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Region Kelheim
Freitag, 17. August 2018 31° 2

Natur

Kleine Brummer im Fokus

„Vielfalt summt“ lautet das Jahresthema bei Radula. Was es alles zu entdecken gibt, war in Riedenburg zu sehen.
Von Petra Kolbinger

Ein Highlight: der Blick ins offene Bienenvolk mit Imker Markus Hämmerl Fotos: Kolbinger
Ein Highlight: der Blick ins offene Bienenvolk mit Imker Markus Hämmerl Fotos: Kolbinger

Riedenburg.Großer Bahnhof für kleine Brummer: die Bienenvölker am Bienenlehrpfad Haidhof werden ihren Augen nicht getraut haben, als sie einen ersten Blick aus dem Flugloch warfen. Traumhaftes Frühlingswetter und blühende Obstbäume bildeten den pittoresken Rahmen für die Auftaktveranstaltung der Umweltbildungsinitiative „Radula“.

 Ist Klassenkameradin Mareike eine Honig- oder eine Wildbiene? Die Frage klärt sich, wenn man weiß, dass Honigbienen blütenstet sind und einer Blütensorte treu bleiben. Foto: Kolbinger
Ist Klassenkameradin Mareike eine Honig- oder eine Wildbiene? Die Frage klärt sich, wenn man weiß, dass Honigbienen blütenstet sind und einer Blütensorte treu bleiben. Foto: Kolbinger

Auf Einladung der Kreisgruppe Bund Naturschutz Kelheim, waren Schülerinnen und Schüler der Grund- und Mittelschule und der staatlichen Realschule Riedenburg ausgeschwärmt. Das Umweltbildungsprojekt Radula im Landkreis Kelheim hat das Programm 2018 unter das Motto „Vielfalt summt“ gestellt und widmet sich heuer den Wild- und Honigbienen. Ein kompetentes Team aus Biologen, Kräuterpädagogen, Naturpädagogen und Agraringenieuren unter Leitung von Michaela Marx, hat eine ganze Palette spannender und kindgerecht aufbereiteter Themen rund um die summenden Insekten zusammen gestellt für Schulklassen aller Schularten und Altersstufen, Kindergärten und auch für Erwachsene, Senioren und Menschen mit Handicaps. 120 Veranstaltungen sind heuer geplant.

400 Obstbäume gepflanzt

In Riedenburg – „der Bienenhauptstadt des Landkreises“, wies Bürgermeister Siegfried Lösch auf die vielen Anstrengungen hin, die die Stadt in den letzten Jahren zum Wohle von Honig- und Wildbienen unternommen hat – von der Einrichtung eben dieses Bienenlehnpfades 2015, über die Anpflanzung von bis dato gut 400 Obstbäumen alter Sorten auf öffentlichen Flächen, die Einrichtung eines Schulgartens an der Grund- und Mittelschule, bis hin zum Bienenwald auf dem Jachenhausener Berg. Und damit auch die Gärten der kleinen Bienenfreunde einen reich gedeckten Tisch für die summende Vielfalt bieten, schenkte er jedem ein Tütchen „Riedenburger Blütenmischung“ zum Aussäen im heimischen Garten.

Das Konzept des Radula-Teams trug der Tatsache Rechnung, dass Kinder nur zu Beginn und für einen überschaubaren Zeitraum still sitzen und zuhören können. Foto. Kolbinger
Das Konzept des Radula-Teams trug der Tatsache Rechnung, dass Kinder nur zu Beginn und für einen überschaubaren Zeitraum still sitzen und zuhören können. Foto. Kolbinger

Die Kinder haben an diesem Vormittag viel Wissen rund um die Bedürfnisse und den Nutzen der Honig- und Wildbienen erworben, das sie auch an ihre Eltern weiter geben können.

Selbst Erwachsene kamen bei diesem ersten Aktionstag von Radula zum Jahresmotto „Vielfalt summt“ ins Staunen. Dafür wussten viele Kinder erstaunlich gut bescheid über das Leben der Insekten. Selbst Pollen in einem Glas erkannten einige. Probiert haben sie die kleinen Kügelchen alle. Von „schmeckt super!“ bis „des is voll eklig!“ reichten die Kommentare.

