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ÖPNV

Keine Ausweitung über Landkreisgrenze

Vorerst wird es nichts mit einer Ausweitung des RVV von Neustadt nach Münchsmünster. Der Landkreis scheut die Kosten.
Von Jochen Dannenberg

Für Fahrgäste mit RVV-Ticket ist auch künftig in Neustadt Endstation. Über die Landkreisgrenze hinaus geht es nicht mit dem RVV-Ticket.
Für Fahrgäste mit RVV-Ticket ist auch künftig in Neustadt Endstation. Über die Landkreisgrenze hinaus geht es nicht mit dem RVV-Ticket.

Neustadt.An den Landkreisgrenzen endet oft die Gültigkeit von Tickets im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Das ist auch im Landkreis Kelheim so. Zwar kann man mit Fahrkarten des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV) problemlos mit der Eisenbahn nach Regensburg - und aufgrund des RVV-Zonensystems darüber hinaus - fahren. Aber vom Landkreis Kelheim mit einem RVV-Ticket nach Münchsmünster im Landkreis Pfaffenhofen zu fahren, ist nicht möglich. Umgekehrt von Münchsmünster in den Landkreis Kelheim auch nicht. Dagegen kämpft seit Jahren der Neustädter Stadtrat Günter Schweiger aus dem Ortsteil Schwaig an.

Am Bahnhof Neustadt endet das Tarifgebiet des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV).
Am Bahnhof Neustadt endet das Tarifgebiet des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV).

Das bedeutet: Bürger des Neustädter Ortsteils Schwaig profitieren bislang nur vom RVV-Tarif, wenn sie erst nach Neustadt zum Bahnhof fahren. Dabei wohnen sie nur ein paar hundert Meter vom Bahnhof in Münchsmünster im Nachbarlandkreis Pfaffenhofen entfernt, der damit auch zu Fuß gut erreichbar ist und an dem die RVV-Tickets nicht verkauft werden. Deshalb müssen die Einwohner von Schwaig, wenn sie denn ein RVV-Ticket kaufen wollen, zunächst zum sechs Kilometer entfernten Neustädter Bahnhof fahren. Darauf hatte Stadtrat Günter Schweiger (WSG) immer wieder hingewiesen.

Wirtschaftszentrum würde profitieren

Auch Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer (SPD) hatte sich für die Ausweitung des RVV-Tarifs eingesetzt. Er weiß um die Kostenrechnung, hält aber mit mehreren Argumenten dagegen. So stellte Reimer in einem Brief an Landrat Martin Neumeyer fest: „Eine solche Ausweitung im Sinne des Wirtschaftszentrums Neustadt/Münchsmünster ist im Sinne beider Gemeinden und allein deshalb schon müsste dies auch im Sinne der beiden Landkreise sein.“

Anschließend zählte der Bürgermeister auf, wer von einer Ausweitung des Tarifgebietes profitieren würde. Es gehe dabei nämlich nicht nur um die Möglichkeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, mit der Bahn kostengünstig zum Arbeitsplatz zu kommen. „Durch eine Ausweitung der Tarifzonen wäre auch eine kostenfreie Fahrt für Studentinnen und Studenten der beiden Hochschulstandorte Ingolstadt und Regensburg zu den Firmen unserer Region gegeben, was nicht nur Praktika vor Ort begünstigt, sondern durchaus auch die Firmen in ihrer künftigen Suche nach qualifizierten Arbeitskräften begünstigen könnte.“

Nachbar beteiligt sich nicht

Jetzt befasste sich der ÖPNV-Kreisausschuss des Landkreises Kelheim mit dem Thema. Dessen Antwort dürfte den Einwohnern von Schwaig nicht schmecken. Der Ausschuss lehnte eine Ausweitung des RVV-Tarifgebietes mehrheitlich ab. Grund für die Ablehnung sind die Kosten, die sich für den Landkreis mit der Ausweitung ergeben würden. 15 000 bis 20 000 Euro würde die Maßnahme den Landkreis kosten. Das war dem Gremium bei seiner Sitzung am Montagnachmittag zu viel. Außerdem wollte sich der Landkreis Pfaffenhofen nicht an den Kosten beteiligen. Stadtrat Günter Schweiger hatte sich ein anderes Ergebnis der Abstimmung erhofft. „Gerade in diesen Zeiten ist eine Verbesserung des ÖPNV wichtig“, sagte er gegenüber der Mittelbayerischen.

