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Verzicht

Kelheimer Schüler wollen Plastikfasten

Die Grundschule Hohenpfahl will in der Fastenzeit den Plastikmüll reduzieren. Bei der Brotzeit in der Pause, aber auch sonst.
von Bianka Lucius

Projektleiterin Christina Lichtenegger neben Moderatorin Luisa Brummer – sie führt das verpackungslose Geschäft Boderei in Sandharlanden – hinter Grundschülern der 3. und 4. Jahrgangsstufe der Grundschule Hohenpfahl. Foto: Lucius
Projektleiterin Christina Lichtenegger neben Moderatorin Luisa Brummer – sie führt das verpackungslose Geschäft Boderei in Sandharlanden – hinter Grundschülern der 3. und 4. Jahrgangsstufe der Grundschule Hohenpfahl. Foto: Lucius

Kelheim.„150 Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen derzeit in unseren Meeren, schon im Jahr 2050 wird es mehr Plastikmüll als Fische im Meer geben“, sagte Luisa Brummer den Schüler der Grundschule Hohenpfahl am Montag. Als Mentorin kam die Sandharlandenerin zum Auftakt einer Umweltaktion an die Schule. Denn die Schüler und die ganze Schulfamilie haben sich ein Ziel gesetzt. Sie wollen in der Fastenzeit selbst „fasten“ – und auf Plastikmüll so gut es geht, verzichten.

„Was denkt ihr, wie lange braucht ein Apfel, um zu verrotten?“ Viele Schüler meldeten sich bis ein Mädchen Recht hatte: „Zwei Wochen.“

Das Raunen der Kinder stieg, als sie hörten, dass ein Kaugummi fünf Jahre braucht, um sich auf zu lösen. Sprachlos waren die meisten Schüler, als sie erfuhren, dass eine PET-Flasche 500 Jahre für die Verrottung benötigt.

Zu viel Müll – auch in der Schule

Beim Projekt „Mut zur Zukunft“ werden die Kelheimer Grundschüler für einen überlegteren Umgang mit Plastikverpackungen sensibilisiert, so das Ziel von Schulleiterin Ursula Eberl. „Um die Lebensgrundlagen und -chancen für unsere Schüler und die nachfolgende Generation dauerhaft zu sichern, muss damit begonnen werden, global zu denken und das Thema ,Nachhaltigkeit’ in unser Denken und Handeln einzubeziehen“, so die Schulleiterin. Auch die Pädagogin sieht eine „dramatische Entwicklung“ und will ihren Schülern zeigen, welche tragischen Folgen der Plastikmüll für Mensch und Natur mit sich bringt.

Einfach mal was machen

Die Projektleiterin für diese Aktion ist Religionslehrerin Christina Lichtenegger. Sie wurde noch deutlicher: „Jeden Freitag auf die Straße gehen, kann jeder, aber einfach mal was machen?“ Damit spielte sie auf die globalen Freitagsdemonstrationen von Schülern und Studenten gegen die Umweltzerstörung an.

Schüler Jakob sagte: „Ich werde künftig nicht so viele Plastik-, sondern Glasflaschen verwenden. Lena will, „wenn die Brotbox kaputt geht, ein Brotzeittuch nutzen.“ Mitschülerin Sophia: „Ich will nicht, dass Tiere krank werden, daher kein Plastik.“Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Schüler Jakob sagte: „Ich werde künftig nicht so viele Plastik-, sondern Glasflaschen verwenden. Lena will, „wenn die Brotbox kaputt geht, ein Brotzeittuch nutzen.“ Mitschülerin Sophia: „Ich will nicht, dass Tiere krank werden, daher kein Plastik.“Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die ganze Schulfamilie Hohenpfahl will ganz praktisch und konkret etwas gegen Müll machen und sich intensiv mit dem Thema beschäftigen. Daher wird es nach Fasching heißen: „Plastikfasten“.

Christina Lichtenegger erklärt das Vorhaben: „Nach den Ferien sammeln wir jeden Montag und Dienstag den Verpackungsmüll nach der Hofpause. Montags findet eine ganz ,verpackungsnormale’ Pause statt. Dienstags ist unsere plastikfreie Pause.“

Luisa Brummer zeigte Bilder von schwimmenden Müllmassen auf der Meeresoberfläche und unter Wasser. Auch Strände rund um den Globus sind zugemüllt. Foto: Christoph Sator/dpa
Luisa Brummer zeigte Bilder von schwimmenden Müllmassen auf der Meeresoberfläche und unter Wasser. Auch Strände rund um den Globus sind zugemüllt. Foto: Christoph Sator/dpa

Um die Schüler, die dienstags auf Plastikverpackungen verzichten zu belohnen, werden als Anerkennung Belohnungskärtchen verteilt. Davon kann ein Schüler maximal vier erhalten, denn vier Wochen wird die Aktion Plastikfasten dauern.

