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Festakt

Kelheim hat die Bürgernähe jetzt amtlich

Nach langer Vorgeschichte und zweieinhalbjähriger Bauzeit ist das neue Landratsamt im Donaupark nun fertig – fast.
Von Martina Hutzler

Mit rund 250 geladenen Gästen feierte der Kelheimer Kreistag die Einweihung des neuen Landratsamts, bei der zugleich Landrat Dr. Hubert Faltermeier verabschiedet wurde.
Mit rund 250 geladenen Gästen feierte der Kelheimer Kreistag die Einweihung des neuen Landratsamts, bei der zugleich Landrat Dr. Hubert Faltermeier verabschiedet wurde. Fotos: Sebastian Pieknik

Kelheim.Anfang und Abschied in einem: Mit einer zum Festakt ausgeweiteten Sitzung hat am Montag der Kreistag im Kelheimer Donaupark den bisherigen Landrat Dr. Hubert Faltermeier aus dem Amt verabschiedet und zugleich das neu errichtete Landratsamt eingeweiht. Und dies nicht „im stillen Kämmerlein“: Neben den 60 Kreisräten fanden fast 250 Gäste aus dem öffentlichen Leben den Weg in den „Donaupark 12“, so die künftige Adresse für den Hauptsitz der Kelheimer Landkreis-Verwaltung. Anfang Dezember soll das viergeschossige Gebäude, für das zunächst ein Kostenrahmen von 17,8 Millionen Euro gesetzt war, in Betrieb gehen – dann unter neuer Leitung: Am 1. respektive 2. November tritt der neue Landrat Martin Neumeyer seinen Dienst an.

Geständnisse zum Abschied

Politik, Behörden, Verbände und Wirtschaft – sie alle entsandten Vertreter zu der Feierstunde im großen, vollverglasten Sitzungssaal, dessen Panoramablick zu Donau und Befreiungshalle wohl künftig so manchen Kreisrat ab und an mal vom Sitzungsverlauf ablenken könnte. Am Montag indes galt die Aufmerksamkeit der geladenen Gäste eingangs dem Noch-Hausherrn Dr. Hubert Faltermeier. Der gestand in seiner Rede, er sei zwar froh, dass ihm der Amts-Umzug erspart bleibe, und durchaus stolz, dass er zu einem geordneten Amt auch noch „ein nagelneues Haus“ an seinen Nachfolger Martin Neumeyer übergeben könne. „Aber dass die Einweihung noch in meiner Amtszeit stattfindet, darauf habe ich schon Wert gelegt“.

Denn, auch dies ein Bekenntnis Faltermeiers, der zunächst zu den Befürwortern der Generalsanierung am alten Standort gehörte: Die Kreistagsentscheidung zum Neubau „war nach langer und kontroverser Diskussion erfolgt – und sie war richtig“, sagte er, was die anwesenden Kreisräte wahlweise mit Nicken, Lächeln oder eher säuerlicher Miene quittierten.

So nämlich, fuhr Faltermeier fort, habe man „alle Anforderungen an ein modernes, funktionales, wirtschaftliches, barrierefreies und nachhaltiges Verwaltungsgebäude“ berücksichtigen können. Den Planern der Architektengemeinschaft Dömges und Raith zollte er Lob: „Das neue Verwaltungsgebäude spiegelt unser Bestreben nach einer modernen, transparenten und bürgerfreundlichen Verwaltung wieder“.

Die Architekten Norbert Raith (li.) und Thomas Eckert stellten Konzeption und Umsetzung des neuen Amts vor.
Die Architekten Norbert Raith (li.) und Thomas Eckert stellten Konzeption und Umsetzung des neuen Amts vor. Fotos: Sebastian Pieknik

Wie sich ein solches Bestreben auf 50 mal 50 Metern Fläche umsetzen lässt, darüber habe man sich lange Gedanken gemacht, schilderte Architekt Thomas Eckert vom Büro Dömges: „Wie präsentiert sich Demokratie eigentlich? Wie repräsentativ darf sie sein?“ Schmunzelnd erinnerte Eckert daran, dass sich auch die Kreisräte mit dieser Frage abgeplagt haben. Was unter anderem dazu führte, dass die Fassade keinesfalls die Farbe „gold“ haben durfte… Die offizielle Bezeichnung lautet denn auch „bausilberhell“. Für die Planer lag der Schlüssel in der Kombination aus Wertigkeit und Funktionalität. Letztere zeigt sich laut Eckert zum Beispiel im kompakten Baukörper, der kurze Wege ermöglicht, und im Zusammenspiel von weitem Ausblick – auf Donau, Stadt, Befreiungshalle – und orientierungsstiftendem Einblick in den Innenhof. Für dessen Gestaltung übrigens Landratsamts-Mitarbeiter in ihrer Freizeit kräftig Hand angelegt haben: Sie gestalteten Skulpturen aus Kalkstein. Außen am Eingang schuf Bauhof-Mitarbeiter und Steinmetz Thomas Richter außerdem eine Stele.

Auch im Innern kann Kunst Platz und Recht haben: Die vier Seiten des Gebäudes stellen unter dem Aspekt der Brandschutz-Vorgaben „abgeschlossene Nutzungseinheiten“ dar – so dass zum Beispiel künftigen Ausstellungen in den Fluren nichts im Weg steht, erläuterte Architekt Norbert Raith vom gleichnamigen Kelheimer Büro. Er stellte die technischen Eckdaten des Gebäudes vor, das Platz für über 500 Büros, Besprechungs- und Funktionsräume sowie den – zweiteilbaren – Sitzungssaal bietet. Als Finale der rund zweieinhalbjährigen Bauzeit stehen nun noch die IT-Installation an sowie die Justierung der Gebäudetechnik, erklärte Raith.

