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Region Kelheim
Donnerstag, 16. August 2018 30° 1

Workshop

Kunstvolle Zeichen setzen

Neun Künstler aus dem Landkreis waren am Wochenende unter dem Motto „Zeichen-Sprache“ gemeinsam kreativ.
Von Emily Buchner

Marion Fochler gab das Thema des diesjährigen Workshops vor: „Zeichen-Sprache“.  Foto: Buchner
Marion Fochler gab das Thema des diesjährigen Workshops vor: „Zeichen-Sprache“. Foto: Buchner

Ihrlerstein. „Jetzt muss es schnell gehen“, sagt Horst Fochler konzentriert. In seinen Händen hält er einen Eimer mit angewärmtem Gips und geht so im Laufschritt zu seinem Arbeitsplatz. Vom Abfüllen, Anrühren und Aufwärmen bis zum Ausgießen hat er keine sechs Minuten Zeit – andernfalls würde das Material vor der Verwendung hart werden. Bei seiner Form angekommen, lässt er den Gips hinein fließen und beginnt ihn mit seinen Händen zu verstreichen.

Zusammen mit seiner Tochter Marion Fochler veranstaltete er am Wochenende im Alten Schulhaus einen Workshop, zu dem er sieben weitere Künstlerinnen und Künstler einlud, um gemeinsam kreativ zu werden. Anlass ist die bevorstehende Stadt-Kunst-Aktion „Eine Stadt wird zur Galerie“. Die Künstler verbrachten zwei Tage zusammen und kreierten in regem Austausch Kunstwerke, die bei der anstehenden Veranstaltung ausgestellt werden.

Zur Tradition geworden

Inzwischen ist das Tradition, rund 15 Jahre lang laden die Fochlers bereits zu diesem Zweck in ihr Atelier ein. Und jedes Jahr findet der Workshop unter einem bestimmten Motto statt: „Mal geben wir ein Thema vor, mal die Technik, mit der gearbeitet werden soll“, erklärt Marion Fochler. „Es gibt ja immer neue Techniken, neue Farben… Die Veranstaltung fungiert auch als eine Art Fortbildung“, sagt Horst Fochler.

Karin Kuffer fertigt leidenschaftlich gern Kunstwerke aus Ton an. Bei dem Kunst-Workshop wollte sie das mit dem vorgegebenen Thema verbinden - und kreierte eine Tonsilhouette in Anlehnung an Rainer Maria Rilkes Gedicht „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“. Sie war bereits mehrere Male Gast bei dem Workshop.   Foto: Buchner
Karin Kuffer fertigt leidenschaftlich gern Kunstwerke aus Ton an. Bei dem Kunst-Workshop wollte sie das mit dem vorgegebenen Thema verbinden - und kreierte eine Tonsilhouette in Anlehnung an Rainer Maria Rilkes Gedicht „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“. Sie war bereits mehrere Male Gast bei dem Workshop. Foto: Buchner

Dieses Jahr stand „Zeichen-Sprache“ im Mittelpunkt; die Idee dazu stammt von Marion Fochler. Sie lernt seit eineinhalb Jahren arabisch – und hat dadurch einen neuen Bezug zu Sprache und Schrift bekommen. „Mich fasziniert die arabische Schrift sehr“ sagt sie. „Die Schrift beinhaltet ja immer eine Botschaft, aber sie sieht auch einfach schön aus.“ Und das will sie mit einem ihrer Kunstwerke zeigen: auf eine Leinwand zeichnet sie die palästinensische Flagge. Umrahmt wird sie von arabischen Zeichen, die übersetzt bedeuten: „Worte verändern Dein Leben, Dein Leben verändert Worte.“

Schrift als Kunst und Kunst mit Schrift – ein facettenreiches Thema, das den Künstlerinnen und Künstler viel Spielraum offenhält: Mit Günther Bachhuber ist ein gelernter Schriftsetzer und Drucker unter den Künstlern – für ihn war das Thema wie gemacht. Jürgen Frömberg hingegen, schafft eigentlich Kunstwerke aus Treibholz. Für ihn geht davon eine besondere Faszination aus: „Ich finde es spannend zu sehen, was das Wasser mit dem Holz gemacht hat und zu interpretieren, welche Geschichten sich hinter dem Stück verbergen.“

