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Betreuung

In Kelheim fehlen die Pflegefachkräfte

In Heimen im Landkreis können nicht alle Plätze belegt werden – es gibt Wartelisten. Kritik an der Politik wird laut.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Auch Pflegekräfte aus dem Ausland sind in Pflegeeinrichtungen beschäftigt. Fotos: Jens Wolf/dpa
Auch Pflegekräfte aus dem Ausland sind in Pflegeeinrichtungen beschäftigt. Fotos: Jens Wolf/dpa

Kelheim.Die Situation ändert sich von heute auf morgen: ein Angehöriger, der zu Hause trotz hohen Alters und den einigen und anderen Einschränkungen noch gut betreut werden kann, wird plötzlich schwer krank. Eine häusliche Pflege ist nicht mehr möglich. Nach einem Klinikaufenthalt soll es erst zur Kurzzeitpflege in ein Pflegeheim gehen. Schnell einen Platz in einem Heim in Wohnortnähe zu bekommen, ist sehr schwierig oder überhaupt nicht möglich. Erst nach längerer Suche, auch mit Hilfe eines Klinik-Sozialdienstes und Glück ist vielleicht in weiter Entfernung ein (Kurzzeit-)Pflegeplatz zu bekommen. Es ist nicht so, dass in Pflegeheimen alle Plätze belegt sind oder die Einrichtungen nicht gewillt sind, jemanden aufzunehmen. Aber: Die gesetzlich vorgeschriebene Fachkräftequote von 50 Prozent des Pflegepersonals müssen die Einrichtungen einhalten und werden diesbezüglich auch überprüft.

„Bedeutung verkannt“

Sebastian Halser, Leiter des Azurit-Seniorenzentrums Haus Asam in Rohr, sagt auf Anfrage unseres Medienhauses: „Aktuell ist bei uns die Situation so, dass die Plätze nicht voll belegt werden können.“ Der Grund: „Weil wir 50 Prozent Fachkraftquote erreichen müssen.“ Sebastian Halser sagt: „Wir verfügen über eine gute Personalausstattung, aber bei Fachkräften für eine Vollbelegung sind fünf Vollzeitstellen offen.“ Auf die Frage nach den Gründen nennt er den „dramatischen Pflegefachkräftemangel“ und auch mehrere Angebote in den vergangenen Jahren entstanden seien wie Tagespflege, ambulante Dienste, Rehakliniken. Seitens der Politik ist nach Halsers Ansicht „die Bedeutung der vollstationären Pflege verkannt worden“ und dass diese „ein unverzichtbares Glied in der Versorgungskette sein wird. “ „Die ambulante Pflege war im Vordergrund,“ sagt er. In dem Haus, das Halser leitet, könne zur Zeit eine Auslastung von 85 bis 90 Prozent realisiert werden. Die vier Azubis blieben nach der Ausbildung im Haus. „Wir arbeiten auch mit ausländischen Mitarbeitern aus der EU und von Drittländern, zum Beispiel Serbien.“ „Wir haben ein sehr gutes Gehaltsniveau in der Einrichtung. „Wir zahlen branchenübliche Gehälter und haben Zusatzangebote für Mitarbeiter.“ Sebastian Halser berichtet von „einer großen Warteliste“.

Danny Kemmerle, der Leiter der BRK-Seniorenheime Kelheim und Abensberg, sagt auf Anfrage: „Auch wir müssen Betten unbelegt lassen, damit wir nicht unter die 50 Prozent Fachkraftquote rutschen.“ Nicht nur Vollstationäre-Pflegeplätze, sondern auch Kurzzeitpflegeplätze „werden für die Berechnung“ der Fachkraftquote herangezogen. Beide BRK-Häuser zusammen haben 230 Plätze, die aber „nie zu 100 Prozent belegt sind“. Es sei kein Unterschied mehr, ob Stellen ausgeschrieben seien oder nicht, „weil die Bewerbungen äußerst schleppend reinkommen“. Wie Danny Kemmerle sagt, gebe es teilweise monatelang keine Bewerbungen von Fachkräften. „Auch wir suchen händeringend nach gutem Fachpersonal.“ Wie Kemmerle sagt, „gibt es einfach zu wenig Fachkräfte.“ Die Bezahlung sehe er heutzutage nicht als Grund, dass der Beruf nicht ergriffen werde. Das BRK zahle Löhne „angelehnt an den öffentlichen Dienst“. Er spricht die Ausbildung beim BRK von Altenpflegern in Kelheim und Abensberg an. „Wir sind auch froh um jeden Auszubildenden, der sich neu bewirbt. Wir würden dieses Jahr zwischen drei und fünf Azubis alleine in Kelheim und in Abensberg auch noch zwei einstellen.“ Zusammen fehlten für beide Heime mindestens fünf Fachkräfte.

