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Jahrmarkt

Junges Blut am Gillamoos

Daniel Schneider aus Ingolstadt wird Hofbräu-Festwirt. Volksfest-Erfahrung hat der jüngste Festwirt Bayerns bisher keine.
von Benjamin Neumaier

Daniel Schneider (r.) übernimmt das Hofbräuzelt am Gillamoos. Darauf stieß er mit den Brauereibesitzern an. Fotos: Neumeyer
Daniel Schneider (r.) übernimmt das Hofbräuzelt am Gillamoos. Darauf stieß er mit den Brauereibesitzern an. Fotos: Neumeyer

Abensberg.„Des schafft der eh ned“ – dieser Satz begleitet Daniel Schneider schon sein ganzes Berufsleben. „Das liegt wohl auch an meinem Alter“, sagt der 26-Jährige. „Bisher habe ich es aber immer geschafft, Kritiker und Zweifler zu widerlegen. Das will ich jetzt auch als Gillamoos-Festwirt schaffen.“ Denn nicht nur infrastrukturell gibt es in diesem Jahr Neues auf der Gillamooswiese – der Ingolstädter übernimmt rund um das erste Septemberwochenende das Hofbräuzelt am Abensberger Jahrmarkt. „Die bisher größte Herausforderung in meinem Berufsleben“, sagt er.

Seit vier Jahren eigene Firma

Das ist, zugegeben, noch relativ jung. Vor vier Jahren machte sich der damals 22-Jährige noch während seines BWL-Studiums selbstständig, führt seitdem die Firma Schneider Events – Zeltverleih – Eventgastronomie. Dazu gekommen ist er „quasi wie die Jungfrau zum Kind. Ich habe während des Studiums schon in der Eventgastronomie gearbeitet. Eine Woche bevor die Audi-Sommerkonzerte starten sollten, fiel deren Dienstleister kurzfristig aus. Ich wurde über einen Bekannten angefragt und habe dann 10 000 Gäste mit einem Team aus Freunden und Bekannten bewirtet. Es hat alles geklappt und dann war der Weg zur eigenen Firma nicht mehr weit.“

Festwirt und Bräu im Video-Interview:

Video: Neumaier

Mittlerweile hat Schneider knapp 80 Mitarbeiter, organisiert und bewirtet Großevents für Audi, richtet Hochzeitsfeiern aus oder betreibt am Ingolstädter Stadtfest mit seinem Team Gastronomie für mehr als 5000 Gäste an drei Standorten gleichzeitig. Dennoch hat er „gehörigen Respekt vor der Aufgabe Gillamoos. Das ist schon eine andere Liga, ein großer Sprung für mich und mein Team. Ich bin dankbar für die Chance, die die Familie Neumeyer mir gibt. Gerechnet habe ich damit eigentlich nicht“.

Symbolischer Akt

  • Hopfen:

    Auf der Gillamooswiese pflanzten Joseph Neumeyer jun. und Daniel Schneider als symbolischen Akt der Vertragsunterzeichnung des Festwirts aus Ingolstadt jeweils eine Hopfenpflanze ein. Diese sind Teil der erweiterten „Bühne im Grünen“. Die „Bio-Fassade“ umfasst heuer beinahe den kompletten Biergarten vor dem Hofbräuzelt – und auch der soll etwas umgestaltet werden.

  • Neues Zelt:

    Aber nicht nur der Biergarten bekommt eine Frischzellenkur verpasst, auch das zelt verändert sich. Es wird höher – die Seitenwände bis zu vier Meter hoch–, die Bühne wird an eine Stirnseite des Zeltes verlegt, die Schänke zentral platziert und die Boxen sollen wohl etwas erhöht platziert werden. Wie genau das Zelt aussehen soll, wollten Festwirt und Brauer noch nicht verraten.

Und auch die Hofbräu-Besitzer waren anfangs, als sie Schneiders Initiativ-Bewerbung aus dem Briefkasten holten, skeptisch. „Natürlich hat uns das Alter von Daniel Schneider anfangs schon ins Grübeln gebracht. Ein Novize birgt zudem natürlich immer ein gewisses Risiko, aber schon nach den ersten beiden Gesprächen haben wir gemerkt, dass da viel Drive und Wille dahintersteckt. Außerdem hat sich Daniel Schneider ein starkes Team aufgebaut, das unter anderem Wiesn-Erfahrung im Service oder in der Organisation hat. Außerdem hat er viele frische Ideen – das hat letztlich den Ausschlag zu seinen Gunsten gegeben“, sagt Hofbräu Joseph Neumeyer. Die Entscheidung von Junior- und Senior-Chef fiel deshalb auf den jungen Ingolstädter. Denn besagter Drive und Wille habe in den vergangenen Jahren beim ehemaligen Festwirt dessen Vertrag ausgelaufen war – „etwas nachgelassen“, sagt Neumeyer jun. „Es war Zeit für einen Neuanfang. Denn der Gillamoos ist eben trotz der allgemeingültigen Meinung keine gmahde Wiesn – für Erfolg muss man investieren, Innovation zeigen. Und das kam in den vergangenen Jahren meist nur noch von unserer Seite.“

Chance, aber auch Druck

Innovation und Drive soll nun die Zusammenarbeit mit Schneider bringen. Infolgedessen sehen Brauer und Festwirt im Neuanfang eine Chance, aber auch viel Druck. „Der erste Schuss muss sitzen“, sagt Schneider. „Eine Art Welpenschutz wird es nicht geben.“

Als symbolischen Akt zur Vertragsunterzeichnung setzten Daniel Schneider (l.) und Joseph Neumeyer Hopfenpflanzen auf der Gillamooswiese.
Als symbolischen Akt zur Vertragsunterzeichnung setzten Daniel Schneider (l.) und Joseph Neumeyer Hopfenpflanzen auf der Gillamooswiese.

Damit dieser erste Schuss sitzt, wolle man nichts dem Zufall überlassen. Brauer und Festwirt sind in ständigem Kontakt, sprechen die Bandbelegung ab, parlieren über Personal oder die Gastronomie. Eine große Rolle schreibt Schneider dem Zelt an sich zu. „Das Zelt soll höher und luftiger werden, als ein normales Bierzelt“, sagt er. Vier Meter statt etwa zweieinhalb soll die Höhe an den Seiten betragen, dazu einen durchsichtigen Giebel an der Stirnseite bekommen „und eine Wohlfühlatmosphäre bieten. Ich will nicht in Schönheit sterben, aber eine Holzverkleidung innen und außen muss schon sein. Ich habe einen gewissen Qualitätsanspruch, dem ich in allen Dingen gerecht werden will“, sagt Schneider.

Zwei Jahre hat der jüngste Festwirt Bayerns nun Zeit, Verantwortlichen und Gillamoos-Besuchern zu beweisen, dass er all dem gerecht werden kann – so lange läuft sein Vertrag. Danach gibt es ein Optionsrecht auf weitere drei Jahre, das allerdings nur bei beidseitiger Zustimmung greift. Schneider ist sich aber sicher, „dass ich das obligatorische ,des schafft der eh ned‘, auch am Gillamoos widerlegt.

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