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Kirche

Kirche muss Sprache des Volkes sprechen

Die Situation der katholischen Kirche betrübt viele Christen. In Bad Gögging suchten 400 Gläubige einen Ausweg aus der Krise.
Von Jochen Dannenberg

Zur Gott ist gut-Konferenz gehörte auch ein Gottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.
Zur Gott ist gut-Konferenz gehörte auch ein Gottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.

Neustadt a.d. Donau.Die Diskussionen um den Zölibat und die Stellung der Frau in der katholischen Kirche, aber auch Missbrauchsfälle haben dazu beigetragen, dass viele Gläubige verunsichert sind. Auch deshalb ist die Zahl der Kirchenaustritte dramatisch angestiegen. 2018 verließen mehr als 200 000 Gläubige die katholische Kirche, weshalb das vorige Jahr das Jahr mit den zweitmeisten Kirchenaustritten seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist. In Bad Gögging trafen sich jetzt Gläubige, um sich Mut für ihren Glauben und die Zugehörigkeit zur Kirche zu holen. Initiiert wurde die Gig (Gott ist gut)-Konferenz von Pater Paulus, einem Franziskaner-Pater.

Pater Paulus rief die Gläubigen zu mehr Selbstbewusstein auf.
Pater Paulus rief die Gläubigen zu mehr Selbstbewusstein auf.

„Wir bewegen uns in Deutschland, als würden wir fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen, als hätten wir was verbrochen“, stellte der Pater fest, der etliche Jahre in der Bronx in New York gearbeitet hatte. „Die Leute sind traurig, obwohl es uns gut geht.“ Dafür brauche es auch in der Kirche eine Portion Humor. Und es müsse weiter evangelisiert werden, aber die Methoden müssten sich ändern. „Vielleicht ist es deshalb ganz gut, wenn die Kirche an einen Ort geht, wo sich die Leute wohl fühlen.“ Womit er nicht nur den Kurort, sondern auch das Hotel The Monarch meinte, in dem die Konferenz stattfand.

Mehr Teilnehmer als erwartet

Das Interesse an der Gig (Gott ist gut)-Konferenz war groß, so groß, dass auch die 38 Euro, die die Teilnahme an der eintägigen Veranstaltung kostete, nicht abschreckte. 400 Gäubige kamen zu der Konferenz teil, die deutschlandweit zum ersten Mal stattfand. „Es nehmen viel mehr Gläubige an der Konferenz teil, als wir erwartet haben“, sagte Georg Feßlmeier aus Eining, einer der Organisatoren.

Kommentar

Es braucht mehr

Pater Paulus hat Recht. Die Kirche muss die Sprache der Menschen auf der Straße sprechen. Das ist ein wichtiger Ansatz, um die derzeitige Krise zu überwinden....

Möglicherweise hängt das Interesse mit dem Misstrauen zusamen, mit dem viele Gläubige derzeit ihrer Kirche gegenüber stehen. „Die Zahl der Kirchenaustritte ist deutlich, das bringt die Oberen zum Schwitzen“, meinte eine Frau im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Ein Mann sagte: „Wie sich unsere Kirche bei den Missbaruchsfällen verhalten hat - so geht‘s auch nicht.“ Andere betonten, dass es für sie an erster Stelle der Glauben stehe. Der Tenor: „Es ist schön zu glauben. Es ist auch schön, den Glauben gemeinsam zu leben, zu beten und zu feiern.“ Auch darum ging es an diesem Samstag in Bad Gögging.

Beichte neben dem Pool

Und während sich gleich neben dem Kongresszentrum Menschen im Pool badeten, wurde ein paar Meter entfernt die Beichte abgenommen und mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Heilige Messe gefeiert. Davor und danach ging es aber auch um ganz praktische Tipps für das Leben als Christ im 21.Jahrhundert. Denn darum ging es: Dass Menschen über ihren Glauben sprechen und von ihren eigenen Erfahrungen erzählen, wie für sie Gott im Alltag wirkt.

Während der Konferenz konnten die Gläubigen auch beichten.
Während der Konferenz konnten die Gläubigen auch beichten.

So berichtete Bernhard Thoma, 2. Vorsitzender der „Kirche für den Osten“: „Wir unterstützen weltweit Diasporapfarreien, damit eine lebvendige Kirchengemeinde entstehen kann.“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass eine Kirche nie für sich alleine steht. „Darum“, so Bernhrad Thoma, „unterstützen wir Jugendliche in Ausbildungsprogrammen wie z.b. einer Ausbildungsschreinerei.“

Vor zu großen Hoffnungen gewarnt

Deutliche Worte gab es von Eugen Eleganti, Weihbischof von Chur (Schweiz).

Er stellte einerseits fest, dass der Glauben helfe, das Leben, so zu nehmen, wie es ist. Andererseits rief er den Gläubigen zu: „Du musst nicht tun, was Dir nicht einleuchtet.“ Zugleich warnte er bei allem Reformwillen vor Aktionismus und forderte zu Demut auf. Es gebe immer unterschiedliche Meinungen, sagte der Weihbischof. „Glaubwürdig“, betonte er, „waren immer die Heiligen, aber das kann auch im Stillen sein.“ Es sei die Gnade Gottes, die die Welt aus den Angeln hebe. „Nur der Herr bestätigt meine Glaubwürdigkeit. Die Früchte bestätigen die Glaubwürdigkeit des Baumes, aber nicht der Jubel.“

Der Schweizer Weihbischof Eugen Eleganti betonte, dass der Glauben hilft, das Leben zu meistern. Er sagte aber auch: "Du musst nicht tun, was Dir nicht einleuchtet."
Der Schweizer Weihbischof Eugen Eleganti betonte, dass der Glauben hilft, das Leben zu meistern. Er sagte aber auch: "Du musst nicht tun, was Dir nicht einleuchtet."

Frauen an die Macht? Weihbischof Eleganti warnte vor übertriebenen Hoffnungen. „Auch sie sind Sünder“, sagte er und gab damit eine sehr theologische Antwort. Man müsse aufpassen. Wer nach der Macht strebe, sei oft nur eine „lärmende Pauke“. Es dürfe nie nur um Macht gehen. Sein Wunsch: Alle Menschen sollten miteinander sprechen und vorher beten, „vielleicht eine ganze Woche lang“. Das könne die Demut schaffen, um die Zukunft zu meistern.

Den Menschen auf der Straße nahe

Es brauche Orientierung, bekannte Pater Paulus. Das bedeute selbstverständlich, dass die moralischen Grundsätze des Christentums erhalten blieben. „Es braucht aber auch eine Sprache, die den Menschen auf der Straße nahe ist“, betonte der Pater.

Die Konferenz

  • Veranstalter:

    Bei der Gig-Konferenz haben die Initiative Ostwind 3000 e.V. , Jugend 2000, das Katholische Evangelisationswerk und Radio Horeb zusammengearbeitet.

  • Idee:

    Initiator ist Pater Paulus-Maria Tautz CFR. Er gehört zur Gemeinschaft der Franziskaner der Erneuerung, die vor allem in den USA aktiv ist. Er hat lange in Amerika gelebt und ist überzeugt, dass die deutschen Katholiken einiges von dort lernen können.

  • Lob:

    Pater Paulus lobt: „Die Amerikaner haben dieses gesunde Selbstbewusstsein: ,Wir sind katholisch. Ich bin froh, dass ich katholisch bin, ich bin stolz, dass ich katholisch bin, ich erzähl meinen Freunden, dass ich katholisch bin.‘ Genau das möchte ich erreichen.

  • Ziel:

    Die Gig-Konferenz wollte Mut machen, „Optimismus rüberbringen“, den Blick nach vorne und nicht auf Strukturkrisen richten.

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