Bauphase trennte Spreu vom Weizen

Er ging auch kurz auf die Verzögerung der Bauarbeiten ein, die im Wesentlichen durch den langwierigen Streit mit der Fenster- und Fassadenbaufirma zustande kam. Dies führte zwar zur rund halbjährigen Verlängerung der Bauzeit und zu noch nicht abschließend ermittelten Mehrkosten im sechsstelligen Bereich. Damit aber sei das Projekt, gemessen an seiner gesamten Größenordnung, dennoch im Rahmen geblieben, sagte Raith. Und führte dies vor allem auf das Teamwork der übrigen Beteiligten zurück: „Da sieht man deutlich, auf welche Firmen man sich heute noch verlassen kann“. Er dankte dabei auch den am Projekt beteiligten Landratsamts- und den Mitarbeitern der Planungsbüros.

Schließlich übergaben Raith und Eckert dem scheidenden Landrat eine Mini-Ausgabe des neuen Gebäudes – deren Farbe wohl schon als „Gold“ durchgehen dürfte – sowie den symbolischen Schlüssel fürs neue Amt, den Faltermeier gleich an seinen Nachfolger Neumeyer weiterreichte. Brauchen wird ihn eh’ niemand: Einlass finden alle Beschäftigten künftig via Chipkarte.

Die Geistlichen BGR Hans Maier (li.) und  Armin Kübler segneten das neue Amtsgebäude.
Die Geistlichen BGR Hans Maier (li.) und Armin Kübler segneten das neue Amtsgebäude. Fotos: Sebastian Pieknik

Weit mehr als einen symbolischen Akt nannte im Anschluss dann der Kelheimer katholische Stadtpfarrer BGR Hans Maier die Segnung des neuen Amtsgebäudes: Die religiöse Feier sei nicht nette Zugabe, sondern verkörpere „das Innerste“, auf das sich alles behördliche Handeln beziehen solle. Denn „ohne Religion entsteht ein Vakuum, und das füllt sich schnell mit etwas anderem“, warnte Maier.

Sein evangelischer Amtsbruder Armin Kübler zeigte sich zuversichtlich, dass die Maßstäbe fürs neue Gebäude – Offenheit, Service, Bürgernähe – auch von den Amtsmitarbeitern gelebt werden. Ganz im Gegensatz zu Klischees aus Beamtenwitzen, so Kübler. Seine Kostproben davon („Beamten sind die Träger der Nation – einer träger als der andere) sorgten, je nach (Berufs-)Standpunkt des Betrachters, für mehr oder weniger herzhaftes Lachen. Maier und Kübler segneten anschließend das Gebäude und auch die Edelstahlkreuze, die die Metallbauklasse der Kelheimer Berufsschule gefertigt hat.

Die folgende kurze Pause nutzte Kreisrat Fritz Zirngibl für eine kurze Ein-Mann-Demo, mit der er seinen Protest gegen den Amtsneubau zum Ausdruck brachte. Demgegenüber attestierten die Festredner des Nachmittags, die im Wesentlichen die 24-jährige Amtszeit von Landrat Faltermeier würdigten, en passant dem neuen Gebäude seine Berechtigung: So befand Christian Bernreiter, Präsident des Bayerischen Landkreistags, eine funktionierende Verwaltung sei „ein immens wichtiger Grundpfeiler eines Rechtsstaates“. Der niederbayerische Regierungspräsident Heinz Grunwald wertete den Neubau als sichtbaren Beleg dafür, dass unter Faltermeiers Regie der gesamte Donaupark von einer Industrieruine in einen innovativen Gewerbestandort verwandelt worden sei.

Hauseigene Musik vom „King“

Selbst überzeugen konnten sich die Besucher davon bei anschließenden Führungen durch das Gebäude. Derweil unterhielt die „Landratsamts-Combo“ aus Dr. Alexander Werner, Ralf Schledorn und Josef Bader, gesanglich verstärkt von Thomas Richter vom Abensberger Jobcenter, mit weiteren Kostproben ihres Könnens. Sie hatten die Feierstunde musikalisch umrahmt – mit Hits vom „King“, als Hommage an Elvis-Fan Faltermeier.

Vom Entwurf zum Bau

  • Die Idee

    Bei ihrem Entwurf hat die Architektengemeinschaft Dömges / Raith auf die Idee aufgebaut, dass das neue Amt „dem Bürger dienen und sich ihm öffnen soll“, erklärte Architekt Thomas Eckert (Büro Dömges). Es solle einen angemessenen Rahmen für die politische Arbeit von Kreistag und Landrat ebenso schaffen wie die Grundlage für effizientes und flexibles Arbeiten der Beschäftigten – und dabei architektonisch auch der herausragenden Lage am Kelheimer Donauufer, zu Füßen der Befreiungshalle, gerecht werden.

  • Die Umsetzung:

    Das vierstöckige quadratische Gebäude ist als „klassische Stahlbetonkonstruktion“ ausgeführt, erklärte Architekt Norbert Raith vom gleichnamigen Kelheimer Büro. Als Fundament ruhen „Mittelstopfsäulen“ dort im Boden, wo vor etlichen Jahren der Landkreis die Altlasten der „Bayerischen Zellstoff“ beseitigen musste. Das Amtsgebäude wird von einem flach geneigten Satteldach überdacht. Es ist insgesamt über 13 Meter hoch und umfasst rund 34 000 Kubikmeter umbauten Raum.

Kelheim - Einweihung neues Landratsamt

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