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Begegnung

Laut, bunt, fröhlich und ganz direkt

„Traum und Wirklichkeit“ läuft bis Sonntag im Kreis Kelheim. Es zeigt, dass Afrika mehr ist, als ein Fall für die Caritas.
Von Wolfgang Abeltshauser

Expertin Dr. Petra Skiba erläutert den Besuchern die Ausstellung. Fotos: Abeltshauser
Expertin Dr. Petra Skiba erläutert den Besuchern die Ausstellung. Fotos: Abeltshauser

Abensberg.Geheimnisvolle Masken hängen an den Wänden des Kreuzgangs und blicken den Besuchern ins Gesicht. Die Stellwände in der Mitte der Gänge sind voller farbenfroher Bilder. Schon am Eingang schallen den Menschen afrikanische Trommelrhythmen entgegen. Die große Kunstausstellung zum Kultur- und Begegnungsprojekt „Traum und Wirklichkeit“ der Kirchmann-Stiftung ist eröffnet.

„Lassen sie sich von der afrikanischen Kultur beeindrucken“, ruft Stiftungschef Hanns-Peter Kirchmann seinen Gästen entgegen. Die sind in Scharen zur Vernissage am Samstagabend gekommen. Und so ist bald nur schwer ein Durchkommen zwischen den Stellwänden, auf denen Malerei von neun Künstlern aus Burkina Faso und Mauretanien zu bewundern ist. Kirchmann will den Menschen aus unserer Region die Kultur der Afrikaner näherbringen.

Afrikanische Rhythmen gab es zu sehen und zu hören.
Afrikanische Rhythmen gab es zu sehen und zu hören.

Das geht kaum ohne Tanz und Musik vom südlichen Nachbarkontinent. Dafür haben er und seine Ehefrau Felicitas die Formation Diamandia aus Burkina Faso mit in den Kreuzgang gebracht. Deren Musik schallt laut durch die Räume. Sie macht die Europäer neugierig. Die sich schließlich dicht gedrängt um die Bühne scharen. Und so hat Hanns-Peter Kirchmann die Möglichkeit, seinen Mitbürgern seine Botschaft mitzuteilen. Er will, dass sich Afrikaner und Europäer besser verstehen. Vor allem junge Menschen sollen die jeweils andere Kultur kennenlernen. Das wird in den kommenden Tagen mit Projekten in verschiedenen Schulen der Region angeschoben. Christian Lanzinger – Vorsitzender der kplan AG – drückt das so aus: „Es ist besser, wenn man sich persönlich sieht, als wenn man Dinge aus den Medien erfährt.“

Mehr als Wirtschaftsflüchtlinge

„Sie müssen Afrika ernst nehmen“, ruft Hanns-Peter Kirchmann den Menschen im Kreuzgang zu. Afrika sei mehr als nur ein Platz für die Caritas, für Hilfsorganisationen. „Afrikaner sind mehr als nur Wirtschaftflüchtlinge.“

Diesen Satz hat er schon oft ausgesprochen. Denn zu wenig werde in seinen Augen auf die Kultur des Kontinents geblickt – und auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten dort. Er ruft große Firmen wie Volkswagen auf, sich dort zu engagieren. Statt Geld in Schummelsoftware zu stecken, sollten die beispielsweise Mofas mit Stromantrieb entwickeln. Die könnten sie sicherlich in Afrika absetzen. Der Kontinent müsse als Chance begriffen werden.

Die Ausstellungseröffnung von Traum und Wirklichkeit war eine farbenfrohe Veranstaltung.

Trotzdem zeigt er Verständnis für Afrikaner, die es nach Europa drängt. Wenn die Welt für Freihandel sei, dürfe sie nichts dagegen haben, wenn sich Menschen frei bewegen wollen. Es gehe nicht anders: Europa müsse sich mit Afrika beschäftigen. Es müsse mithelfen, den Afrikanern Perspektiven im eigenen Land zu bieten.

Das tut die Kirchmann-Stiftung seit Jahren. Sie unterstützt Krankenhäuser und Schulen. Vor allem Letzteres ist das, was Abensbergs Bürgermeister Dr. Uwe Brandl und Landrat Martin Neumeyer einfordern. Wir alle müssten zusammenhelfen, um Fluchtursachen zu bekämpfen. Die Stiftung macht das unter anderem in Atar in Mauretanien. Dort gibt es ein Jugendzentrum, das Kindern Schulunterricht ermöglicht. „Das ist das wichtigste für die jungen Menschen dort“, sagt Mame Sy – die Leiterin der Einrichtung.

Rätzelhafte Masken blickten den Gästen ins Gesicht.
Rätzelhafte Masken blickten den Gästen ins Gesicht.