Jürgen Frömberg betrat mit dem Thema „Zeichen-Sprache“ Neuland. Bisher arbeitete er hauptsächlich mit Holz. Aber auch das ließ sich letztendlich gut vereinen - er gravierte in ein Treibholzstück Worte ein. Frömberg zeigte sich begeistert von dem regen Austausch der Künstler. Er habe bereits viele wertvolle Tipps bekommen.   Foto: Buchner
Jürgen Frömberg betrat mit dem Thema „Zeichen-Sprache“ Neuland. Bisher arbeitete er hauptsächlich mit Holz. Aber auch das ließ sich letztendlich gut vereinen - er gravierte in ein Treibholzstück Worte ein. Frömberg zeigte sich begeistert von dem regen Austausch der Künstler. Er habe bereits viele wertvolle Tipps bekommen. Foto: Buchner

Die Kalligraphie ist eher Neuland für ihn. Er nimmt sich der Herausforderung an, indem er in ein Holzstück die Worte „Mensch“, „Natur“ und „Zukunft“ graviert. So kann er neuen Spielraum für Interpretationen darbieten. Elisabeth Riegler, die eigentlich Bildhauerei betreibt, und Künstler Dieter Klärner interpretieren das Thema mit verschiedenen Schriften, Skizzen oder Collagen. Im Raum nebenan kalligraphieren Gerlinde Hempel und Irene Kiendl Sprüche, Weisheiten oder Glaubenssätze auf Leinwände.

Leben in wachsenden Ringen

Karin Kuffer orientiert sich an der Literatur für ihr Kunstwerk: sie nimmt Rainer Maria Rilkes Gedicht „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ als Inspiration für eine Ton-Silhouette auf. „Beim Arbeiten mit Ton gewinnt man an Höhe, indem man mehrere Tonringe übereinander legt. Normalerweise verstreicht man die am Ende. Ich will sie dieses Mal – in Anlehnung an Rilke – sichtbar lassen“, sagt sie. Den Text des Gedichts schreibt sie anschließend entlang der Ringe auf ihre Figur und spannt so den Bogen zurück zum Thema.

Dieter Klärner fertigte am Wochenende unter anderem Collagen an. Das Thema greift er dabei gerne auf; dennoch betont er, dass er mit seinen Kunstwerken nichts Konkretes bezwecken will. Er sieht die Kunst als Hobby und ihm ist wichtig, den Spaß daran nicht zu verlieren - „sonst wäre es eine Pflicht“.  Foto: Buchner
Dieter Klärner fertigte am Wochenende unter anderem Collagen an. Das Thema greift er dabei gerne auf; dennoch betont er, dass er mit seinen Kunstwerken nichts Konkretes bezwecken will. Er sieht die Kunst als Hobby und ihm ist wichtig, den Spaß daran nicht zu verlieren - „sonst wäre es eine Pflicht“. Foto: Buchner

Die energiegeladene und dennoch ruhige Atmosphäre die im Alten Schulhaus in Ihrlerstein herrscht, scheint die Künstler glücklich zu machen. Sie genießen das Wochenende. Sich mal wieder so richtig der Kunst hingeben zu können. Ohne Unterbrechungen. „Zu Hause ist immer etwas, was einen ablenkt. Hier kann man sich vollkommen auf die Kunst konzentrieren“, findet Karin Kuffer. Und alle sind begeistert davon, nebeneinander und miteinander Kunst zu schaffen. „Wann immer man Hilfe braucht, kann einem jemand helfen – davon profitieren wir enorm“, sagt Jürgen Frömberg.

Auch Horst und Marion Fochler zeigen sich sehr zufrieden: „Wir haben auch dieses Jahr wieder tolle Künstler hier und es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten.“ Was aus Horst Fochlers Gipskunstwerk und all den anderen Kunststücken geworden ist, kann am 15. Juni in der Ausstellungseröffnung der Aktion „Eine Stadt wird zur Galerie“ bewundert werden.

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