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Umbruch

Josef Stadler lässt gern den Profi ran

Nach 30 Jahren gibt Josef Stadler den Caritas-Vorsitz ab. Nicht zuletzt, weil sich der Kreisverband ganz neu aufstellt.
Von Martina Hutzler

Josef Stadler hat 30 Jahre lang den Kelheimer Kreis-Caritasverband geleitet. Die Umstrukturierung hin zur hauptamtlichen Leitung befürwortet er – vor allem mit Blick auf die vielen Tätigkeitsfelder, die unter dem Dach des Sozialverbands mittlerweile vereint sind. Foto: Hutzler
Josef Stadler hat 30 Jahre lang den Kelheimer Kreis-Caritasverband geleitet. Die Umstrukturierung hin zur hauptamtlichen Leitung befürwortet er – vor allem mit Blick auf die vielen Tätigkeitsfelder, die unter dem Dach des Sozialverbands mittlerweile vereint sind. Foto: Hutzler

Kelheim.Mit seinem Abschied vom Caritas-Vorsitz geht eine Ära zu Ende – und das ist ganz gut so, findet Josef Stadler. Zum einen, weil „man mit 75 das Engagement auch mal zurückfahren darf“. Zum anderen, weil er die Professionalisierung des Kelheimer und auch der anderen Kreisverbände in der Diözese befürwortet. Auch wenn er und alle anderen Verantwortlichen diözesanweit sich dazu erst mal durchringen mussten.

Von 14 zu 300 Beschäftigten

Aber der Kreisverband, den der damalige AOK-Mitarbeiter Vorsitz Josef Stadler im Jahr 1976 mitgegründet hat, unterscheidet sich gewaltig von dem, dessen Vorsitz der Kelheimwinzerer nun nach 30 Jahren aufgibt. Allein die Beschäftigtenzahl zeigt das: Von anfangs 14 ist sie auf rund 300 gestiegen: ein Spiegelbild dafür, welche gesellschaftlichen Probleme Zug um Zug hinzu gekommen sind, blendet Stadler im Gespräch mit der Mittelbayerischen zurück.

Im rechtlichen Sinne dafür verantwortlich war all die Jahre Josef Stadler. Ihm hatte der damalige Geschäftsführer Peter Birnthaler „dauernd hertriefelt, dass ich den Vorsitz übernehmen soll“, als der Posten vor genau 30 Jahren vakant wurde.

Gratulation

Grundstein für Sozialarbeit gelegt

Der frühere Caritas-Geschäftsführer Peter Birnthaler wurde 90. Seit den 1960er Jahren war er in Kelheim tätig.

Der dreifache Familienvater war da zwar auch schon als Stadtrat, Pfarrgemeinderat und Feuerwehr-Vorstand ehrenamtlich tätig. Die Frage, warum er dann noch die Leitung eines mittlerweile schon großen Kreisverbands übernahm, wundert ihn trotzdem ein bisschen. „Ich hab das eigentlich immer als selbstverständlich angeschaut, dass man Verantwortung übernimmt.“

Josef Stadler hat 30 Jahre lang den Kelheimer Kreis-Caritasverband geleitet. Die Umstrukturierung hin zur hauptamtlichen Leitung befürwortet er – vor allem mit Blick auf die vielen Tätigkeitsfelder, die unter dem Dach des Sozialverbands mittlerweile vereint sind. Foto: Hutzler
Josef Stadler hat 30 Jahre lang den Kelheimer Kreis-Caritasverband geleitet. Die Umstrukturierung hin zur hauptamtlichen Leitung befürwortet er – vor allem mit Blick auf die vielen Tätigkeitsfelder, die unter dem Dach des Sozialverbands mittlerweile vereint sind. Foto: Hutzler

Zugute kam ihm dabei die berufliche Erfahrung. In den 44 Jahren bei der AOK, erst in Kelheim, zuletzt dann in Regensburg, hat er viel über das Gesundheitswesen im Land gelernt. Unter anderem, dass die Schließung von Krankenhäusern, von denen er in seinem Berufsleben einige mitbekam, zumindest den Kassen nicht zum finanziellen Vorteil gereichte: „Die Patienten wurden von Nachbar-Kliniken übernommen, die meistens mehr verlangt haben, als dazu schließende Haus“, erinnert er sich schmunzelnd.

