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Corona

Kelheims erste Anpacker rüsten sich

Hilfen für ältere Mitbürger im Kreis Kelheim laufen teils gerade erst an. Doch es gibt Mut machende Initiativen.
Von Beate Weigert

  • Senioren sollten derzeit zuhause bleiben. Vielerorts gibt es bestehende Initiativen, die einspringen, aber auch völlig neue. Foto: Roland Weihrauch/dpa
  • Das Telefon dürfte im Kontakt zu Senioren zum „Kommunikationsmittel Nummer 1 werden“, prophezeihen Abensbergs Bürgermeister wie auch der Seniorenbeauftragte. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Kelheim.Landkreisweit gab es in der Region Kelheim den Aufruf an Freiwillige, insbesondere junge Leute, sich bei den Nachbarschaftshilfen zu melden, um Hilfen für Senioren auf die Beine zu stellen. Viele Studenten und Schüler sind in „Zwangspause“. Doch wie kommen Angebot und Nachfrage zusammen? Viele Aufrufe erfolgen in sozialen Medien. Erreicht das die ältere Generation überhaupt und melden sich überhaupt Freiwillige? Wir geben einen Überblick - mit Mut machenden Initiativen.

Eine Masse an Anfragen haben die meisten der 14 Nachbarschaftshilfen im Kreis Kelheim noch nicht. Das hat vielerlei Gründe. Einige waren in letzter Zeit nicht mehr so stark gefragt, in Saal etwa. Entsprechend ist dort der Helferkreis auf ein kleines Häuflein geschrumpft. Walter Dietz berichtet zudem, dass derzeit viele bisherige Termine wegfallen. Denn Arztbesuche wurden soweit möglich abgesagt. Auch werden Senioren nicht mehr zum Einkaufen gefahren. „Stattdessen stellen wir ihnen die Waren vor die Tür.“

Neue Facebook-Seiten

Andere Nachbarschaftsinitiativen waren auch bislang schon aktiv und gefragt, starten aber jetzt erst Aufrufe, dass sich junge Leute melden sollen. In Neustadt etwa. In Ihrlerstein ist seit gestern die neue Facebook-Seite „Ihlerstein hilft“ online zu finden. Ihr Vorteil laut Gabi Schmid: „Dass die Leute bereits wissen, wohin sie sich wenden können.“

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Felicitas Kirchmann von der Barbarahilfe in Abensberg glaubt zu wissen, warum die Nachfrage aktuell noch überschaubar ist: „Ich denke, dass viele sich mit ihren direkten Nachbarn organisiert haben“. Kollegen aus anderen Orten teilen die Einschätzung. Abensbergs Bürgermeister Dr. Uwe Brandl appelliert an Familien und Nachbarschaften, offene Augen und Ohren zu haben. So könnten Hilfsdienste auf vielen Schultern am besten verteilt werden.

„Alle Hilfen auch analog denken“

Viele Ideen und Initiativen sind bislang in sozialen Netzwerken zu finden. Wie gut die ältere Generation mit Handys, WhatsApp, Facebook und Co. bzw. überhaupt Internetzugang ausgestattet und darin firm ist, darüber sind Seniorenbeauftragte und Engagierte unterschiedlicher Auffassung. Manche glauben, dass mehr Rentner als gedacht, moderne Kommunikationsformen nutzen. Albert Steber, der Abensberger Seniorenbeauftragte, hält es da eher mit Bürgermeister Brandl: „Das ist das ganz große Problem. Alle Hilfen sollten wir parallel unbedingt auch analog denken.“ Nur auf soziale Medien wäre in Stebers Augen „aufs falsche Pferd gesetzt“.

MZ-Initiative „Zusammenhalt“

  • Kontakt:

    Über die neue öffentliche Facebook-Gruppe „Coronavirus im Landkreis Kelheim“ der Mittelbayerischen Kelheim können Helfer ihre Unterstützungsangebote aus den Orten der Region posten.

