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Mobilität

Kommt Stadtbus in die Gänge?

In Kelheim ist für zwei Jahre ein Pilotprojekt im Gespräch – das bisherige Konzept wird aber „neu überplant“.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Elektrobus Emil am Bismarckplatz in Regensburg. Für Kelheim ist ein Stadtbus im Gespräch, Stadträtin Johanna Frischeisen regte den Einsatz eines Elektrobusses an. Foto/Archiv: Gruber
Elektrobus Emil am Bismarckplatz in Regensburg. Für Kelheim ist ein Stadtbus im Gespräch, Stadträtin Johanna Frischeisen regte den Einsatz eines Elektrobusses an. Foto/Archiv: Gruber

Kelheim.Bislang lediglich am verkaufsoffenen Sonntagen verkehrt ein Bus im Stadtgebiet Kelheim zu den einzelnen Einkaufsstandorten, mit dem Interessenten kostenlos mitfahren können. Seit etwa eineinhalb Jahren ist eine eigenständige Stadtbuslinie ein Thema und es laufen auch Gespräche zwischen Stadt und Landkreis. Durch die Kommune sind in diesem Monat Zahlen öffentlich gemacht worden: Abzüglich der geplanten Einnahmen durch Fahrpreise (circa 4500 Euro) würde sich ein jährliches Defizit von 155500 Euro ergeben. Die Stadt will das nicht alleine tragen. Deshalb wird die Verwaltung nochmals mit dem Landkreis Kelheim wegen einer Kostenbeteiligung verhandeln.

Bis zur öffentlichen Sitzung des ÖPNV-Ausschusses des Landkreises am Donnerstag, 8. November, wird laut Sonja Endl, stellvertretende Pressesprecherin im Landratsamt Kelheim, „das ganze Projekt Stadtbus von der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Kelheim in Absprache mit der Stadt Kelheim neu überplant“ aufgrund der Stadtratssitzung am 22. Oktober.

„Eine freiwillige Leistung“

In dem vom Landkreis Kelheim 2016 fortgeschriebenen Nahverkehrsplan ist ein Stadtbus für die Kreisstadt als Pilotprojekt enthalten. Ein Probebetrieb wäre für Kelheim vorgesehen. Bei der Stadt war zu Wochenbeginn davon ausgegangen worden, dass sich durch die Stadtbus-Linie in jedem der beiden Probejahre das Defizit auf etwa 155 500 Euro belaufen würde.

„Freiwillige Leistungen sind immer soweit zulässig, wie es der Haushalt zulässt“

Max Schneider

Von Stadtkämmerer Max Schneider kam der Hinweis, dass es sich um eine freiwillige Leistung handle. „Wir haben viele freiwilligen Leistungen im Haushalt“, sagte er. „Freiwillige Leistungen sind immer soweit zulässig, wie es der Haushalt zulässt“, so Kelheims Stadtkämmerer, der davon ausgeht, dass 2019 die Kreisumlage, die die Stadt zu zahlen hat, „kräftig steigen wird“ und die Kreisstadt andererseits weniger Geld an Schlüsselzuweisungen erhält als in diesem Jahr aufgrund der „guten Einnahmesituation 2017“. Bei gleichbleibenden 46 Prozentpunkten der Kreisumlage – wie aktuell – hätte die Stadt Kelheim laut Schneider im kommenden Jahr 9,554 Millionen Euro an den Landkreis zu zahlen, heuer waren es 8,058 Millionen Euro.

Betreibersuche angeregt

Generell wird eine Stadtbuslinie im Stadtrat begrüßt. Stadträtin Christiane Lettow-Berger wies darauf hin, dass der Anschluss zum Bahnhof Saal jedoch „nicht abgedeckt und die Ortsteile nicht eingebunden sind“. Parallel zur Klärung einer Kostenbeteiligung durch das Landratsamt sollte auch die Betreibersuche laufen, so Stadtrat Ludwig Birkl. Und Stadtrat Claus Hackelsperger ist der Ansicht, dass Kosten gespart werden könnten, wenn der Stadtbus nur an drei oder vier Tagen wöchentlich fahre. Von dem Pilotprojekt profitierten auch andere Kommunen, sagte Stadtrat Walter Siller und plädierte für eine „gerechtere Kostenverteilung“; er findet, dass eine Beteiligung des Landkreises zumutbar wäre.

Das Beispiel Citybus Regenstauf

  • Einsatztage:

    Seit 28 Jahren gibt es im Markt Regenstauf (Lkr. Regensburg) einen Citybus. Dieser verkehrt von Montag bis Samstag (an diesem Tag eingeschränkt).

  • Interesse:

    Angefahren werden im 30-Minuten-Takt 15 Haltestellen, darunter auch der Ortsteil Diesenbach und eine Siedlung. Fahrpreis: ein Euro. „Wir haben viele Fahrgäste“, so Bürgermeister Siegfried Böhringer.

Für ein Nachverhandeln sprach sich auch Bürgermeister Horst Hartmann aus. Ein Kritikpunkt im Stadtrat war ebenso die durch die Streckenführung bedingte lange Fahrzeit. Stadtrat Josef Weinzierl regte die Prüfung eines Ruftaxis an. Es sollte ein Elektrobus eingesetzt werden, so Stadträtin Johanna Frischeisen.


Das bisherige Konzept sah einen Rundkurs mit 27 Haltestellen, von Montag bis Freitag im Stundentakt jeweils elf Fahrten und samstags vier Fahrten vor sowie Anschlüsse aus Ihrlerstein/Painten, Riedenburg und Saal vor. „Vor allem Einkaufs- und Versorgungsstandorte sowie Wohngebiete“ und der Waldfriedhof waren im bisherigen Rundkurs einbezogen.

Auch der städtische Waldfriedhof in Kelheim wäre nach dem bisherigen Konzept des Rundkurses eines Stadtbusses angefahren worden. Foto: Bachmeier-Fausten
Auch der städtische Waldfriedhof in Kelheim wäre nach dem bisherigen Konzept des Rundkurses eines Stadtbusses angefahren worden. Foto: Bachmeier-Fausten

Der Fahrpreis für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr wären 50 Cent, für Jugendlichen ab 15 Jahren und für Erwachsene ein Euro, wie von der Stadtverwaltung Kelheim vorgestellt. Mädchen und Buben, die noch nicht sechs Jahre alt sind, und schwerbehinderte Menschen mit einem gültigen Nachweis könnten das Angebot kostenlos nutzen.

Vize-Pressesprecherin Sonja Endl ging am Dienstag davon aus, dass das überarbeitete Konzept hinsichtlich Haltestellen und Fahrroute anders sein werde als das bislang bekannte.

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