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Wirtschaft

Keine Angst vor der Fusion

Die Raiffeisenbanken Bad Abbach - Saal und Bad Gögging verschmelzen. Ein Aufsichtsrat nimmt Stellung.
Von Jochen Dannenberg

Herbert Traublinger ist seit 40 Jahren Aufsichtsrat bei der Raiffeisenbank Bad Gögging. Er hat schon etliche Fusionen erlebt. Er sagt: „Die Raiffeisenbank muss sich weiterentwickeln.“ Foto: Dannenberg
Herbert Traublinger ist seit 40 Jahren Aufsichtsrat bei der Raiffeisenbank Bad Gögging. Er hat schon etliche Fusionen erlebt. Er sagt: „Die Raiffeisenbank muss sich weiterentwickeln.“ Foto: Dannenberg

Neustadt. Jahrzehntelang waren die Raiffeisenbanken Bad Abbach-Saal und Bad Gögging eigenständige Unternehmen. Doch jetzt geben sie ihre bisherige Selbstständigkeit auf und fusionieren. Das weckt Sorgen bei Kunden, auch weil mit der Fusion Geschäftsstellen im Bereich der Raiffeisenbank Bad Gögging geschlossen werden. Herbert Traublinger, seit 39 Jahren Mitglied des Aufsichtsrates der Raiffeisenbank Bad Gögging, sieht den Vorgang deutlich entspannter.

„Die Raiffeisenbank muss sich weiterentwickeln“, sagt der 67-jährige Landwirt aus Kirchdorf, der unlängst für seine Verdienste um die Raiffeisenbank mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet wurde. Um das zu erklären, was „Weiterentwicklung“ für ihn bedeutet, holt Traublinger weit aus. „Ich war 28 Jahre alt, noch nicht verheiratet, da wurde ich bei einer Vertreterversammlung der Mitglieder der Kirchdorfer Raiffeisenbank für den Aufsichtsrat vorgeschlagen. Das Gremium hatte damals drei Mitglieder, ich war der jüngste.“

Aus zwei mach eins

  • Name:

    „Raiffeisenbank Kreis Kelheim e.G.“ wird es künftig heißen, wenn von den bisherigen Raiffeisenbanken Bad Abbach-Saal und Bad Gögging die Rede ist. Schon seit längerer Zeit ist die Fusion der beiden Genossenschaftsbanken in Vorbereitung.

  • Votum:

    Das letzte Wort hatten jedoch die beiden Vertreterversammlungen, die unlängst in Bad Gögging und Bad Abbach stattgefunden haben. Das Votum fiel eindeutig aus: Ohne Gegenstimme genehmigten die insgesamt 151 Vertreter der Mitglieder beider Banken den Zusammenschluss.

Wohin sein Engagement einst führen sollte, war dem jungen Herbert Traublinger nicht klar. „Ich habe damals nicht soweit gedacht, dass das alles in Neustadt oder im Landkreis endet“, sagt er. Als Aufsichtsrat sollte er mit seinen Kollegen die Geschäftsführung des Vorstands der Bank überwachen. Auch bei der Genehmigung von großen Krediten wirkte er fortan mit, woran sich bis heute nichts geändert hat. Dafür hat sich anderes geändert.

Schon lange nicht mehr

Die Geschäftsstelle in Kirchdorf gibt es schon lange nicht mehr. Unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Erich Griebl schlüpften die Kirchdorfer unter das Dach der Raiffeisenbank Bad Gögging. Traublinger erlebte weitere Übernahmen.

Trotzdem ist er von der Idee der Raiffeisenbank überzeugt. Auch und gerade wegen der immer wieder beschworenen Nähe der Bank zu ihren Kunden. „Das Unternehmen ist eine Genossenschaft“, sagt er. „Das bedeutet, dass die Vertreter der Mitglieder ein Mitspracherecht haben und den Aufsichtsrat wählen, der den Vorstand kontrolliert.“ Das sei einerseits der Unterschied zu den Sparkassen, andererseits sei das Unternehmen in jedem Falle eine regionale Bank. „Wenn man was braucht, kann man mit dem Kundenberater vor Ort die Geschäfte erledigen.“

Herbert Traublinger wurde unlängst mit der Goldenen Ehrennadel für seine Verdienste für die Raiffeisenbank Bad Gögging ausgezeichnet: von links Johann Glas, Hans Lell (GVB), Annemarie Traublinger, Herbert Traublinger, Karl Prohaska, Josef Gabelsberger Foto: Raiffeisenbank
Herbert Traublinger wurde unlängst mit der Goldenen Ehrennadel für seine Verdienste für die Raiffeisenbank Bad Gögging ausgezeichnet: von links Johann Glas, Hans Lell (GVB), Annemarie Traublinger, Herbert Traublinger, Karl Prohaska, Josef Gabelsberger Foto: Raiffeisenbank

Die Regionalität drücke sich auch in der Zahl der Mitglieder aus, ergänzt Karl Prohaska, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Bad Gögging. 8000 Mitglieder habe das Unternehmen derzeit.

Die Verankerung in der Region bleibe auch mit dem jüngsten Zusammenschluss erhalten, ist Herbert Traublinger überzeugt. Gleichwohl, räumt er ein, sei der Bezug der jüngeren Bürger nicht mehr so stark wie bei den älteren. „Da macht das Online-Banking viel aus“, sagt er.

Dennoch ist ihm um die Zukunft des Unternehmens nicht bange. Auch in der Finanzkrise habe es keine Kündigungen von Kunden oder Krediten gegeben, sagt er. Sowohl die Genossenschaftsbanken als auch die Sparkassen hätten keine Sicherungseinrichtung gebraucht. Dazu komme, dass das Unternehmen nicht am Aktienmarkt gehandelt werde. Das schafft Sicherheit vor Übernahmen. So könnten die Raiffeisenbanken weiterhin selbstbestimmt agieren.

Neues Lagerhaus

Teil der Regionalität der Genossenschaftsbanken waren früher auch die Lagerhäuser für landwirtschaftliche Produkte. Auch an ihrer Entwicklung spiegelt sich die Entwicklung der Genossenschaften. Vor der Fusion mit Bad Gögging war in Kirchdorf sogar noch eine Düngerhalle gebaut worden. Heute gibt es in dem kleinen Ort weder eine Geschäftsstelle der Bank noch ein Lagerhaus.

Dafür wird andernorts gebaut. „Wir haben vor, dass wir in Dürnhart ein Lagerhaus bauen“, sagt Herbert Traublinger. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Man brauche heute größere, leistungsfähigere Lagerhäuser, betont er, denn die Mengen, die angeliefert werden, seien auch größer.

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