  • Hilfe:

    Genauso können sich hier Senioren, chronisch Kranke etc. auf diesem Weg melden und Hilfsgesuche hinterlassen.

Sein Rat: „Klingeln Sie lieber an der Haustür, rufen Sie an oder werfen Sie einen Zettel in den Briefkasten.“ Steber glaubt auch, dass viele Senioren nur ungern andere um Hilfe bitten. „Da gibt es bei vielen fast eine Hemmung“, so seine Erfahrung. Er legt seiner Truppe daher nahe, aktiv Senioren Hilfe anzubieten.

Brandl glaubt, dass im Kontakt zu Senioren „das Telefon das Kommunikationsmittel Nummer eins sein wird“. Je älter die Bürger, desto mehr.

Anruf ersetzt Kaffeeklatsch

Die Ehrenamtlichen der Barbarahilfe Abensberg waren bislang für viele Senioren ein wichtiger Sozialkontakt. Einmal die Woche Kaffeeklatsch oder Kartenspielen. Das geht nun nicht mehr. Vielen Senioren würden auch die Gottesdienste als festes „Stück der Woche“ fehlen. Auch die Besuche in den Altenheimen sind seit einigen Tagen tabu. Die bisherige Truppe, die meist selbst zur Generation Ü70 gehört und damit Risikogruppe ist, will sich umstellen. Auf regelmäßige Telefonate, so Felicitas Kirchmann. Darüber hinaus haben sich auch schon neue Leute gemeldet, die mitanpacken wollen. Aktuell spiele die Einsamkeit noch nicht so eine Rolle. Aber mit der Zeit, in ein, zwei Wochen könne das ganz anders aussehen, so Kirchmann.

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Die Telefonidee hat auch Gabi Schmid vom Landkreis. Über die Region verteilt gebe es 100 ausgebildete Seniorenbegleiter. Auch sie sollen in nächster Zeit nicht einkaufen gehen etc. Doch sie könnten andere Aufgabe übernehmen, sich telefonisch bei den Älteren melden. Damit die Sozialkontakte nicht abreißen oder die Senioren auch einmal ihr Herz ausschütten können oder einfach nur übers Wetter, den Garten oder anderes zu plaudern oder gemeinsam über einen Witz zu lachen.

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Auch die Kelheimer Stadtpfarrei will Menschen, die Hilfe brauchen, unterstützen. Laut Pfarrer Reinhard Röhrner haben sich schon einige Pfarrangehörige angeboten, für Einkäufe und anderes zur Verfügung zu stehen. Derlei Angebote werden noch stärker gefragt sein, wenn die Leute nicht vernünftiger werden und die Hamsterkäufe sein lassen, so Albert Steber. Senioren sind oft nicht mehr so mobil, „wie sollen sie, wenn alle Regale leer geräumt sind, drei, vier, fünf Supermärkte abklappern“. Auch Felicitas Kirchmann appelliert an ihre Mitbürger. Wer bei den Hamsterkäufen mitmache, bestrafe die Schwächeren und Älteren und am Ende auch die, die ruhig bleiben und nur eine Packung Reis etc. kaufen wollten.

Kolping-Jugend will Einkaufsdienst machen

Vieles muss sich nun erst finden. Doch am Mittwoch wurden einige Initiativen und Ideen bekannt. Die Kolping-Jugend in Abensberg will Einkaufsdienste anbieten. Auch aus der Kreisstadt und aus Ihrlerstein gibt es erste Meldungen von Studenten und Schülern, mitanpacken zu wollen. In Wildenberg wurde kurzerhand eine bislang fehlende Nachbarschaftshilfe gegründet. Viele neue Aufgaben und Fragen werden noch auf die Menschen zukommen. Walter Dietz‘ Strategie von der Saaler Nachbarschaftshilfe: „Wenn es ein neues Problem gibt, lösen wir es.“

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