Sie ist aus Mauretaniern nach Abensberg gekommen. Hat dafür sogar ein Treffen mit Politikern aus ihrem Land sausen lassen. Um rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung im Kreuzgang zu sein. Denn für sie ist die gemeinsame Arbeit mit der Stiftung sehr viel wert. Das Zentrum liege in einer Gegend, in der die Ärmsten der Armen leben. Viele Kinder hätten ohne das Engagement keine Chance, in die Schule zu gehen. Sicherlich bekommen die Jugendlichen auch etwas zu Essen dort.

Aber der Zugang zu Bildung ist für Mame Sy noch wichtiger als das. Sie freut sich über die Zusammenarbeit mit der Kirchmann-Stiftung. Denn hier komme die Hilfe direkt bei den Bedürftigen an. Was man von großen Projekten der staatlichen Entwicklungshilfe nicht immer behaupten könne. So sei es gut, dass etwa Botschaften europäischer Länder langsam auf die Leistungen von Einrichtungen wie der Abensberger Stiftung aufmerksam würden. Sie habe auf alle Fälle Vertrauen zu den Kirchmanns.

Menschen brauchen Perspektiven

Für Mame Sy ist die Sache klar: Sie will nicht, dass ihre Landsleute in Massen nach Europa drängen. „Unser Land ist groß genug – und so schön.“ Und wer solle denn Mauretanien voranbringen, wenn alle klugen Köpfe das Land verlassen und in die Ferne zeihen? Ohne realistische Perspektiven seien sie aber kaum vom Bleiben zu überzeugen. „Sie benötigen Startkapital“, beschreibt es die engagierte Frau aus Afrika. Und deshalb blickt sie voller Wohlwollen darauf, dass die Kirchmanns in Atar den jungen Menschen auch Hilfen zur Berufsausbildung geben wollen. Und vielleicht freut sie sich ja auch über das, was Brandl in seiner Funktion als Städtetagschef ankündigt. Ein Programm „Tausend Schulen für Afrika“ solle verwirklicht werden. Um genau das zu unterstützen, was Mame Sy als besonders wichtig genannt hat: Die Kinder benötigen fundierten Schulunterricht. Brandl hofft, dass sich viele Kommunen in Deutschland daran beteiligen.

AusstellungTraum und Wirklichkeit

Bis das soweit ist, können die Menschen hier in der Region auch etwas tun. Denn sie dürfen die Bilder und Masken, die im Kreuzgang und auch in den Räumen des Verwaltungsgebäudes der Kreissparkasse in Kelheim ausgestellt sind, nicht nur bewundern. Sie dürfen sie auch mit nach Hause nehmen. Selbstverständlich erst, wenn sie die Werke bezahlt haben.

Jeder, der ein Bild erwirbt, macht eine gute Tat. Denn die Einnahmen teilen sich die beteiligten Künstler aus Afrika und die Kirchmann-Stiftung. Deren Anteil fließt in Projekte wie das in Atar. Der Gegenwert, den die Käufer erhalten, sei klar. Die Kunsthistorikerin Dr. Petra Skiba – sie hat die Bilder für die Ausstellung ausgewählt – lobt die Qualität der Werke. Während der Vernissage führte sie interessierte Besucher durch die Gänge. Und erklärt ihnen die Beweggründe der einzelnen Künstler.

Hier finden Sie weitere Artikel über das Kultur- und Begegnungsprojekt „Traum und Wirklichkeit“.

Hier finden Sie weitere Artikel über Abensberg.

Weitere Baumassmahmen

  • Poller:

    :Auch in Zukunft werden am Haupteingang Poller platziert sein, um Fahrzeugen das Eindringen auf das Festgelände zu verwehren. So sagt es Hans Schmid. Sie sollen im Zuge der Arbeiten fest installiert werden. Da sie versenkbar sein werden, müssen sie nicht nach jedem Gillamoos entfernt werden.

  • Parken:

    An den Parkplätzen, die rund um die Gillamooswiese bereit stehen, wird im Rahmen dieser Maßnahme nichts gemacht. Überlegungen gebe es aber. So sagt Hans Schmid, dass er sich im Bereich Gaden zusätzliche vorstellen kann, die mittels Shuttle-Service mit dem Jahrmarkt verbunden werden könnten.

  • Wohnmobil

    Wohnmobil: Die Forderungen, in Abensberg Wohnmobil-Stellplätze zu schaffen, kommt immer wieder auf. Jetzt sieht Schmid die Chance gekommen, solche anzulegen. Zehn davon werden Richtung Liebesinsel hin entstehen. Selbstverständlich stünden sie aber nur außerhalb des Gillamoos zur Verfügung.

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