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Mobilität

Kelheim: Züge im S-Bahn-Takt?

Die Forderung von Regensburg und seinen Anrainern könnte im Kreis Kelheim einiges bewegen. Eine Analyse.
Von Martina Hutzler

Der Saaler Bahnhof samt Umfeld soll ein modernes Gesicht bekommen.. Fotos: hu, dt, Hase/dpa
Der Saaler Bahnhof samt Umfeld soll ein modernes Gesicht bekommen.. Fotos: hu, dt, Hase/dpa

Kelheim.Ein S-Bahn-artiger Zugverkehr nach Regensburg, auch aus Richtung Kelheim: Dieser Landräte-Vorstoß bei Verkehrsministerin Ilse Aigner überraschte. Aber für Saal passt das Timing perfekt, befindet Bürgermeister Christian Nerb. Zu Jahresbeginn hat die Saaler „Kürzl und Singer GdbR“ der Bahn das Bahnhofsareal abgekauft. Das Unternehmen will das Gebäude selbst renovieren; es gibt Überlegungen, darin dann neben Fahrkartenverkauf auch ein Bistro und eine Tourist-Info einzurichten. Den Vorplatz und das Nachbargrundstück will die Gemeinde übernehmen und bis in drei, vier Jahren dort bahnbegleitende Logistik schaffen, so Nerb: Parkplätze, vielleicht ein Parkdeck, Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge, Fahrradstellplätze. Einen Planungsauftrag hat der Gemeinderat schon erteilt. Parallel führe er Gespräche, ob in Saal jemand Übernachtungsmöglichkeiten schaffen will – bisher müsse man Touristen und Geschäftsleute in Nachbarorte schicken.

Der Saaler Bahnhof samt Umfeld soll ein modernes Gesicht bekommen.. Fotos: hu, dt, Hase/dpa
Der Saaler Bahnhof samt Umfeld soll ein modernes Gesicht bekommen.. Fotos: hu, dt, Hase/dpa

Die Bahnstrecke Regensburg - Ingolstadt selbst würde laut „Agilis“ einen 20-Minuten-Takt verkraften, berichtet Nerb; irgendwann werde aber wohl ein zweigleisiger Ausbau zu prüfen sein – zumal auch Unternehmen im Hafengebiet gerne mehr Transporte auf die Schiene verlagern würden. Das Nadelöhr in der Regensburger Straße soll 2022/23 beseitigt werden: Eine geschätzt 17 Mio. Euro teure Unterführung soll die Bahnschranken ersetzen, die sich derzeit bis zu 100 Mal täglich schließen.

Kelheim will runter vom Abstellgleis – aber wie?


In der Regensburger Straße endet seit 1988 die Stichstrecke, die einst zum Bahnhof Kelheim (heute Polizei) führte.

Im Brief an Ministerin Aigner befürwortet Landrat Martin Neumeyer nun „ausdrücklich“ Kelheims Rückkehr ins Schienennetz. Dafür bräuchte es wohl eine neue Trasse: Die alte sei nicht reaktivierbar, hat unlängst der Kreis-ÖPNV-Ausschuss festgestellt – die Gleisflächen haben längst neue Eigentümer, sind teils bebaut.

Vom Bahnverkehr ist die Kreisstadt  Kelheim seit 30 Jahren abgehängt. Vor Ort  hofft man  auf ein großräumiges Mobilitätskonzept. Fotos: hu, dt, Hase/dpa
Vom Bahnverkehr ist die Kreisstadt Kelheim seit 30 Jahren abgehängt. Vor Ort hofft man auf ein großräumiges Mobilitätskonzept. Fotos: hu, dt, Hase/dpa

„Eine Schienenverbindung von Saal zum Wöhrdplatz, das wär’ ideal!“, sagt Stefanie Brixner, städtische Wirtschaftsfördererin. Unabhängig davon fordert sie ein umfassendes Mobilitätskonzept für den Großraum Kelheim: Schnellradwegenetz, Stadtbus, einheitlicher ÖPNV-Dachtarif – Ideen und Ansätze gäbe es genug; der S-Bahn-Vorstoß könnte die Initialzündung geben. Brixner baut dabei auf enge Kooperation mit der Kreis-Wirtschaftsförderung, künftig vielleicht sogar einem Mobilitätsexperten am Landratsamt.

Bad Gögging überlegt, wie autolose Gäste zum Zug kommen
Auch die touristische Metropole Bad Gögging ist ohne Schienenanschluss. Zwar nutzen Gäste die Bahn zur Anreise und für Ausflüge etwa nach Regensburg – weshalb Tourismusmanagerin Astrid Rundler einen engeren Takt gut fände. Aber der ÖPNV zum Neustädter Bahnhof müsste halt besser werden, so Rundler. Bislang kutschieren oft Hoteliers und Pensionen ihre auto-losen Gäste. Erste Überlegungen gibt es laut Rundler für ein Ruftaxi-System. Vielleicht seien langfristig sogar fahrerlose Shuttlebusse, wie Bad Birnbach sie derzeit testet, eine Option.

