MyMz
Anzeige

Römerfest

In „Abusina“ lebt die Geschichte fort

Drei Tage lang dreht sich auf dem ehemaligen Römerstützpunkt Abusina alles um Galdiatoren, Legionäre und Handwerker
Dietmar Krenz

Auf großes Zuschauerinteresse stießen die Gladiatorenkämpfe. Alle Fotos: Dietmar Krenz
Auf großes Zuschauerinteresse stießen die Gladiatorenkämpfe. Alle Fotos: Dietmar Krenz

Bad Gögging.Bayerns größtes Römerfest, Salve Abusina, geht an diesem Wochenende bereits in die neunte Runde. „Geschichte zum Anfassen für Groß und Klein“ lautet das Motto im ehemaligen Grenzkastell Abusina bei Bad Gögging. Noch am Sonntag, 18. August können bei Salve Abusina die Besucher den römischen Alltag wie vor 2000 Jahren hautnah miterleben. Die historischen Gruppen und die detailreich gestalteten Lager entführen die Besucher wieder in die vergangene Zeit der Antike.

Gladiatoren: Brot und Spiele

Nirgendwo in der Geschichte der Menschheit findet sich eine so spezialisierte Form des Zweikampfes. Die vorherrschende Religion, die Klassengesellschaft als Gesellschaftsform und nicht zu vergessen menschliche Attribute machten die Gladiatur in der Römerzeit unabdingbar. Ständige kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen beeinflussten auch die Gladiatur. So wurde aus einem religiösen Beerdigungsritual ein massentaugliches Unterhaltungsprogramm. Eine Show bestehend aus Tragödie, Freud und Leid gepaart mit Massenhysterie und Sensationslust. Im ehemaligen Römerkastell Abusina traten diesmal gleich zwei Gladiatorenschule gegeneinander an.

„Nosce te ipsum“ aus Trier und „Gladiatores Berolinenses“ zeigten dem interessierten Publikum spezielle Angriffstechniken und Taktiken, aber auch besondere Formen der Verteidigung. Basierend auf den derzeitigen archäologischen Erkenntnissen und dem Wissen um Kampfkünste, rekonstruierten, trainierten und demonstrierten die beiden befreundeten Schulen Gladiatorenkämpfe der Antike – mit den „römischen Tugenden“ auf höchstem Niveau.

Standarte Draco

Draconarius wurde im römischen Reich jeder Kavallerist genannt, der eine Draco-Standarte führte. Die war eine Erfindung der iranischen Parther. Als die Römer in der Spätantike das Prinzip des Kataphraktes übernahmen, übernahmen sie auch deren Feldzeichen.

Königin Zenobia zu Gast

Bei der Modenschau der Römergruppe Legio III Italica Pia Fidelis war eine Besonderheit zu bewundern: Die Herrscherin des oströmischen Orients, Königin Zenobia von Palmyra, zeigte sich den Zuschauern in ihrer vollen Pracht. Die charismatische Regentin lebte im 3. Jahrhundert nach Christus.

Kaiserliche Bodyguards

Fast 350 Jahre lang waren sie die Elitetruppe des römischen Militärs und übten enormen Einfluss auf die Politik und die Regenten Roms aus: Die Prätorianer. Sie besaßen die Macht, Kaiser auszurufen, deren Leben in ihren Händen lag. Denn die Prätorianer entschieden mitunter über den Tod dessen, den sie eigentlich schützen sollten. In Eining war unter anderem die Römergruppe „Cohors I Praetoria“ aufmarschiert.

Teil der Leibgarde

Viele Gesichter gehören zu „Salve Abusina“ seit Jahrzehnten dazu: So auch Achim Schröder, der sich an den Tagen von „Salve Abusina“ Titus Moranius Rana Anianus nennt und zur Prätorianer-Leibgarde des Kaisers gehört. Seit mehr als 35 Jahren ist er dabei und bewacht die kaiserliche Familie.

Wer hat hier das Kommando?

Die Darstellung einer kompletten Stabs- und Verwaltungseinheit, wie sie Mitte des 1. Jahrhundertes in der Provinz Raetiens üblich war, haben sich diese Herren in Eining verschrieben. Mit originalgetreuen Repliken und viel Zubehör wird versucht, ein maßstabsgetreues Marschlager der damaligen Provinzeinheiten nachzustellen. Natürlich haben zum Kommandozelt nur die wichtigen Personen, wie Statthalter, Präfekt oder Offiziere Zutritt.

Hilfstruppen hoch zu Ross

Als militärische Einheit waren die römischen Reiter nicht von herausragender Bedeutung. Die kämpfenden Einheiten hoch zu Ross bestanden meist aus Hilfstruppen. Die Römer erkannten jedoch den hohen Wert dieser Auxiliartruppen. Mit der Unterstützung von Verbündeten und Söldnern stieg die militärische Bedeutung der römischen Reiter immer weiter. Die primären Aufgaben waren Aufklärung und Kommunikation.

Bedingung: Römischer Bürger

Zu Beginn der Kaiserzeit, also um das Jahr Null herum, bestand eine römische Legion aus etwa 5000 Mann schwerer Infanterie und einer kleinen Kavallerieabteilung von 120 Reitern. Meist waren den römischen Legionen etwa gleichviele Bogenschützen, Reiterei, oder leichte Infanterie als Hilfstruppen beigeordnet, die aus den Völkern der römischen Provinzen rekrutiert wurden. Legionäre mussten dagegen römische Bürgern sein.

Schwere Ausrüstung

Die Körperpanzerung änderte sich über die Jahre und die Rüstungstypen wurden oft parallel genutzt. Zur Jahrtausendwende trugen die Legionäre meist Kettenhemden. Später schützten sie sich mit der „lorica segmentata“, einer aufwendigen Rüstung aus mehreren überlappenden Metallplatten, die innen mit Lederstreifen verbunden waren, um die Bewegungsfreiheit nicht einzuschränken.

Weiheopfer für die Götter

Die Römer waren sehr gläubige Menschen: Nur mit ihrem Wohlwollen wurden verschiedene Vorhaben durchgeführt. Auch am Wochenende stellte die Gruppe „Raetici Romani“ solch eine Weihezeremonie nach, um Jupiter, Minerva und Mars gnädig zu stimmen. Ganz wichtig dabei: Händewaschen und Verbrennen eines Pinienzapfens. Außerdem wurde der Stadtgöttin Abusina ein Schluck Bier geopfert.

Musik der Antike

Musik der Antike ist eine Spezialität von Hagen Pätzold. Der studierte Musikpädagoge und Trompeter ist ein gefragter Mann, wenn es um Musik und Instrumente der Antike geht. Der Frankfurter hat sie fast alle nachgebaut und beherrscht sie meisterlich. Auf dem selbstgebastelten Cornu spielte Hagen Pätzold zum Einmarsch und Vollzähligkeitsappell aller Gruppen eine Melodie.

Weben anno dazumal

Die Weberei ist eine der ältesten Techniken der Herstellung textiler Flächengebilde, bei dem mindestens zwei Fadensysteme rechtwinklig verkreuzt werden. Aurelia Appolonia Claudia zeigte dem Nachwuchs, was mit einem Gewichtswebstuhl, handwerklichem Geschick und Fantasie entstehen kann. An kleinen Webbrettern durften die Kinder dann ihr Glück versuchen .

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht