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Kommune

Kläranlage braucht Entlastung

Reinigt das „Plocher-System“ das Riedenburger Abwasser günstiger und mit höherer Kapazität? Die Stadt hat ihre Zweifel.
Von Petra Kolbinger

Der mehrwöchige Test des Feinstsiebes ergab eine mögliche Kapazitätserhöhung der Riedenburger Kläranlage.  Foto: Petra Kolbinger
Der mehrwöchige Test des Feinstsiebes ergab eine mögliche Kapazitätserhöhung der Riedenburger Kläranlage. Foto: Petra Kolbinger

Riedenburg.Eine deutlich kostengünstigere und aus ökologischer Sicht sinnvolle Kapazitätssteigerung der Kläranlage und Optimierung der Klärteiche? Die gibt es laut Rupert Paulus. Der Landwirt und langjährige Plocher-Fachberater aus Otterzhofen kann nicht verstehen, warum die Kommune angesichts der extrem hohen Kosten nicht bereit ist, die von ihm vorgeschlagene Alternative zumindest in Erwägung zu ziehen.

Unlängst hatte der 57-Jährige bei der Bürgerversammlung in Otterzhofen das Wort ergriffen und notgedrungen in aller Kürze auf das „Plocher-System“ verwiesen. Bürgermeister Siegfried Lösch (CSU) hatte, wie berichtet, sein Rederecht begrenzt mit dem Hinweis, er wolle bei der Versammlung nur örtliche Themen behandeln und keinen Werbeblock für die von Paulus empfohlenen Produkte zulassen. Paulus' Gegenargument: „Alle Bürger der Großgemeinde sind Beitragszahler für die Kläranlage und haben ein Interesse, dass viele unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden.“

200 000 Euro für Feinstsieb

Ende 2019 hat der Stadtrat beschlossen, die Riedenburger Kläranlage mit einem Feinstsieb aufzurüsten. Ein gut sechs Wochen dauernder Testlauf im Sommer hatte positive Resultate ergeben. Mit dem Feinstsieb als mechanischem Ersatz für ein Vorklärbecken lassen sich demnach die Einwohnergleichwerte der Kläranlage auf 18 000 erhöhen – eine deutliche Entlastung. Die Kosten dafür liegen bei rund 200 000 Euro. Offen bleibt die Option, bei Bedarf eine Schneckenpresse zur Schlammentwässerung zu ergänzen oder einen Faulturm zu bauen. Zunächst, so der Beschluss des Gremiums, soll in 2020 das Feinstsieb ausgeschrieben werden.

Stadtrat

Das Feinstsieb eröffnet Möglichkeiten

Der Testlauf verspricht Kapazitätserhöhung durch den Einbau eines Feinstsiebes in die Kläranlage. So kann Riedenburg wachsen.

Ein wesentlich dickerer Brocken käme durch die geplante Auflösung der Klärteiche auf die Stadt zu. Von 900 000 Euro war man zunächst ausgegangen.

Zuletzt ergab sich laut Lösch „ein um ein Vielfaches höherer Wert“, was zu dem Beschluss führte, beim Landratsamt um eine Fristverlängerung zu bitten und mit Fachstellen zu prüfen, ob nicht auch eine bauliche Sanierung in Frage käme. „Sowohl für die Kläranlage wie auch für die Klärteiche bietet die Produktpalette von Plocher ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternativen – und sogar für den Badesee St. Agatha, der regelmäßig verkrautet!“, lautet Paulus’ Aussage.

Dünzlinger Lösung

  • Vergleich:

    Klärwärter Josef Schels habe mitgeteilt, die Problematik in der Dünzlinger Anlage sei anders gelagert gewesen. Es sei dort offenbar um das Problem einer Algenbildung im Ablauf gegangen, so Bürgermeister Siegfried Lösch.

  • Erfolg:

    Das Problem sei durch die Mitarbeiter der Kläranlage mit dem Zudosieren eines Fällmittels (Aluminat) gelöst und korrekte Werte erreicht worden. (epk)

Er legte unserem Medienhaus den Abschlussbericht eines einjährigen Versuches in der Kläranlage Dünzling vor, die, wie auch die Riedenburger Anlage, nach dem SBR (Sequencing Batch Reactor)-Verfahren arbeitet, bei dem die biologische Reinigung und die Sedimentation des chargenweise zugeführten Abwassers im gleichen Becken stattfindet. „Der Stadt Riedenburg habe ich schon mehrfach Vorschläge unterbreitet, wie man Probleme effektiv und umweltschonend in den Griff bekommen könnte“, sagt Paulus, der hofft, im Zusammenhang mit den kostenintensiven Investitionen, vor denen die Kommune in Sachen Abwasserbeseitigung steht, doch noch angehört zu werden.

Abwasser

Lösung für Kläranlage gesucht

Die spezifische Zusammensetzung des Abwassers bereitet Probleme. Feinstsieb soll Kapazität in den Reaktoren frei setzen.

„Man darf bei dem Feinstsieb-Test nicht nur die Einsparung an Strom für die Belüftung anführen. Man muss dem den erheblichen Verbrauch an Frischwasser für das Spülen des Siebes entgegenhalten“, kritisiert Paulus.

„Anlage ist überbelastet“

Bürgermeister Siegfried Lösch äußerte sich gegenüber unserem Medienhaus: „Unser Problem ist die Überbelastung der 12 000 Einwohnergleichwerte-Anlage mit CSB beziehungsweise BSB5 im Zulauf, wodurch unser Schlamm nicht stabilisiert wird und es zu Geruchsproblemen kommt. Nach Ansicht des Klärwärters ist es nicht vorstellbar, dass durch die Zugabe irgendwelcher Mittel unsere Anlagenkapazität von 12 000 auf  18 000 Einwohnergleichwerte erweitert werden kann, und noch weniger, dass wir für diese Methode eine Einwilligung des Landratsamtes und Wasserwirtschaftsamtes erhalten werden.“

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