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Region Kelheim
Montag, 16. Juli 2018 29° 3

Retter

Karambolage auf der A93 bei Saalhaupt

Der Massenunfall bei Abbach ist noch einmal glimpflich ausgegangen. Doch die Rettungsgasse funktionierte „überhaupt nicht“.
Von Beate Weigert

  • Blick auf die Unfallstelle bei Saalhaupt Foto: Rettungszentrum Regional
  • Blick auf die Unfallstelle bei Saalhaupt Foto: Rettungszentrum Regional
  • Blick auf die Unfallstelle bei Saalhaupt Foto: Rettungszentrum Regional
  • Bernhard Steffel versorgte mit seinen BRK-Kollegen die Wartenden mit Tee und heißen Decken. Archivbild: Antczak
  • Blick auf die Einsatzstelle Foto: Auer

Bad Abbach.Ein Großaufgebot an Rettern rückte am Mittwochmittag, 17. Januar, gegen 11.45 Uhr auf die A93 aus. Kurz vor der Anschlussstelle Bad Abbach hatte sich eine Massenkarambolage ereignet. Insgesamt 16 Fahrzeuge, davon zwei Laster, waren beteiligt. Wer den Massenunfall ausgelöst hat, war am Mittwoch unklar. Es könnte ein Autofahrer gewesen sein, der zu schnell unterwegs war und bei Schneefall ins Schlittern geraten war. Jedoch fand sich auch ein Lkw sehr weit vorne in der Schlange der lädierten Fahrzeuge.

Dessen Fahrer sei jedoch Franzose, die Verständigung mit ihm war ohne Deutschkenntnisse schwierig, schildert Mainburgs Polizeichef Johann Stanglmair am Nachmittag die Lage. Ob der Verursacher überhaupt je ermittelt werden könne, sei die Frage. Denn jeder Unfallbeteiligte habe eine andere Wahrnehmung, so Stanglmair.

Die Lenker der nachfolgenden Fahrzeuge hatten nicht mehr rechtzeitig reagieren können und waren auf die Vordermänner aufgefahren oder in die Leitplanken gekracht.

Das Schlimmste erwartet

An die 100 Feuerwehrleute aus Langquaid, Schierling, Teugn und Bad Abbach, zwei Rettungshubschrauber, elf Rettungs- und Krankentransportwagen, 20 Polizisten, Sanitäter und andere Helfer rückten an – und das Bild der Unfallstelle ließ zunächst das Schlimmste vermuten, sagt Helmut Dötzel, Kelheims stellvertretender Kreisbrandinspektor im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Mehr Bilder von der Unfallstelle sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Karambolage auf der A93

Am frühen Nachmittag war dann klar – hier sind noch einmal alle glimpflich davon gekommen. Drei Menschen wurden leicht verletzt, insgesamt sieben kamen mit Rettungswagen in Regensburger Kliniken. Alle anderen wollten sich wegen kleinerer Blessuren wie Schnittverletzungen selbst in Krankenhäuser oder zum Hausarzt begeben, sagt einer von vier ausgerückten Notärzten, Edward Antzcak.

„Die Rettungsgasse hat mal wieder überhaupt nicht funktioniert.“

Helmut Dötzel, stellvertretender Kreisbrandinspektor im Kreis Kelheim

Dass die Fahrbahn beim Eintreffen der Retter spiegelglatt war, hörte man vom Notarzt bis zum BRK-Sanitäter immer wieder. Feuerwehrleute wie Langquaids 2. Kommandant Tobias Schmid bekamen an der Unfallstelle Fotos und Videos gezeigt, auf denen ein „extremer Schneesturm“ zu sehen ist. Kurzzeitig soll die Sicht sehr beeinträchtigt gewesen sein, sagt auch Dötzel. Als er selbst ausrückte, sei die extreme Wetterlage jedoch schon wieder vorbei gewesen.

Die Einkräfte besprechen sich  Foto: Rettungszentrum Regional
Die Einkräfte besprechen sich Foto: Rettungszentrum Regional

Notärzte und Sanitäter arbeiteten sich von Fahrzeug zu Fahrzeug und checkten auch die im Stau stehenden Fahrzeuge, ob Hilfe benötigt wurde.

In einer ersten Meldung war auch ein Gefahrgut-Transporter gemeldet worden. Vor Ort stellte sich glücklicherweise heraus, dass er leer war.

Blick auf die Unfallstelle bei Saalhaupt Foto: Rettungszentrum Regional
Blick auf die Unfallstelle bei Saalhaupt Foto: Rettungszentrum Regional

Da alle 16 beteiligten Fahrzeuge abgeschleppt werden mussten, mussten deren Insassen teils lange auf der Autobahn ausharren. Genauso steckten all diejenigen fest, die über das Dreieck Saalhaupt in Richtung Regensburg bis zur Unfallstelle aufgefahren waren und sich im rund acht Kilometer langen Stau wiederfanden. Sie wurden bis zum Nachmittag von Bernhard Steffel, dem Einsatzleiter Organisation vom BRK, und seinem Team mit heißem Tee und Decken versorgt. Unfallbeteiligte konnten sich in den beheizten Fahrzeugen der Feuerwehr aufwärmen, schildert Dötzel.

„Schnell zehn Minuten futsch“

Die Zusammenarbeit aller Helfer habe sehr gut funktioniert. Dennoch war Dötzel am Nachmittag immer noch richtig sauer. „Die Rettungsgasse hat mal wieder überhaupt nicht funktioniert.“ Am schlimmsten seien die Brummifahrer, die fahren so nah auf, dass kein Platz zum Rangieren bleibe. Das kostete Zeit.

Zum Glück ging es diesmal nicht um Leben und Tod. Doch das wisse man beim Ausrücken noch nicht und wenn die Rettungsgasse nicht funktioniere, „können schnell mal zehn Minuten beisammen sein“, so Dötzel.

Auch in der Gegenrichtung herrschte Chaos auf der A93. Denn ab 11.30 Uhr hatte es zwischen der Anschlussstelle Regensburg Süd und der Raststätte Pentling ebenfalls mehrfach gekracht. Zu vier Unfallstellen kurz aufeinander mit jeweils drei bis fünf Fahrzeugen mussten dort die Retter ausrücken. Bilanz: zwei Leichtverletzte. Auch im Raum Regensburg hat es wohl ein heftiges Schneegestöber gegeben. Zehn Minuten hätten ausgereicht, um einen Großeinsatz samt Verkehrschaos auszulösen, so das Polizeipräsidium Oberpfalz.

Blick auf die Unfallstelle bei Saalhaupt Foto: Rettungszentrum Regional
Blick auf die Unfallstelle bei Saalhaupt Foto: Rettungszentrum Regional

Mussten alle Verkehrsteilnehmer in Pentling auf die B16 abfahren, wurden im Kreis Kelheim alle Fahrzeuge ab dem Dreieck Saalhaupt auf die B15 neu abgeleitet.

Bis kurz vor 16 Uhr dauerte es bis alle Fahrzeuge abgeschleppt waren. Dann konnte der Verkehr wieder fließen. Pünktlich zum Feierabend-Verkehr.

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