Überraschende Erkenntnis: Bienen haben vier Flügel. Und was machen Sie damit? Die Kinder überlegen kurz: „Fliegen“. Richtig. „Und landen“. Foto: Kolbinger
Überraschende Erkenntnis: Bienen haben vier Flügel. Und was machen Sie damit? Die Kinder überlegen kurz: „Fliegen“. Richtig. „Und landen“. Foto: Kolbinger

Doch dass Astronauten im All theoretisch mit Bienenpollen überleben könnten, wegen der vielen wertvollen Inhaltsstoffe, das hat alle beeindruckt, auch wenn zumindest ein Schüler bekannt ist, der seinen Berufswunsch jetzt überdenken dürfte: „Wenn’s ned so greislich wär‘“ murmelte er mit leicht angewidertem Blick auf die ockergelben Kügelchen in seiner Handfläche. Doch keine Sorge: Astronauten könnten mit Pollen überleben – müssen das aber natürlich nicht. Sie können auf eine Auswahl an Spezialnahrung zurückgreifen – im Gegensatz zu Bienen, die darauf angewiesen sind, Pollen und Nektar in ausreichender Menge, über einen ausreichend langen Zeitraum in der Natur zu finden.

Die Kinder streifen mit dem Finger über die Löwenzahnblüten, die auf der Wiese ihre knallgelben Köpfchen geöffnet haben und sehen den gelben Pollenstaub. Sie verstehen, wie viel dieser Staubkörner eine Biene „höseln“, also sammeln und in den Stock bringen muss, damit der Nachwuchs satt wird.

Spielerisch eingeführt

Nicht nur Bienen,- auch Kinder haben Durst bei dem warmen Wetter und nach soviel Spannung und Abenteuer. Und Hunger. Das Radula-Team hat vorgesorgt. Es gibt kühle Holundersirup-Limonade und liebevoll als Bienen dekorierte Muffins. Foto: Kolbinger
Nicht nur Bienen,- auch Kinder haben Durst bei dem warmen Wetter und nach soviel Spannung und Abenteuer. Und Hunger. Das Radula-Team hat vorgesorgt. Es gibt kühle Holundersirup-Limonade und liebevoll als Bienen dekorierte Muffins. Foto: Kolbinger

Nebenan kneten die Schüler selbst Grieß mit Wasser und platzieren Erbsen auf dem Brei. Sie kneten eine Masse fest und bauen damit eine „Mauer“ zwischen zwei Brutkammern in einem Bambusrohr. „So machen das die Wildbienen!“ erklärt ein schwer beschäftigter kleiner „Wildbienerich“ der Reporterin. Er hat es eilig, denn er ist Teil eines Teams, das sich mit einem Zweiten um den Sieg im Brutröhrenbau misst. Die Gruppe daneben lässt derweil farbige Tücher in der Frühlingsbrise flattern. „Biene“ Mareike bespricht flüsternd mit der Radula-Mitarbeiterin die Strategie: fliegt sie nur Blüten der gleichen Art an, ist sie eine Honigbiene; nascht sie mal hier mal da, ist sie eine Wildbiene. Ihre Freunde müssen erraten, welcher Gattung Mareike angehört und sollen den Finger an die Nase legen, wie sie glauben, es zu wissen. Allerdings sind sie mit soviel Feuereifer dabei, dass sich blitzschnelle Zwischenrufe mit der richtigen Lösung einfach nicht vermeiden lassen.

Sie durften natürlich nicht fehlen - die vielleicht prominentesten Honigbienen der Welt: Maja und Willi  Foto: Kolbinger
Sie durften natürlich nicht fehlen - die vielleicht prominentesten Honigbienen der Welt: Maja und Willi Foto: Kolbinger

„Wir bringen den Menschen die Natur näher und fördern das emotionale Lernen. Wenn man das Herz anspricht, bleibt das Gelernte hängen!“ sagt Radula-Teamleiterin Michaela Marx. Die erste Gruppe schlüpft derweil in die Imkerblusen und stapft behutsam dem Höhepunkt des Aktionstages entgegen: gemeinsam mit Imker-Kreisvorstand und Bienenflüsterer-Chef Markus Hämmerl, öffnen sie ein Bienenvolk, sehen die emsigen Arbeiterinnen, die Brut und sogar die Königin, was helle Aufregung verursacht. Und sie setzen auch gleich noch die Honigräume auf, damit der Imker später das süße Gold ernten kann. 120 Veranstaltungen sind heuer geplant.

Weiterführende Info: www.kelheim.bund-naturschutz.de/radula.html

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Ein Spezial zu Naturthemen vor der Haustüre im Landkreis Kelheim finden sie hier.

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