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Region

Kelheimer im Niederbayern-Buch

Der auf der Brand geborene Felix Schnellinger und die aus Sallingberg stammende Margarete Heiß sind im Niederbayern-Buch des Lichtung-Verlags vertreten.
von sigrid Manstorfer, mz

Margarete Heiß freut sich über das neue Niederbayern-Buch, in dem auch ihr Schwiegersohn mit ganzseitigen Fotos dabei ist. Foto: Manstorfer

Ihrlerstein.„Niederbayern-Bücher gibt es eigentlich schon sehr viele“, ist man versucht zu sagen, wenn man erfährt, dass im Lichtung-Verlag Viechtach, ein neues Buch dieser Kategorie erschienen ist. Das von Hubert Ettl herausgegebene „Niederbayern ReiseLeseBuch“ ist aber doch ein wenig anders, als die bisher verfassten Werke über diese Region. Vielleicht, weil der Herausgeber bewusst bekannte und weniger bekannte Autoren und Fotografen mitwirken ließ, vielleicht aber auch deshalb, weil es sich nicht um reine Beschreibungen von Landschaft und Leuten handelt, sondern weil in den einzelnen Textbeiträgen ganz persönliche und manchmal auch kritische Bemerkungen und Passagen einfließen. Letztlich wohl aber auch ganz einfach deshalb, weil trotz bisweiliger Skepsis gegenüber dem einen und dem anderen, die Liebe zu Niederbayern überall durchklingt.

Vom Buchverkauf zum Schreiben

Neben Namen wie Django Asül, Harald Grill, Marianne Hofmann, Luise Kinseher, Rainer Kunze und anderen, sind da teils ganzseitige Bilder des Brandler Hobby-Fotografen Felix Schnellinger zu sehen. Mit Texten ist außerdem die bereits durch mehrere Bücher im Lichtung-Verlag fest etablierte Margarete Heiß vertreten. Die Buchhändlerin, die lange Zeit gemeinsam mit Christiane Lettow-Berger den Buchladen am alten Markt in Kelheim betrieb, hatte eines Tages beschlossen Bücher nicht nur zu verkaufen, sondern auch selbst welche zu schreiben. 1999 erschien im ihr gut bekannten Lichtung-Verlag ihr erstes Büchlein „Gelle Du“, dem sich „Kieselhüpfen“ und „In den Rücken schreiben“ anschlossen.

Margarete Heiß sieht das Schreiben als eine gute Möglichkeit an, eigene Gedanken und Gefühle niederzuschreiben. Das ist vielleicht auch deshalb besonders wichtig für sie, weil sie mit Beruf und Familie und nun auch mit der Pflege eines älteren Familienmitgliedes, viel Kraft braucht. „Schreiben befreit“, heißt es so schön und das gilt wohl auch für sie bisweilen, wenn sie in ihren Büchern über Jugenderinnerungen, Nachkriegszeit und auch manch schreckliche Ereignisse der Vergangenheit schreibt, die trotz allem nicht vergessen werden sollten. Die Jahre des Nationalsozialismus mit den Schrecken von Lagern auch im hiesigen Bereich, beschäftigen sie. Weil es doch räumlich so nah ist und doch so weit entfernt. Teils nicht mehr bewusst und teils vielleicht auch längst im Verdrängen der Geschichte untergegangen.

Sie möchte das Vergessen aufhalten und geht dabei auch Spuren nach. Etwa der von Zwangsarbeitern, die einst in Baracken des Steinbruches Oberau, streng bewacht von Aufsehern, arbeiten mussten. Im neuen ReiseLeseBuch über Niederbayern beschreibt sie unter dem Titel „Am Donaustrand“ diesen Heimatbereich aus ihrer ganz eigenen Sicht und spart dabei Ironie ebenso wenig aus wie leise angebrachte Kritik an dem, was ihr in dem ihr so vertrauten Bereich missfällt.

Es ist eine gute und schöne Sache, dieses neue Niederbayern Buch, das nicht einfach nur den Reigen des Bestehenden erweitert, sondern auch Erzählungen und kleine Geschichten mit einbringt, damit der ganze Bereich samt den dort lebenden Menschen aufgezeigt wird. In gut abgestimmter Mischung vereint es vertraute und weniger vertraute Autoren und es informiert und unterhält zugleich.

Mathematik und Fotografie

Und wie kamen nun des gebürtigen Ihrlersteiner Felix Schnellingers - teils ganzseitige Fotos - in diese Auswahl? Nun, da hat es vielleicht ein wenig der vermittelnden Fürsprache durch Margarete Heiß bedurft, denn der „auf der Brand“ geborene und aufgewachsene Sohn des früheren Bürgermeisters ist durch verwandtschaftliche Bande mit ihr verschweißt.

Der Diplom-Mathematiker und engagierte Hobby-Fotograf mit Wohnsitz in Undorf ist der Schwiegersohn der langjährigen Lichtung-Verlags-Autorin. Seine Fotos sind es aber tatsächlich wert, in dieser Weise und auf Hochglanzpapier veröffentlicht zu werden. Absichtlich als Schwarz-Weiß-Fotos, weil die häufig den Blick auf das Wesentliche lenken und außerdem, wie die gesamte Aufmachung des Bild- und Geschichten-Bandes schon durch den ebenso gehaltenen Umschlag den Eindruck vermittelt - weil es aufmerksam macht. Aufmerksam darauf, dass es doch nicht „schon wieder ein neues Niederbayern-Buch“ ist, das da erschien. Es zeigt zwar anhand einiger Beiträge, wie esfrüher war, ist aber der Gegenwart verbunden und weiß sie interessant dargestellt, auch vorzustellen.

Es ist übrigens nicht das erste Buch dieser Art. Denn schon vor mehr als 20 Jahren hat die Edition Lichtung das Format ReiseLeseBuch entwickelt.

Hubert Ettl, „Niederbayern. Ein Reise-LeseBuch“, ISBN 978-3-929517-51-4, 176 Seiten mit 113 Schwarz-Weiß-Fotos, festgebunden, Fadenheftung, Format: 22 mal 28, 5 Zentimeter, 29,80 Euro.

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