Am Bahnhof Münchsmünster gilt bisher nicht der Tarif des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV). Der Bahnhof ist nur wenige hundert Meter vom Neustädter Ortsteil Schwaig entfernt.
Am Bahnhof Münchsmünster gilt bisher nicht der Tarif des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV). Der Bahnhof ist nur wenige hundert Meter vom Neustädter Ortsteil Schwaig entfernt.

Rupert Treitinger, CSU-Mitglied im Kreisausschuss, kommentierte das Abstimmungsergebnis mit den Worten, er fände es schade, dass es nicht zu der Ausweitung komme. Annette Setzensack (ÖDP) kommentierte: „Das ist ein Beispiel dafür, dass die Planung des ÖPNV in Landkreisgrenzen nicht mehr zeitgemäß ist.“ Landrat Martin Neumeyer (CSU) verteidigte die Vorgehensweise, die weiterhin denkbare Ausweitung des RVV-Tarifgebietes werde als Wiedervorlage erneut in zwei Jahren behandelt werden.

Bereits mehrfach abgelehnt

Die Ausweitung des RVV-Tarifgebietes nach Münchsmünster war bisher vom Landratsamt Kelheim mehrfach u.a. mit Hinweis auf mögliche Mehrkosten für den Landkreis abgelehnt worden. Per Vertrag ist der Landkreis gegenüber den Bahnbetreibern einen Teil der Kosten zu übernehmen. Sie würden bei einer Ausweitung des Tarifgebietes steigen.

Seit 2009

  • Bereich:

    Seit 2009 gelten die Tarife des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV) für Bahnfahrer im Landkreis Kelheim bis Abensberg und Neustadt sowie für Anschlussfahrten auf der Buslinie Saal-Kelheim.

  • Kosten:

    Bis Ende 2008 war für Landkreisbürger mit RVV-Ticket Endstation in Bad Abbach, Painten bzw. Langquaid. Die Gebietsausweitung kostete den Landkreis anfangs rund 80 000 Euro jährlich.

Der ablehnende Beschluss in der Sitzung des ÖPNV-Kreisausschusses am Montagnachmittag - eine Gegenstimmer gab es von Annette Setzensack (ÖDP) - kam deshalb nicht überraschend. Bereits im März war dem Gremium mitgeteilt worden, dass im Landratsamt mit zuständigen Stellen zahlreiche Gespräche geführt worden waren. Allerdings gebe es einige am Thema Beteiligte und nicht alle seien für eine schnelle Lösung zu haben, so fasste es ÖPNV-Sachgebietsleiter Stefan Grüttner damals zusammen. Grundsätzlich fahren wohl viermal so viele Menschen von Neustadt in Richtung Münchsmünster, als aus dem Kreis Pfaffenhofen nach Regensburg, hieß es. Der benachbarte Verkehrsverbund INVG habe erklärt, er habe gerade erst seinen Tarif auf den aktuellen Stand gebracht, und der Landkreis Pfaffenhofen, dass er sich finanziell nicht an einer Lösung beteiligen werde.

Ausweitung nach Freising

Ganz anders entschied sich der ÖPNV-Ausschuss bei seiner Sitzung am Montagnachmittag übrigens bei der Ausweitung des Busverkehrs in den Landkreis Freising. Das Angebot der MVV-Linie 602 Mainburg - Freising soll danach zum Fahrplanwechsel am 15 Dezember aufgrund der starken Nachfrage um fünf Fahrtenpaare an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen erweitert werden. Dadurch entstehen dem Landkreis Kelheim jährliche Zusatzkosten in Höhe von 8000 bis 11 000 Euro. Außerdem soll im Freizeitbusverkehr der MVV-Linie 602 ein Fahrradanhänger mitgeführt werden. Dafür fallen u.a. laufende Kosten von 2500 bis 3000 Euro pro Jahr an, die ebenfalls vom Landkreis Kelheim übernommen werden. Der Beschluss fiel einstimmig aus. Landrat Martin Neumeyer betonte, dass sich auch der Landkreis Freising an den Kosten beteilige. „Das ist es, was wir uns in zwei Jahren mit Ingolstadt wünschen.“

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