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Gratuliere

In Offenstetten stehen alle zueinander

Erstmals vergab der Landkreis die Auszeichnung „Ort der Inklusion“. Vielleicht ist es eine Weltpremiere.
Von Wolfgang Abeltshauser

Viele Gäste waren dabei, als das Schild aufgestellt wurde.Foto: Abeltshauser
Viele Gäste waren dabei, als das Schild aufgestellt wurde.Foto: Abeltshauser

Abensberg.Im Herbst vergangenen Jahres erhielt das Cabrinizentrum den ersten Inklusionspreis des Landkreises. Jetzt gab es noch einen oben d‘rauf: Ganz Offenstetten ist Ort der Inklusion. Vertreter von Landkreis, Stadt Abensberg sowie von Vereinen und Einrichtungen des Abensberger Ortsteils stellten ein Schild auf, auf dem genau das zu lesen ist. Sicher ist Offenstetten der Erste dieser Art im Kreis – vielleicht sogar weltweit.

Landrat Martin Neumeyer hat sich nach eigenen Worten im Internet umgesehen. Nirgends fand er eine solche Auszeichnung für ein Dorf oder eine Stadt. Als er das Cabrinizentrum im September ehrte, habe das Nachdenken begonnen. Eigentlich sei ja der ganze Ort etwas Besonderes. Und so reifte der Entschluss, Offenstetten ab jetzt mit diesem Siegel zu versehen. Es sei ein Symbol dafür, dass hier ganz selbstverständlich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung miteinander Leben.

Erfahrene Recken kennen es nicht anders

Diesen Erfolg gebe es nicht erst seit kurzem. Das betonte der Behindertenbeauftragte des Landkreises Dr. Joachim Hammer. Es wurde im Ort Inklusion schon gelebt, da habe es dieses Wort noch gar nicht gegeben. Neumeyer: „Schon seit den 70er Jahren finden immer wieder Begegnungen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Cabrinizentrum statt.“ Das bestätigte der Vorsitzende des TSV Alfred Junker im Gespräch mit unserem Medienhaus. „Ich bin jetzt schon 40 Jahre mit dabei, ich kenne es nicht anders.“

Lauter Widerhall in Offenstetten zu hören

Der Chef des Cabrinizentrums Dr. Bernhard Resch ist da auf seiner Seite. So eine Auszeichnung sei zwar schön. Ohne Widerhall aus der Bevölkerung helfe sie aber nicht weiter. Und den gebe es. Für die Offenstettener ist es laut Junker nichts Besonderes, dass Kinder aus der Einrichtung im Verein mitmachen. Sie sind bei Festen wie Halloween dabei.

Da werde niemand ausgegrenzt – und gebe es keine dummen Sprüche. Auch beim Sport an sich seien Bewohner des Zentrums immer wieder dabei. Und das nicht nur beim Training – sondern auch bei Wettkämpfen. Nicht nur das klassische Vereinsleben zeige, dass man im Ort längst zusammengewachsen ist. Das teilt Sissy Hutterer dem MZ-Reporter mit. Sie erinnert an die Christbaum-Aktionen, die es Jahr für Jahr gibt. Bewohner der Einrichtung sammeln nach dem Fest die Bäume ein, damit es im Sommer ein tolles Sonnwendfeuer gibt. An dem sich dann wieder alle erfreuen. Das es auch Projekte der Grundschule mit denen aus dem Cabrinizentrum gibt, muss hier gar nicht erst erwähnt werden.

Das steckt hinter dem Begriff Inklusion

  • Bedeutung:

    Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Sprache, Aussehen oder Beeinträchtigungen sollen keine Rolle spielen. Jeder soll am alltäglichen Leben teilnehmen können.

  • Geschichte:

    Der Begriff tauchte ab den 90er Jahren laut dem Institut für Bildungscoaching häufiger auf, nachdem es eine spezielle Konferenz zum Thema gab. (wo)

„In Offenstetten ist es wunderbar“, schwärmte die Behindertenbeauftragte der Stadt Marion Huber-Schallner. Die Menschen würden an die Hand genommen und nicht alleine gelassen.

Wenn schon Schilder aufgestellt werden, warum nicht gleich auch an der nicht allzu weit entfernten Autobahn. Das schlug Hammer vor. Da werde etwa für das Spargelland oder den Kuchlbauerturm auf diese Weise geworben. Warum nicht auf diese Besonderheit hinweisen? Der Landrat wischte das nicht etwa weg: „Eine gute Idee“, befand er.

Derzeit keine weiteren Pläne

Auf Sicht wird Offenstetten wohl alleine bleiben, was Hammers Vorschlag als noch sinnvoller als ohnehin erscheinen lässt. Neumeyer habe keine Pläne, weitere Orte so auszuzeichnen. Der Abensberger Ortsteil sei da eben etwas Außergewöhnliches.

Hier finden Sie einen Artikel über die ‚Auszeichnung des Cabrinizentrums

Und trotzdem gibt es noch Hausaufgaben. Darauf verwies Hutterer am Rande der Veranstaltung im MZ-Gespräch: Es sei zwar möglich, zu Fuß bis nach Abensberg zu gehen – aber nicht rund um Offenstetten. Noch gebe es eine Lücke im Fußwegnetz. Es stünde der Stadt gut zu Gesicht, diese zu schließen. Es geht dabei um eine Strecke im Bereich des Friedhofs hin zur Kreisstraße. Das würde nicht nur den Zöglingen des Cabrinizentrums weiterhelfen, sondern auch älteren Menschen und Eltern mit Kinderwägen. Sie ist der Meinung: Auch das brauche es, wenn es um Inklusion geht.

Hier finden Sie weitere Artikel über Abensberg.

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