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Hochwasser

Landrat löst Katastrophenalarm aus

Der Pegel der Abens steigt drastisch an. Die Grundschule und der Kindergarten „Am Gabis“ in Mainburg sind am Montag geschlossen. Bürgertelefon eingerichtet
Von Manfred Forster, Sebastian Pieknik, Elfi Bachmeier-Fausten, Beate Reitinger, Benjamin Neumaier und Walter Dennstedt, MZ

  • Die Donau bei Kelheim bewegt sich auf sieben Meter zu, ein Krisenstab ist eingerichtet. Foto: Pieknik
  • Minister Marcel Huber kam am Samstagnachmittag nach Weltenburg. Foto: Pieknik
  • Bereits am Samstagnachmittag bauten die Kameraden der Feuerwehr Kelheim die mobilen Hochwasserschutzwände beim Kloster Weltenburg auf. Foto: Pieknik
  • Luke dicht – Feuerwehrmänner errichteten die Dammbalkensperre am Kloster bei Weltenburg. Foto: Pieknik
  • Land unter bei Herrngiersdorf Foto: FFW Langquaid
  • Bis vor die Haustüre stand das Wasser auf diesem Hof. Foto: FFW Langquaid

Kelheim. Einen Katastrophenalarm für den Landkreis Kelheim hat Landrat Dr. Hubert Faltermeier am Sonntag um 20 Uhr ausgelöst. Als einen der Hauptgründe nannte Heinz Müller, Pressesprecher des Landratsamtes Kelheim, die kurzfristige, drastische Zunahme des Pegels der Abens ab Mainburg bis zur Mündung in die Donau. Die Prognosen des Wasserwirtschaftsamts Landshut für die Donau bei Kelheim deuten auf einen Scheitelpunkt von sieben Metern hin. Damit bleibt man nach Stand der Dinge noch knapp einen Meter unter der Rekordmarke des Jahres 1999 von 7,96 Metern. Am Sonntag um 16 Uhr gab der Hochwassernachrichtendienst für Kelheim die Meldestufe 4 aus – das Wasser erreichte am frühen Abend einen Pegel von bis zu 6,11 Metern. Die „4“ bedeutet die höchste Warnstufe.

Wegen des Hochwassers sind die Grundschule und der Kindergarten „Am Gabis“ in Mainburg am Montag geschlossen. Nach Angaben von Heinz Müller wird voraussichtlich im Bereich der Abens ein 100-jährliches Hochwasser erreicht. „Die ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete der Abens werden betroffen sein“, sagte er am Sonntagabend.

Die Verantwortlichen des Katastrophenschutzes, der Feuerwehren, des Wasserwirtschaftsamts und der Donau-Anliegergemeinden sind seit Samstag im Dauereinsatz. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich abgezeichnet, dass das Hochwasser, das bis dahin als ein leichtes Ereignis eingeschätzt worden war, sich auswachsen könnte.

Krisenstab tagte in Weltenburg

Das Landratsamt Kelheim hat einen Krisenstab eingerichtet, um die Arbeiten Hunderter von Helfern, die bei den Feuerwehren, beim Technischen Hilfswert, der DLRG etc. ihren Dienst tun, zu koordinieren. Kreisbrandrat Nikolaus Höfler berichtete bei einem Pressegespräch im Anschluss an die Tagung der Krisenkoordinatoren im Kloster Weltenburg, dass sowohl in Neustadt als auch in Kelheim die Kommandozentralen für die Abwehr des Hochwassers eingerichtet worden seien. Jeweils erfahrene Führungskräfte der Wehren koordinieren hier die notwendigen Arbeiten und schicken Feuerwehrler auf Dammstreife, um zu überwachen, ob die technischen Einrichtungen, welche die Donau in ihrem Bett halten sollen, in Ordnung sind. Gleichzeitig teilte Höfler mit, dass die Feuerwehren im Landkreis Kelheim Ersatzpumpen von der Feuerwehrschule Regensburg heranschaffen, um für das Schlimmste gewappnet zu sein.