„Acht bis neun Anfragen täglich“

Sandra von Hösslin, Geschäftsführerin des Arbeiterwohlfahrt-(AWO)-Kreisverbands, berichtet vom AWO-Pflegeheim in Saal: „Wir sind total voll.“ In diesem Monat habe es einmal in einer Woche acht bis neun Anfragen täglich wegen freien Plätzen gegeben. Das Personal hätte man, „aber es fehlen noch Räume“. Der letzte Sanierungsabschnitt „müsste bis Juni/Juli fertig sein“. 63 Bewohner lebten aktuell in der Einrichtung. Nach der Fertigstellung der Baumaßnahme seien 77 Plätze vorhanden. Sandra von Hösslin erwähnt, dass „die Tagespflege im Juni eröffnet wird“. Dafür sei ein Trakt umgebaut worden.

Wie der Direktor der AOK Bayern in Kelheim, Jürgen Eixner, sagt, sei von Angehörigen zu hören, dass es momentan schwierig sei, einen Platz in der stationären Pflege für einen Angehörigen zu bekommen. Bei Verhinderungs- und Kurzzeitpflegeplätzen „ist die Situation noch deutlich angespannter“. Marketingleiterin Bianca Frömer von den Ilmtalkliniken berichtet vom Sozialdienst, dass sich „seit etwa eineinhalb Jahren die Situation für Heimplätze stetig verschlechtert hat. In Ferienzeiten ist seit Monaten kein Heimplatz mehr zu bekommen. Wir haben die letzten Wochen zum Teil über 20 Pflegeheime im Landkreis Landshut, Kelheim, Freising und Pfaffenhofen alle paar Tage ohne Erfolg kontaktiert. Noch vor zwei Jahren hatte man eine gute Chance, einen Platz im Heim seiner Wahl zu bekommen.“

„Es gibt lange Wartelisten“

Der Pflegenotstand „wird ein Dauerthema sein“, so Gabi Schmid, Seniorenbeauftragte des Landkreises. Bereits vor einigen Jahren habe sich das abgezeichnet aufgrund der Bevölkerungsentwicklung.“ So richtig krass“ sei es seit zwei Jahren. Sie berichtet von Anrufen, dass ein Angehöriger „nächste Woche aus dem Krankenhaus entlassen wird“, 25 Pflegeeinrichtungen angerufen und nirgends ein freier Platz – weder für Kurzzeitpflege noch für Dauer – gefunden worden sei. Wie Gabi Schmid sagt, sei der Grund für das Problem nicht fehlende Heimplätze, sondern die Vorgabe der Fachkraftquote.

Gabi Schmid, Seniorenbeauftragte des Landkreises Kelheim Foto: Bachmeier-Fausten/Archiv
Gabi Schmid, Seniorenbeauftragte des Landkreises Kelheim Foto: Bachmeier-Fausten/Archiv

50 Prozent des Personals müssten Fachkräfte sein. Wenn das nicht der Fall sei, dürften die Betten nicht mehr voll belegt sein. Es könne durchaus sein, dass Bettenplätze frei seien, „weil Pflegekräfte nicht vorhanden sind“. Pflegekräfte „gibt es einfach zu wenig“. „Es ist versucht worden in den vergangenen Jahren, aus dem Ausland Pflegekräfte zu rekrutieren. Aber es wird immer schwieriger. Die Länder haben auch immer mehr alte Menschen.“ Die Heimaufsicht des Kreises kontrolliert laut Gabi Schmid die Einhaltung der Fachkraftquote. „Es gibt lange Wartelisten bei Heimen im Landkreis.“ In anderen Kreisen sei die Situation ähnlich.

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  • JG
    Jutta Göller
    26.04.2018 09:21

    Liebe Frau Bachmeier-Fausten, vielen Dank für die ausführlichen Berichte, die ich nur bestätigen kann! Ein großes Problem im Josef-Bauer-Haus in Kelheim sind auch die beiden alten Aufzüge, die inzwischen völlig unzureichend sind, besonders zu "Stoßzeiten". Herzliche Grüße, Jutta Göller.

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