„Am Montag vor den Osterferien werden wir ein Fest in der Turnhalle feiern. Geplant ist, dass wir den gesammelten Müll von Montag und Dienstag aufschütten. Dadurch können die Kinder den Unterschied sehen“, so Lichtenegger. Die Kinder, die es schaffen, alle vier Belohnungskärtchen zu sammeln, erhalten bei der Feier ein kleines Geschenk.

Verpackungsfrei einkaufen in Sandharlanden:

Video: Weigert

Mit den Kindern will die Schule nach Möglichkeiten suchen, in puncto Plastikmüll noch nachhaltiger zu werden. Wie das geschehen kann, dafür hatte Luisa Brummer, die Inhaberin der Boderei in Sandharlanden ist, einige Tipps parat. In ihrem Lebensmittelgeschäft verzichtet Brummer möglichst auf Plastikverpackungen. Ihre Kunden können zum verpackungsfreien Einkauf Gläser oder andere Behälter mitbringen. Das Thema Verpackung liegt Luisa Brummer am Herzen, sagt sie im Gespräch mit der MZ. „Ich habe 2017 eine Weltreise gemacht und habe überall das gleiche Problem kennengelernt: Müll. Da reifte die Idee, die Boderei zu machen. Meine Oma und Mama waren begeistert, dann haben wir es gemeinsam angepackt“.

Guter Ranzen, schlechter Ranzen
Mitgebracht hatte Luisa Brummer zwei Schulranzen. An einem hing ein lachender Smiley, an dem anderen ein trauriger. Ein Kind öffnete den Ranzen mit dem traurigen Smiley. Zuerst kam ein Butterbrot in einer Plastiktüte zum Vorschein, als Nächstes eine Tupperdose, die eine Plastikfolie enthielt.

„Während meines freiwilligen sozialen Jahrs an der Neustädter Grundschule fiel mir auf, dass viele Kinder ihre geschälten Äpfel nochmals in eine Folie eingewickelt, in einer Tupperdose mitbekamen, nur damit sich die Apfelstücke nicht mit dem Brot mischen. Bitte nehmt für die Äpfel eine extra Dose oder beißt ihn runter“, bat Brummer die Kinder. „Kauft Joghurt bitte im Glas und füllt ihn um, die Gläser kann man weiter verwenden oder als Pfandglas zurückgeben.“

So denken die Kinder über Plastik

  • Müllmeer:

    Luisa Brummer zeigte Bilder von schwimmenden Müllmassen auf der Meeresoberfläche und unter Wasser. Auch Strände rund um den Globus sind zugemüllt (Foto: Chr. Sator/dpa). Besonders schockierend wirkte das Foto vom Müllmeeresstrudel zwischen Europa und Amerika.

  • Opfer:

    Ein Bild von einer in Bierdosenhalter verhedderten Meeresschildkröte, einer Plastikfolie verspeisenden Schildkröte und einer zwischen Müll stehenden Möwe, machten die Kinder betroffen. „Mir sind die Tiere wichtig, weil wir die Tiere brauchen“, sagte Schülerin Calotta. (Foto: Kathy Townsend/dpa)

  • Vorsätze:

    Schüler Jakob sagte: „Ich werde künftig nicht so viele Plastik-, sondern Glasflaschen verwenden. Lena will, „wenn die Brotbox kaputt geht, ein Brotzeittuch nutzen.“ Mitschülerin Sophia: „Ich will nicht, dass Tiere krank werden, daher kein Plastik.“ (Foto: K.-J. Hildenbrand/dpa)

  • Lösungsansätze:

    Ein Junge fragte: „Gibt es Maschinen, welche den Müll aus dem Meer filtern können?“ Ein anderer hatte die Idee: „Man könnte doch Plastik noch besser recyceln und zum Beispiel Produkte wie Laptops aus recyceltem Plastik herstellen. (Foto: Patrick Schirmer Sastre/dpa)

Aus dem Ranzen mit dem lachenden Smiley packte die Schülerin einen abwischbaren Brotzeitstoff, so nennt man umweltfreundliche Verpackungstücher, die es neuerdings im Handel gibt. Als Alternative zur Plastikbox kam eine Lunchbox aus Bambus zum Vorschein und statt PET-Flasche eine Alutrink- und eine Glastrinkflasche.

Plastikfasten im Selbstversuch von MZ-Redakteurin Beate Weigert:

Umwelt

Eine Plastiktüte „lebt“ 25 Minuten

Stephanie Ertl gibt Tipps und räumt mit gängigen Ansichten auf. Sie sagt: Ein Stoffbeutel ist nicht per se besser, erst ab 25-maligem Wiederverwenden.

Aber nicht nur bei den Verzehrwaren können die Kinder die Umwelt schonen. Luisa Brummer hielt auch Holzbuntstifte in die Höhe und machte die Kinder auf Schnellhefter aus Pappe aufmerksam. Die Schülerin auf der Bühne zog aus dem Ranzen mit dem lachenden Gesicht in Geschenkpapier eingewickelte Schulbücher heraus. „Durch die Muster, wissen die Kinder, welches Buch, für welches Fach ist. Die Idee dafür kommt von einer Schülerin“, so Luisa Brummer.

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