Der Katastrophenfall wird wohl nicht eintreten: Mit diesem eher sibyllinischen Satz hatte Landrat Dr. Hubert Faltermeier noch am Sonntagvormittag die Pressekonferenz im Kloster Weltenburg eröffnet. Zwar sagen die Prognosen einen weiteren Anstieg des Wassers um etwa 1,10 Meter auf sieben Meter voraus, doch bezeichnet Faltermeier die Situation zwar arbeitsreich, aber durchaus noch entfernt von einer Katastrophe, wie sie den Landkreis im Jahr 1999 zu Pfingsten überrascht hatte.

Freilich, in der Zwischenzeit ist viel geschehen, vor allem im Oberlauf der Donau bei Neustadt. Und auch das Kloster Weltenburg ist mit technischem Hochwasserschutz so weit gesichert, dass Patres und Besucher trockenen Fußes in Kirche und Innenhof spazieren können.

Die Feuerprobe im Wasser

Abt Thomas Freihart sieht in dem jetzigen Hochwasser die „Feuerprobe im Wasser“ und verweist darauf, dass die technischen Einrichtungen, welche die Feuerwehr Kelheim am Samstagnachmittag professionell und routiniert montiert hat, sich nun bewähren müssen. Zwar habe man schon „einige kleine Hochwasser“ gemeistert, nun aber sei wohl die Wassertaufe des im Jahr 2006 eingeweihten Hochwasserschutzes angesagt.

Bauoberrat Bernhard Eigner vom Wasserwirtschaftsamt Landshut bestätigte die Vorhersage von einem Zuwachs von einem auf sieben Meter. Wann die Marke erreicht werde, sei derzeit angesichts anhaltender Niederschläge vor allem in den Alpen und damit einiger anschwellender Zuflüsse noch nicht genau vorhersagbar, so Eigner. Der Scheitel der Welle werde wohl am Dienstag erwartet, sagte der Wasserwirtschaftler auf Nachfrage. Wenn bis dahin die Donau noch um gut einen Meter steigt, werden auch großflächig bebaute Gebiete von der Flut gefährdet sein.

Indes, Eigner vergleicht die Situation des Hochwassers mit denen aus den Jahren 2002 und 2005 – noch. Trotzdem hat das Landratsamt Kelheim ein Bürgertelefon eingerichtet. Unter der Nummer (09441) 207486 wurde am Sonntag in der Zeit von 14 bis 20 Uhr Auskunft gegeben und über Entwicklungen informiert. Die Nummer ist heute wieder ab 8 Uhr besetzt. Denn die hochwassererprobten Anrainer an der Donau wissen, dass manchmal nur Zentimeter bei Prognosen darüber entscheiden, ob sie ihr Hab und Gut sichern müssen.

Das war auch in Kelheim am Sonntag der Fall: So musste eine Firma im Hafen 500 Autos wegfahren, weil die auf einem hochwassergefährdeten Gelände standen. Gleichzeitig ist auch die Firma Kelheim Fibres über die Gefahren informiert, die Schifffahrt auf der Donau ist eingestellt.

„Wir haben in Kelheim sämtliche Feuerwehren im Einsatz“, teilte Bürgermeister Fritz Mathes mit. Er zeigte sich zuversichtlich, dass man die Aufgaben meistern werde. Brennpunkte im Stadtgebiet seien das Kloster und der Ort Weltenburg, auch die Regensburger Straße in Kelheim, wie Georg Sinzenhauser, Chef der Stadtfeuerwehr, ergänzte. Dabei verband Mathes seine Information mit der Bitte an die Arbeitgeber, die Einsatzkräfte der Feuerwehren freizustellen. Die Pegel der Abens in Mainburg und Abensberg-Aunkofen haben die Meldestufe vier erreicht.