Wirtschaften im Sozialen

Wirtschaftlichkeit freilich ist auch eine Erfordernis für einen Sozialverband wie die Kelheimer Caritas – die mit der Carida ja auch eine gemeinnützigen GmbH gegründet hat. Wirtschaftliches Denken ist aus Sicht von Josef Stadler legitim, wenn schmerzliche Entscheidungen sozial abgefedert werden. Das sei unter dem seit 1991 tätigen Geschäftsführer Hubert König der Fall, bestätigt Stadler: dass zum Beispiel für Mitarbeiter, deren Stelle oder Projekt nicht mehr finanzierbar ist, andere Stellen gesucht werden.

Stadler selbst wiederum war sich nicht zu schade zum „Klinkenputzen“. Um neue Mitglieder und Spender warb er, gerade in den Anfangsjahren, damit der Verband auch mal ein nicht (sofort) kostendeckendes Angebot aufrecht erhalten konnte.

Tagesgeschäft und Grundsätzliches

All die Tätigkeitsfelder, Förder- und Finanzierungswege im Detail zu überblicken, das sei für einen ehrenamtlich tätigen Vorsitzenden nicht mehr möglich, bilanziert Josef Stadler unumwunden. Fürs Tagesgeschäft habe er dem Geschäftsführer König weitgehend „freie Hand“ gelassen. Gefragt waren der Kreisvorsitzende Stadler und das gesamte Vorstandsgremium, wenn Grundsatz-Entscheidungen zu treffen waren: Grundstückskäufe etwa, oder neue Einrichtungen wie zuletzt das EU-geförderte Tageszentrum „Catze“ in der Kelheimer Altstadt.

Das Tätigkeitsfeld der Caritas hat sich stark ausgeweitet. Hier freuen sich Mitarbeiterinnen der Kelheimer „Tafel“ über Taschen, die im „Catze“, dem Tageszentrum für psychisch Kranke, genäht worden sind. Foto: Heidi Kuffer
Das Tätigkeitsfeld der Caritas hat sich stark ausgeweitet. Hier freuen sich Mitarbeiterinnen der Kelheimer „Tafel“ über Taschen, die im „Catze“, dem Tageszentrum für psychisch Kranke, genäht worden sind. Foto: Heidi Kuffer

Insofern ist es für Stadler eine folgerichtige Entscheidung, dass der Vorstand künftig hauptamtlich tätig sein wird, zunächst alleinig mit dem bisherigen Geschäftsführer König besetzt. Große Bedeutung habe in der neuen Struktur der neue Caritas-Rat, so Stadler. Engagierte Personen aus Kirche und Gesellschaft bilden darin das ehrenamtliche Engagement ab und üben eine Kontrollfunktionen aus wie der Aufsichtsrat in „normalen“ Unternehmen.

Verein

Neue Satzung für die Caritas

Die Mitglieder beschließen eine neue Grundlage für den Kreisverband Kelheim. Der Vorstand arbeitet künftig hauptamtlich.

Den Caritas-Rat und die Mitgliederversammlung hält Josef Stadler für sehr wichtig. Denn eines möchte er zum Abschied dem Caritas-Kreisverband schon mitgeben: „Bei aller notwendigen Professionalisierung darf die Bodenhaftung nicht verloren gehen.“

Hilfe als Spiegelbild der Gesellschaft

  • Notlagen:

    Der Krieg wirkte noch nach, als der Caritas-Kreisverband 1976 entstand: Vielen Bedürftige fehlte es an Essen, Kleidung, Mobiliar. Und viele waren zuhause krank oder pflegebedürftig – doch gab es in Kelheim immer weniger Klosterschwestern für Hausbesuche.

  • Reaktion:

    Der Kreisverband baute Ende der 1970er die ehemalige Kelheimer Mädchenschule in der Pfarrhofgasse zum Caritas-Sozialzentrum um. Und richtete 1978 die Sozialstation Kelheim für die ambulante Pflege ein, die heute Pendants im ganzen Landkreis hat.

  • Beratung:

    1969 entstand die Suchtberatung, anfangs für Alkoholkranke, heute längst erweitert auf Suchtmittel generell. Reaktion auf steigenden Druck in Arbeit und Gesellschaft, aber auch auf Enttabuisierung psychischer Erkrankungen war in den 1990ern der Sozialpsychiatrische Dienst.

  • Hilfe:

    Für Menschen in der Konsum- und/ oder Schuldenfalle gibt es seit 1992 die Schuldnerberatung. Ausbildung und Arbeit für benachteiligte Jugendliche wurde in den 2000er-Jahren ein Thema. Es folgten Einrichtung von „Tafeln“ sowie das Engagement für Flüchtlinge.

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