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Donnerstag, 16. August 2018 30° 1

Tradition

Irnsing: Von Auslöse ist nicht die Rede

Nach dem Diebstahl eines Baumstammes stellt sich die Frage: Wie muss ein Maibaum eigentlich aussehen?
Von Wolfgang Abeltshauser

„Zu-gleich!“: Das Aufstellen war im vorigen Jahr schnell geschehen. Foto: Beck
„Zu-gleich!“: Das Aufstellen war im vorigen Jahr schnell geschehen. Foto: Beck

Neustadt.Einen Maibaum zu stehlen ist keine so einfache Sache. Und die bayerische Tradition kann auch ganz schön kompliziert sein. Das zeigt der Versuch von Burschen aus Tettenwang und Hagenhill, den Irnsingern ihren Maibaum zu stehlen. Die sagen, es war noch gar kein Maibaum – und holen sich jetzt einen neuen aus dem Wald. Mit dem Gestohlenen wollen sie nichts mehr zu tun haben. Den wollen die Jungs aus Tettenwang nun beim eigenen Maifest morgen versteigern.

Was war geschehen? In der Nacht von Freitag auf Samstag machten sich 25 Burschen aus Tettenwang und Hagenhill auf den Weg nach Irnsing. Dort hatten sie laut Andreas Resch tagsüber einen Baum in einer offenen Halle liegen sehen. Einige Stunden später schauten sie noch einmal. „Der Baum war immer noch da.“ Also luden sie das Stück gegen ein Uhr in der Nacht auf und transportierten es ab.

Die Burschen aus Tettenwang und Hagenhill mit dem gestohlenen Stück. Foto: Resch
Die Burschen aus Tettenwang und Hagenhill mit dem gestohlenen Stück. Foto: Resch

Als sie dann mit den Irnsingern über die Auslöse verhandeln wollten, reagierten die ganz anders als erwartet. „Das war kein Maibaum“, stellt Michael Schierlinger von der Dorfgemeinschaft auch im Gespräch mit unserem Medienhaus fest. Er sei weder angemalt gewesen noch vollständig gehobelt. „Ein Schild hing auch nicht daran.“ Sicherlich sollte es der Irnsinger Maibaum werden – er sei es halt noch nicht gewesen. Deshalb habe man ihn auch nicht großartig gesichert oder bewacht.

Resch sieht es ganz anders: „Es ist offensichtlich, dass es der Maibaum von Irnsing ist.“ Denn: „Er ist vorne und hinten zugesägt, die Rinde ist schon entfernt, er war gelagert auf einer Transportachse.“ All das wollen die Irnsinger nicht gelten lassen. Einige von ihnen waren sogar sehr wütend. Sprachen von Holzdiebstahl und von der Polizei. Das bestätigt Schierlinger. So hoch wolle man es aber nicht hängen. Aber er sieht keinen Grund für eine traditionelle Auslöse. Er sagte Resch: „Ihr könnt den Baum behalten. Denkt an uns, wenn ihr ihn im Ofen verbrennt.“

Das wird aber nicht geschehen. Denn die Jungs um Andreas Resch sehen nach wie vor einen Traditionsbruch seitens Irnsings. Und wollen deshalb ein Zeichen setzten. „Der geklaute Baum wird nun von uns versteigert und der Erlös kommt einem guten Zweck zugute.“ Das Ganze geschieht schon morgen beim Maibaumfest in Tettenwang. Verzichten müssen sie eben auf Brotzeit und Bier aus Irnsing. Verlangt waren 60 Liter Bier und Verpflegung für 25 Mann. Was Schierlinger ohnehin als ziemlich hoch befindet.

Im vergangenen Jahr konnte in Irnsing problemlos ein Maibaum aufgerichtet werden.

In der Irnsinger Ortsmitte wurde in den vergangenen Jahren viel investiert. Harald Eberl hat das Kutscher-Anwesen saniert, der Vorplatz wurde gepflastert und ein Maibaum aufgestellt. Foto: Archiv
In der Irnsinger Ortsmitte wurde in den vergangenen Jahren viel investiert. Harald Eberl hat das Kutscher-Anwesen saniert, der Vorplatz wurde gepflastert und ein Maibaum aufgestellt. Foto: Archiv

Und in Irnsing? Fällt da die Party aus? Auf keinem Fall! „Wir werden um sechs Uhr in der früh in den Wald gehen und uns einen neuen Baum holen“, kündigt Schierlinger an. Von stressiger Mehrarbeit will er dabei gar nichts wissen. Er glaubt eher, dass das eine Gaudi wird. Danach werde der Baum wie geplant aufgestellt. Er werde halt weder entrindet noch angestrichen. Das sei ohnehin traditioneller als die andere Variante. Ganz ohne Schmuck werde es aber auch nicht abgehen. Acht Schilder mit den Zeichen der acht Irnsinger Vereine werden dem Baum zieren. Sagt Schierlinger, der selbst zum SV Irma gehört.

Ganz mit Muskelkraft – ohne Kran – wird das Aufstellen im Dorf seit jeher erledigt. Schierlinger geht davon aus, dass da wieder an die 50 Männer mithelfen werden. Beginn ist um 10 Uhr bei der Kirche.

Übrigens: Nicht immer haben die Maibaumdiebe aus Tettenwang und Hagenhill Glück bei ihren Aktionen. In Prunn beispielsweise hatten sie 2015 den alten Baum gestohlen.

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