Freistaat investierte in Schutz

Umweltminister Dr. Marcel Huber machte sich am Samstagnachmittag am Kloster Weltenburg ein Bild von der Hochwassersituation an der Donau und dankte den Einsatzkräften vor Ort für ihre Unterstützung und ihren tatkräftigen Einsatz bei der Errichtung des mobilen Schutzwalls. Huber betonte: „Als Feuerwehrmann geht mir das Herz auf, zu sehen, mit wie viel Tatkraft hier alle zusammenhelfen. Das ist eine wahre Gemeinschaftsleistung. Es ist richtig, dass die Behörden vor Ort gemeinsam mit den Einsatzkräften Vorsorge treffen. Hochwasser hinterlässt finanzielle und ideelle Schäden und der Schutz der Menschen und ihrer Gütern hat absolute Priorität.“

Seit den schweren Hochwassern von 1999 und 2001 habe der Freistaat Bayern kontinuierlich den Schutz ausgebaut. „Insgesamt investieren wir bis 2023 knapp drei Milliarden Euro, um Bayern hochwassersicher zu machen“, so Huber. Davon seien schon Schutzmaßnahmen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro umgesetzt. 2006 wurde die mobile Hochwassersperre am Kloster Weltenburg errichtet. Am härtesten betroffen war das Kloster vom Pfingsthochwasser 1999, bei dem in Neustadt der Damm brach. Damals drang das mehr als acht Meter hoch stehende Wasser durch alle Erdgeschossfenster in das Kloster ein. Innenhof und Klosterschenke wurden überflutet, ebenso die Kirche. Der Schaden damals wurde auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. „Wir sind durch diese Investitionen in der Vergangenheit gut gewappnet“, sagte Huber am Samstag in Weltenburg, „aber wir werden auch die Menschen, die von Schäden betroffen sind, nicht im Stich lassen und unbürokratische Hilfe leisten.“

Straßen und Keller überflutet

Die Abensberger Feuerwehr war am Freitagabend einige Male wegen Hochwassers im Einsatz, so Manfred Maier. Gegen 17.30 Uhr war die B 16 Richtung Reißinger Berg überflutet, berichtet der stellvertretende Kommandant. An einigen Fahrzeugen entstanden Schäden. Eine 80-jährige Seniorin rief die Feuerwehr wegen ihres überfluteten Kellers in der Abensberger Altstadt. Später waren Fahrbahnen in Sandharlanden und Holzharlanden sowie die Gemeindeverbindungsstraßen von Pullach nach Holzharlanden sowie von Gaden nach Biburg überflutet.

Entspannung noch nicht abzusehen

In Mainburg war am Freitagabend eine Frau (41) in die Fahrbahn der unterspülten Gabelsberger Straße eingebrochen und verletzte sich. Den Angaben der Polizeiinspektion Mainburg zufolge, war die Frau gegen 20.35 Uhr zu Fuß unterwegs, als der Pflasterbelag auf Höhe des Anwesens Hausnummer 9 unter ihr nachgab. Sie sank circa 30 bis 40 Zentimeter ein und verletzte sich am rechten Unterschenkel und am rechten Knie. Es entstand in der Fahrbahn ein Loch mit einem Durchmesser von rund eineinhalb Metern, sagte ein Polizist auf Anfrage der MZ. Die Feuerwehr Mainburg sicherte die Unfallstelle ab.

Zwischen 17.10 Uhr und 20.30 Uhr war die Langquaider Feuerwehr in Herrngiersdorf im Einsatz. Durch die starken Regenfälle waren mehrere Straßen und ein Bauernhof überflutet. Im Einsatz waren 27 Kräfte der FFW mit mehreren Tauchpumpen und Wassersaugern.

Eines Besseren belehrt wurde eine 62-jährige Autofahrerin aus Train, als sie am Samstag gegen 13 Uhr trotz Verkehrsschilds mit Zusatzschild „Überflutung“ mit ihrem Auto eine gesperrte Straße zwischen Train und Neukirchen befuhr. Zwischen zwei Brücken „soff“ ihr Fahrzeug ab. Sie musste mittels der alarmierten Feuerwehr aus ihrem Auto geborgen werden und wurde vor Ort ambulant wegen einer leichten Unterkühlung im Sanka behandelt. Am Pkw entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 5000 Euro. Die Frau dürfte für die Gesamtbergungskosten aufkommen müssen, teilt die Polizei Mainburg mit.

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