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Mobilität

Kelheim: Erste (fast) autonome Testfahrt

Ein E-Mini-Bus sorgte vor Kloster Weltenburg für neugierige Blicke. Noch in 2019 soll ein solcher durch Abensberg rollen.
Von Beate Weigert

Kommen Besucher dem autonom fahrenden E-Minibus zu nah, verringert er von selbst sein Tempo. Wenn er mal für die Strecke programmiert ist, am Dienstag „bremste“ der Operator das Fahrzeug. Foto: Weigert
Kommen Besucher dem autonom fahrenden E-Minibus zu nah, verringert er von selbst sein Tempo. Wenn er mal für die Strecke programmiert ist, am Dienstag „bremste“ der Operator das Fahrzeug. Foto: Weigert

Kelheim.Was das genau für ein kleines Gefährt war, dass da am Dienstagmittag, 11. Juni, vor Kloster Weltenburg hin- und herfuhr und vom einem Tross an Kameras und Menschen begleitet wurde, war nicht jedem Besucher der Touristenattraktion sofort klar. „Sagen Sie mal, was ist das denn, bitte?“, fragte eine Seniorin die Reporterin.

Einen autonom fahrenden E-Mini-Bus, wie diesen, hatte die Frau noch nie gesehen. Was autonom genau bedeutet, schien ihr nicht 100-prozentig klar zu sein. Und es war an diesem Mittag auch nicht auf den ersten Blick zu erkennen.

Mit Tempo fünf durch die Menge

Genau genommen fuhr der Bus gar nicht autonom. Er soll es künftig tun, in einem knappen Jahr etwa. Denn der kleine Elektro-Zwerg am Dienstagmittag war nur für eine Testfahrt aus dem Rottaler Kurort Bad Birnbach ausgeliehen und die Strecke, die er einmal hier in Weltenburg fahren soll, war noch nicht programmiert.

Sehen Sie ein Video von der Testfahrt in Weltenburg:

Video: Beate Weigert

Daher wurde der „Easy Mile“ von einem DB-Regio-Mitarbeiter per Joystick gesteuert. Das Tempo war nicht gerade rasant. Mit Tempo fünf bewegte sich der Bus, der innen sechs Sitzplätze bietet, von A nach B und zurück. Schneller darf er per Joystick nicht gelenkt werden, erklärte „Fahrer“ Stefan Kretzschmar von DB Regio.

Im programmierten Zustand brächte der Sechssitzer „15 Sachen“ auf den Tacho. Ein sogenannter Operator würde aber auch dann mit fahren, denn ohne sei derzeit in Deutschland dafür kein TÜV zu bekommen.

Die Ehrengäste der Premierenfahrt in Weltenburg waren Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann, Sponsoren der Brauereien Bischofshof und Kuchlbauer, ein Ministerialdirigent des bayerischen Verkehrsministeriums, Michael Gammel vom Kelheimer IHK-Gremium, der Weltenburger Abt und der Klosterschenken-Wirt.

Shuttles zu touristischen Highlights

  • Erste Fahrgäste:

    Landrat Martin Neumeyer lud Karl Schumacher vom bayerischen Verkehrsministerium, Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann, Weltenburgs Abt Thomas M. Freihart, Klosterschenken-Chef Rolf Holthausen, DB-Vertreter sowie Vertreter der Brauereien Bischofshof und Kuchlbauer zur Testfahrt ein.

  • Tempo:

    Ein Aufkleber mit 15 Stundenkilometern verweist auf die maximale Geschwindigkeit des E-Gefährts. Das gilt jedoch nur, wenn die Route programmiert ist und der Bus „autonom“ fährt. Beim Test war ein Leih-Bus im Einsatz. Daher wurde er per Joystick gesteuert. Dafür ist maximal Tempo fünf erlaubt.

  • Shuttle-Dienst:

    Ab April 2020 sollen Weltenburg-Besucher vom Parkplatz bis zum Kloster mit einem Bus der Marke „Easy Mile“ fahren können. Bereits ab Oktober 2019 soll eine Abensberger Route bedient werden. Von der Gillamooswiese über die Altstadt bis zum Kuchlbauer-Turm und zurück.

