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Region Kelheim
Sonntag, 25. Februar 2018 -3° 1

Mahlzeit

Kesselfleisch so wie früher

Die Feuerwehr Dünzling lud die Saalhaupter Kameraden ein. Vom Saukopf bis zu den Innereienschwamm alles im Bottich.
Von Gabi Hueber-Lutz

  • Erste Verkostung frisch aus dem Kessel. „Es schmeckt!“ Foto: Hueber-Lutz
  • Alles drin, was rein gehört: Foto: Hueber-Lutz
  • Fleisch, Brot, Salz, Pfeffer – mehr braucht es nicht. Foto: Hueber-Lutz

Dünzling.Die Kessel dampfen, Rainer Manger richtet das Messer her, seine Kameraden bringen Brot, Salz und Pfeffer zu dem Tisch im Freien beim alten Schulhaus, und dann verkosten Stefan Luxi, Alois Flotzinger und Berthold Blabl ein wenig von dem, was sie später ihren Feuerwehrkameraden vorsetzen wollen: frisches Kesselfleisch. Manger holt mit der großen Schöpfkelle einen halben Saukopf aus der blubbernden Brühe, dazu ein Herz, ein Stück Leber und einen Brocken Bauchfleisch.

Eine Delikatesse: der Schnufler

Flotzinger macht sich gleich über den „Schnufler“ her, den Schweinsrüssel und die Herren sind sich nach dem ersten Probieren einig: „Es schmeckt!“ Seit ein paar Jahren hält die Feuerwehr Dünzling so ein Kesselfleischessen ab, erzählt Vorstand Johann Hendlmeier. Im letzten Jahr war auch noch die Feuerwehr Saalhaupt dazu eingeladen, weil man ja Pate beim Gründungsfest war. Und weil’s so schön war – das Kesselfleischessen und das Gründungsfest – kommen die Saalhaupterer heuer wieder mit dazu. Grad sind sie noch auf dem Weg von Dorf zu Dorf. Zu so einem Essen kommt man nämlich besser zu Fuß.

Presssack und Brüttsuppe

  • Rainer Manger hatte

    noch einen dritten Kessel aufgesetzt. Da kochten klein geschnittene Schwarten. Aus den Resten des Kesselfleisches macht der Metzger nämlich einen weißen Presssack. Dazu braucht er den Schwartensud, damit der Presssack einen Stand bekommt, sprich geliert. Das Schmankerl gibt es dann zur Brotzeit nach den Feuerwehrübungen. Sie waren gut besucht im letzten Jahr, bemerkte Kommandant Stefan Luxi an dieser Stelle.

  • Prof. Dr. Ludwig Zehetner

    wusste Rat. Aus dem Sud in den Kesseln machen die Feuerwehrler Brüttsuppe. Mit Suppengewürz und Nudeln. Doch woher kommt das Wort? Die „Brüttsuppe“ spricht sich „Briedsuppe“ aus, erklärte der Dialektpapst auf Nachfrage unseres Medienhauses. Das Wort gehört zum nun veralteten Verb „brütten“, was so viel wie sieden, kochen, brühen bedeutet und wohl verwandt ist mit „brodeln“. „Das Brütt“ ist die Brühe, die Suppe. (lhl)

Auch Tobias, Julian und Marie gesellen sich zu den Männern, kosten ein wenig von dem hergeschnittenen Fleisch, wissen nicht so genau, ob sie es mögenoder nicht, kosten nochmal, mit Salz, ohne Salz.

Expertenwissen ist gefragt

Als die Kinder dann mit Mama Monika Neumeier nach Hause gehen sollen, kehrt Marie schnell noch einmal um und schnappt sich ein weiteres Stück Fleisch. Das Kesselfleisch ist anscheinend in der nächsten Generation angekommen.

Manger hebt den Deckel vom zweiten Kessel. In dem Sud schwimmen Nieren und Schweinszungen. Mit dem Kesselfleisch-Koch hat die Feuerwehr einen Experten in ihren Reihen. Er ist gelernter Metzger und kennt sich aus.

Die Herren kommen ein wenig ins Sinnieren übers Kesselfleisch an sich. „Das hat es früher alle vier Wochen gegeben“, erinnert sich Flotzinger. Nach jeder Hausschlachtung. In einem großen Bottich wurden Kopf, Innereien und Kronfleisch gekocht. Er selber habe bis zu 45 Hausschlachtungen im Jahr gemacht, erzählt Manger. Diese Zeiten sind vorbei, die Auflagen für Hausschlachtungen sind hoch. Heute kaufen sie das Kesselfleisch vom Zerlegebetrieb, sagt Manger und lobt dessen Qualität.

Was dagegen in Wirtschaften unter diesem Namen angeboten werde, sei oft gar kein richtiges Kesselfleisch, sondern eine Schlachtschüssel mit Blut- und Leberwürsten, ist die Erfahrung von Stefan Luxi. Die Männer nicken, wenden sich dem echten Kesselfleisch zu. „Nierl, Zunge und Herz, das sind die Highlights“, sagt Berthold Blabl genießerisch. „Und die Backerln!“, ergänzt Manger und fischt das zarte Fleisch aus der Wange eines Saukopfs.

Die Feuerwehrkameraden aus Saalhaupt kommen und bringen einen guten Hunger mit. Es wird geschmaust. Und aus den Resten macht Rainer Manger abends um zehn Uhr noch seinen weißen Presssack. Von so einem Kesselfleisch hat man länger etwas.

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