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Religion

Johannes Eckert will besondere Kardinäle

Der Andechser Abt kann sich Laien in hohen Kirchenämtern vorstellen. Er war in der Abensberger Barbarakirche zu Gast.
Von Wolfgang Abeltshauser

Nach seinem Vortrag gab es noch viel zu tun für den Abt: Autogramme schreiben und Fragen beantworten. Foto: Abeltshauser
Nach seinem Vortrag gab es noch viel zu tun für den Abt: Autogramme schreiben und Fragen beantworten. Foto: Abeltshauser

Abensberg.Außergewöhnlichen Kirchenmänner geben sich in diesen Tagen in Abensberg nur so die Türklinke in die Hand. Sicherlich werden sich viele noch an den Besuch des ehemaligen obersten Benediktiners Notker Wolf erinnern. Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München – bekannt für seine Kirchenkritik – war vor einigen Tagen hier. Jetzt sprach der Andechser Abt Johannes Eckert in der Barbarakirche. Stadtpfarrer Georg Birner hat ihn als das Gegenstück zu Schießler angekündigt. Seine Zuhörer im Gotteshaus nahmen aber durchaus provokante Thesen mit nach Hause. So kann er sich Laien im Kardinalsamt vorstellen.

1580 Euro für Pflegeheim in Israel

Dazu aber später. Denn der Auftritt des Abts in Abensberg war nicht etwa Kirchenpolitik. Der Benediktiner half, Spenden zu sammeln. Sollte Schießler dafür sorgen, Geld für das Kloster Säben in Südtirol einzunehmen, half Eckert mit, Euros für ein Pflegeheim in Emmaus in Israel zu erhalten. Mit dessen Betreiberin – Schwester Hildegard – haben die Abensberger seit längerem Kontakt.

Als Dank gab es von Stadtpfarrer Georg Birner kulinarische Geschenke für den Gast aus Oberbayern. Foto: Abeltshauser
Als Dank gab es von Stadtpfarrer Georg Birner kulinarische Geschenke für den Gast aus Oberbayern. Foto: Abeltshauser

Der Plan funktionierte, Pfarrer Birner machte nach dem Auftritt von Eckert ein zufriedenes Gesicht. „Wir haben 1580 Euro zusammenbekommen“, freute er sich. Zuvor hatte er den Besuchern der Veranstaltung erklärt, dass die Einrichtung dringend einen neuen Traktor benötige. Für den Alten – Baujahr 1984 – gebe es keine Betriebserlaubnis mehr. Außerdem sind die Bremsen marode. Ein Neuer kann jetzt also bestellt werden.

Glaube

Unkonventioneller Kirchenmann kommt an

Pfarrer Rainer Maria Schießler sprach vor einem vollen Haus im Berufsbildungswerk. Fans und Neugierige kamen.

Auf diesen Erfolg war zu Beginn der Veranstaltung nicht zu wetten. Waren doch deutlich weniger Zuhörer in der Kirche, als vor einigen Tagen im Berufsbildungswerk Schießler gelauscht haben. Rund hundert Interessierte kamen zum Vortrag von Eckert. Ewald Retter – bei beiden Veranstaltungen als Mitorganisator im Boot – hatte das schon geahnt. Es sei eben so, dass der deutliche Kirchenkritiker mehr Publikum ziehe als der, der eher linientreu ist. Immerhin ist Eckert ein Abt.

Er rüttelte an Grundsätzen

Aber das mit der Linientreue ist so eine Sache. Wer Eckerts Vortrag, bei dem es vordergründig über die Frauenfiguren im Markusevangelium ging, genau zugehört hat, dem können da schon Zweifel kommen. Sicherlich: Die Art der Rede war deutlich verschieden. Schießlers Worte gingen schon in Richtung Kabarett. Bei Eckert war es eher eine theologische Vorlesung mit Tiefgang. Aber inhaltlich kamen sich beide näher, als man sich das vorher gedacht hätte.

Erinnerungen

  • Rückkehr:

    Abt Johannes Eckert war schon einmal zuvor in Abensberg. Das ist aber lange her. „Vor 25 Jahren war ich bei einer Fortbildung im Kloster Weltenburg.“ Da machte er auch eine Stippvisite an die Abens.

  • Führung:

    Es war ein Stadtrundgang organisiert. Da ging es unter anderem um Aventin. Diesmal erhielt er keine Kurzvorstellung der Barbarakirche vom Stadtpfarrer. (wo)

Eckert rüttelte ganz gewaltig an bisher eisern festgeschriebenen Grundsätzen. Immer wieder gab es dazu Nachhilfe in Kirchengeschichte. Dass nur geweihte Priester das Kardinalsamt ausüben dürfen, sei von den Kirchenoberen eines Tages beschlossen worden. Es sei nicht immer so gewesen. „Warum soll nicht eine erfolgreiche Ärztin oder eine Großmutter mit Lebenserfahrung solch ein Amt ausüben?“ Es wären in seinen Augen hilfreiche Ratgeber für den Papst. Das schlägt eigentlich noch mehr ins Kontor als Schießlers Aussage, er habe nichts gegen verheiratete katholische Priester.

Die Kirche braucht die Laien

Ohne die sogenannten Laien in der Kirche wären Sakramente nicht möglich. Allein mit hochdekorierten Glaubensmännern gehe das nicht. „Eine Firmung macht nicht nur der Bischof“, stellte der Abt fest. Denn bei der Vorbereitung zur Firmung und zur Erstkommunion seien nicht zuletzt Menschen engagiert, die nicht Priester sind. Das ist doch schon sehr nahe an Schießlers Sicht der Dinge. Der sagte im Berufsbildungswerk, dass ein Studium aus einem Bischof nicht automatisch einen besseren Christen mache.

Mesner Georg Zöllmann (r.) und Stadtpfarrer Georg Birner blicken dem Abt über die Schulter, als der sich ins Gästebuch einträgt. Foto: Abeltshauser
Mesner Georg Zöllmann (r.) und Stadtpfarrer Georg Birner blicken dem Abt über die Schulter, als der sich ins Gästebuch einträgt. Foto: Abeltshauser

Mehrmals versteckte er seine Aussagen in Fragen. Dürfe man einem Menschen mit Lebensbrüchen, der Heil suche, die Kommunion verweigern? Dies ist innerhalb der Katholiken zumindest umstritten – zum Beispiel was Wiederverheiratete betrifft. Und für Menschen gleichen Geschlechts, die gemeinsam durch das Leben gehen wollen, kann sich der Abt eine Zeremonie innerhalb der Kirche vorstellen. Wenngleich das etwas anderes sei als das Ehesakrament.

Er räumte in Abensberg ein, dass ihn Gespräche mit homosexuellen Männern, die er in seiner Kirchengemeinde kennt, hier umdenken ließen. Davor habe er sich so etwas nicht vorstellen können.

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