  • Partner:

    Als wissenschaftliche Partner sind für das Modell-Projekt laut Kreis-ÖPNV-Sachgebietsleiter Stefan Grüttner vom Kelheimer Landratsamt die TH München sowie die Firma FMS in Ingolstadt und die Firma Bertram aus Regensburg mit an Bord. Des Weiteren DB Regio als Betreiber des Shuttles.

Alle waren gespannt auf ihre erste Tour mit dem nahezu lautlosen Gefährt. Bevor es losging, bimmelte es leise, wie bei der Münchener Straßenbahn. Dann setzt sich das kleine weiß-rote Rechteck in Bewegung. „Mucksmäuschenstill und beschaulich“ fiel die Fahrt von Thomas Neiswirth, dem Pressesprecher von Bischofshof aus. „Das passt perfekt zu Weltenburg“, sagte er und lachte.

Auch für Karl Schumacher, den Mann vom Verkehrsministerium in München, der dem Vorhaben seinen Segen für Fördermittel geben soll, waren die paar Meter im autonomen Minibus eine Premiere. Man habe ein „interessantes Fahrgefühl“, befand der Abteilungsleiter. Wann genau Gelder fließen werden, wollte er im Gespräch mit der Mittelbayerischen nicht sagen.

Mehr Eindrücke von der Testfahrt sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Autonomes Fahren in Weltenburg getestet

Geht es nach Landrat Martin Neumeyer und Kreis-ÖPNV-Sachgebietsleiter Stefan Grüttner dann besser früher als später. Denn schon bald soll ein selbstständig fahrendes Gefährt zwischen dem Parkplatz und dem Kloster Weltenburg pendeln.

Idealerweise zum Saisonstart 2020. Ab April soll dann die die hiesige Strecke programmiert sein und mindestens ein Bus der Marke „EasyMile“ vor Ort zur Verfügung stehen. Idealerweise steuert auch noch der Bund Mittel bei. Die Sponsoren der beiden Brauereien haben ihre Zusage bereits gegeben.

Der Landkreis Kelheim schickt sich an zur Modellregion für autonomes Fahren zu werden. Nach dem ersten Einsatz der Minibusse im beschaulichen Kurort Bad Birnbach im Rottal suchten die Entwickler komplexere Verkehrssituationen, die es zu testen gilt. Landrat Martin Neumeyer brachte die Region und zwei ihrer touristischen Highlights ins Spiel.

Kloster Weltenburg mit seinen vielen Besuchern dürfte eine neue Herausforderung bieten. Des Weiteren sollte auch die steile Felswand entlang des Wegs zum Kloster herausfordernd für die Entwickler sein. Denn nur wenn der GPS-Empfang passt, rollt der autonome Bus auch.

Premiere in Abensberg

Bereits im Oktober 2019 könnte ein autonom fahrender Mini-Bus zwischen der Gillamooswiese in Abensberg, der Altstadt sowie Kuchlbauer-Turm und Kunsthaus pendeln, so Stefan Grüttner. In einer weiteren Ausbaustufe könnte auch noch der Bahnhof miteingebunden werden. In der Babonenstadt dürften unterschiedlicher Untergrund, wie unbefestigter Parkplatz, Kopfsteinpflaster in der Innenstadt, aber auch die vielbefahrene Staatsstraße spannendes Testareal für die Macher autonomen Fahrens sein.

Nach der Testfahrt am Dienstag in Weltenburg ging es daher für die Vertreter des Landkreises, der Brauereien und Karl Schumacher von der Abteilung „Vernetzte Mobilität, allgemeiner ÖPNV, Güterverkehr“ vom Ministerium weiter nach Abensberg.

Wenn die Testphase einmal erfolgreich gemeistert ist, könnten autonome Busse vielleicht bald einmal Tempo 50 0der 80 fahren, so Stefan Grüttners Vision. Oder in Zukunft trotz Personalproblemen ÖPNV möglich machen, so die Hoffnung von Landrat Neumeyer. Der Vertreter des Verkehrsministeriums kann sich in größeren Städten auf fixen Routen „eine Art autonomen Rufbus“ vorstellen. Vieles werde individueller und flexibler werden. Vieles könnte möglich sein, doch dafür müsse man nun die nächsten Schritte gehen. Gerne im Landkreis Kelheim, so Martin Neumeyer.

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