Nicht nur vor Ort findet Bad Griesbachs autonomes Bussystem viel Aufmerksamkeit. Auch  Bad Gögging  beobachtet den fahrerlosen Bus aus der Ferne. Fotos: hu, dt, Hase/dpa
Nicht nur vor Ort findet Bad Griesbachs autonomes Bussystem viel Aufmerksamkeit. Auch Bad Gögging beobachtet den fahrerlosen Bus aus der Ferne. Fotos: hu, dt, Hase/dpa

Das IHK-Gremium sieht einen Image-Gewinn für die Region


Das IHK-Gremium Kelheim hat seine Geschäftsstelle in Abensberg, also quasi Bahnanschluss. Aber nicht nur deshalb begrüßt Vorsitzender Michael Gammel den Landräte-Brief. „Viele unserer Betriebe profitieren in hohem Maß von der Nähe zu Regensburg und Ingolstadt“ – und damit von besserer Schienenanbindung zwischen den Städten sowie künftig von Regensburg über Eggmühl zum Flughafen MUC.

 In Abensberg ist die IHK guter Dinge, dass der S-Bahn-Vorstoß auch im Kreis Kelheim neue Ansätze aufs Gleis bringt. Fotos: hu, dt, Hase/dpa
In Abensberg ist die IHK guter Dinge, dass der S-Bahn-Vorstoß auch im Kreis Kelheim neue Ansätze aufs Gleis bringt. Fotos: hu, dt, Hase/dpa

Bei der geforderten Taktverdichtung sieht Geschäftsstellenleiter Manuel Lorenz die Bayerische Eisenbahngesellschaft am Zug – und hofft, dass Ministerin Aigner dort Druck macht, zumal im Wahljahr. Primär würden zwar nur bahnhofsnahe Betriebe profitieren. „Aber mit einer S-Bahn-artigen Anbindung würde unsere Region als ,Großraum Regensburg’ wahrgenommen: ein Image-Gewinn“, etwa für die Mitarbeitersuche, so Lorenz.

Langquaider Initiative schöpft Hoffnung für die Stadtumlandbahn

Die „Initiative für den Bahnerhalt Eggmühl - Langquaid“ wartet laut Wolfgang Treppesch nur noch auf den Förderbescheid des Bundes – dann werde die Trasse für 400 000 Euro saniert. Die Landkreise Kelheim und Regensburg haben schon Zuschüsse zugesagt. Im Brief an Ministerin Aigner bitten nun alle Unterzeichner zu prüfen, ob der Abschnitt, bislang für Güter und eine Bockelbahn ausgelegt, zur regulären Personenbeförderung ausbaubar wäre. Zwei, drei Millionen würde das kosten, schätzt Treppesch, plus zusätzliche Infrastruktur wie Parkplätze. Aber dann wäre der östliche Landkreis via Eggmühl direkt an den Regensburger Hauptbahnhof angebunden – und die Idee einer Regensburger „Stadtumlandbahn“ Langquaid- Burglengenfeld zur Hälfte realisiert.

Außerdem wäre dann in Burgweinting ein Verknüpfungspunkt zur künftigen Regensburger Trambahn möglich, so Treppesch. Er ist freilich Realist genug, um zu wissen: „Bis dahin muss man noch dicke Bretter bohren!“

Der Vorstoß von Wiesent

  • Initiative:

    Mehr Schienenverkehr im Großraum Regensburg – mindestens ein 30-Minuten-Takt auf den fünf Strecken Richtung Regensburger Hauptbahnhof, und das bis zu 16 Stunden täglich: Das ist die Hauptforderung der Landräte von Regensburg, Kelheim, Schwandorf, Neumarkt und Cham sowie der Bürgermeisterin von Regensburg. Bei ihrer Tagung in Wiesent haben sie vorige Woche einen Brief an Verkehrsministerin Ilse Aigner unterzeichnet und darin einen „S-Bahn-ähnlichen Betrieb“ auf den Strecken nach Regensburg gefordert, als Gegenmittel zu Verkehrskollaps und Luftverpestung.

  • Umsetzung:

    Die Bahnhöfe Bad Abbach, Saal, Abensberg und Neustadt bieten bereits einen 20- bis 30-Minuten-Takt zwischen Regensburg und Ingolstadt zu Stoßzeiten, ansonsten stündlich. Ab halb elf bzw. gegen Mitternacht ist aber Schluss mit Fahrten von bzw. nach Regensburg. Eine Ausweitung bis etwa halb zwei, dazu tagsüber ein dichter Takt wie bei einer S-Bahn: Das erhofft sich Landrat Martin Neumeyer für Kelheim vom Appell an Aigner und ihren Finanzminister-Kollegen Albert Füracker. Der Landkreis würde dann auch die Busanbindungen anpassen, verspricht er. (hu)

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