzen. Symbol-Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Kelheim.Viele betroffene Buben und Mädchen könnten eine reguläre Grundschule im Kreis Kelheim besuchen. Doch immer mehr Kinder fallen mittlerweile in sozialer bzw. emotionaler Hinsicht derart auf, dass ihnen bzw. ihren Eltern oft bald ein Schulwechsel nahe gelegt wird. Dann landen sie in der Regel am staatlichen Förderzentrum, der Eduard-Staudt-Schule in Thaldorf.

Doch auch dort geraten Sonderpädagogen immer wieder an ihre Grenzen. Um diese Kinder aufzufangen, soll ab dem Schuljahr 2020/21 eine neue Stütz- und Förderklasse (SFK) installiert werden, das hat der Kreis-Jugendhilfeausschuss beschlossen.

Probleme

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Vor der Abstimmung schilderte Christine Jochheim, die Leiterin des Förderzentrums in Thaldorf, wie der Schulalltag bislang aussieht und berichtete von ihren Erfahrungen mit Stütz- und Förderklassen (SFK), die sie als Konrektorin in Passau sammelte.

Schwer aggressiv nach außen oder innen

Immer mehr Kinder zeigten extreme Verhaltensstörungen oder psychische Auffälligkeiten, so Jochheim. Auch Norbert Birnthaler, der Leiter des Kelheimer Kreis-Jugendamts, bestätigt die „stark gestiegene Zahl sozial auffälliger Schüler“. Teils hätten bereits Schulanfänger Erfahrungen aus der Kinderpsychiatrie.

Die einen seien schwer aggressiv nach außen, andere nach innen, so Jochheim. Manchmal seien solche Kinder nicht zu bändigen. Selbst Klassleiter des Förderzentrums seien da überlastet. „Es sind noch 13 andere Kinder in der Klasse.“ Damit der Rest der Klasse lernen könne, dafür sei die neue SFK gedacht. „Wir kommen zurecht, aber anders ist es effektiver“, sagte Jochheim.

Christine Jochheim, die Leiterin der Eduard-Staudt-Schule in Thaldorf, will die Herausforderung „Stütz- und Förderklasse“ annehmen. Foto: Weigert
Christine Jochheim, die Leiterin der Eduard-Staudt-Schule in Thaldorf, will die Herausforderung „Stütz- und Förderklasse“ annehmen. Foto: Weigert

Zwei Pädagogen - ein Sonderpädagoge, der speziell im sozial-emotionalen Bereich ausgebildet ist und ein Sozialpädagoge - betreuten in Doppelbesetzung die SFK. Diese werde fünf bis maximal acht Schüler haben. Das Angebot sei ganztägig. Mit zwei Experten für eine Klasse ließen sich Probleme schon abfangen, bevor sie eskalierten, so Jochheim. „Wir hoffen so, die Spitze des Eisbergs abzufangen.“

Stütz- und Förderklassen

  • Verbreitung:

    Aktuell gibt es in Niederbayern 17 Stütz- und Förderklassen. Teils zwei an einer Schule. Nur die Landkreise Kelheim und Regen waren bislang ein „weißer Fleck“. Das soll sich zum Schuljahr 2020/21 ändern.

  • Kosten:

    Der Kreis-Jugendhilfeausschuss stimmte der Einführung einer SFK einstimmig zu. Damit auch der Finanzierung einer zusätzlichen Stelle eines Sozialpädagogen. Jährliche Kosten: 60 000 Euro

Aktuell sei sie selbst oft - insbesondere nachmittags - die Feuerwehr, die dann gerufen werde, um solche Situationen lösen zu helfen. In den vergangenen Jahren seien derartige Vorfälle immer mehr zum Alltag geworden. Selbst wenn man dann versuche für das Kind einen Schulbegleiter zu beantragen, dauere das Monate. Doch zu viele Schulbegleiter in einer Klasse sind nach Jochheims Ansicht nicht förderlich, zudem hätten sie andere Aufgaben.

Ziel - zurück in die reguläre Grundschule

Kinder sollten nicht dauerhaft in der SFK landen, sondern diese idealerweise nur vorübergehend besuchen. Ziel sei es, die meist durchschnittlich begabten Buben und Mädchen in eine reguläre Grundschul-Klasse zurückzuführen, so Jochheim.

Die Schulleiterin will die Herausforderung, eine solche Stütz- und Förderklasse in Thaldorf zu installieren, gerne annehmen, wie sie sagt.

Probleme

Ihre Hilfen sind schwer gefragt

Im Jugendhilfeausschuss berichten Schul-Sozialarbeiterinnen und eine Psychologin, wo ihre Klienten der Schuh drückt.

Den Einsatz von Schulbegleitern werde die SFK nicht ablösen. Diese deckten ganz andere Bereiche ab. Aktuell sind in allen Grund- und Mittelschulklassen an der Eduard-Staudt-Schule sechs Schulbegleiter im Einsatz.

Ein Wermutstropfen sei, dass die Eduard-Staudt-Schule für die Einführung der neuen Klasse einen regulären Klassenraum verwenden müsse, weil es räumlich keine andere Möglichkeit gebe und die restlichen Klassen ein wenig größer würden.

Ein Kind komme nicht einfach so in die SFK, die Berechtigung müsse, etwa psychiatrisch, nachgewiesen werden.

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