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Diskussion

Lehrer stellen Minister Sibler zur Rede

Bei der Sommerbegegnung der CSU Langquaid wurde Bayerns Kultusminister mit unangenehmen Fragen konfrontiert
Von Roland Kugler

Tausende Lehrerinnen und Lehrer in Bayern werden jedes Jahr nur befristet eingestellt und wieder entlassen. Auch an den Schulen in der Region gibt es viele Betroffene. Foto: Kugler
Tausende Lehrerinnen und Lehrer in Bayern werden jedes Jahr nur befristet eingestellt und wieder entlassen. Auch an den Schulen in der Region gibt es viele Betroffene. Foto: Kugler

Langquaid.Seit etwa 15 Jahren gibt es die Sommerbegegnung der CSU in Langquaid. Bekannte Politiker wie Barbara Stamm oder Markus Söder waren seitdem zu Gast, dieses Jahr kam Kultusminister Bernd Sibler. „Wir wollten etwas anderes machen als Bierzeltauftritte“, sagt Bürgermeister und CSU-Ortsvorsitzender Herbert Blascheck. „Einen Dialog, wo die Bürger nah dran sind und Fragen stellen können.“ Dieser kam auch zustande: nach einer Rede von Landtagswahlkandidatin Petra Högl und einem Referat des Kultusministers wurde kontrovers diskutiert.

Wir geben unser Bestes und leisten viel, bekommen aber wesentlich weniger Geld als verbeamtete Lehrer.

Veronika Thalmeier, Realschullehrerin

Carolin Preis ist Lehrerin an der Realschule in Abensberg. „Ich habe zu den Fächern Deutsch und Erdkunde extra noch Biologie studiert, um bessere Chancen zu haben. Ich habe vier Staatsexamen, werde aber seit sieben Jahren immer nur befristet eingestellt. Das ist doch nicht in Ordnung.“ Veronika Thalmeier ist an derselben Schule Lehrerin, ebenfalls nur befristet eingestellt. „Ich bin entsetzt, dass die CSU an den befristeten Verträgen weiter festhalten will. Wir geben unser Bestes und leisten viel, bekommen aber wesentlich weniger Geld als verbeamtete Lehrer. Und wir haben keine Perspektive, weder beruflich noch privat“ sagte sie unter großer Zustimmung der etwa 70 Besucher im vollen Biergarten.

Keine Perspektive

Sibler antwortete, dass 92 Prozent der Lehrer in Bayern verbeamtet seien. Trotzdem blieben 7000 Lehrerinnen und Lehrer übrig, die nur befristet eingestellt werden. An Realschulen sei der Anteil besonders hoch, da hier am meisten Stellen für Lehrerinnen in Mutterschutz freigehalten würden. Es brauche auch eine Anzahl befristeter Verträge, um bei der Besetzung an den Schulen flexibel zu sein. Der Kultusminister, der selbst Lehramt studiert hat, zeigte aber auch Verständnis für die Betroffenen: „Das Problem wird in den nächsten Jahren behoben. Versprochen. Punkt.“ Auf welche Weise sagte er jedoch nicht.

„Das Problem wird in den nächsten Jahren behoben. Versprochen. Punkt.“

Bernd Sibler, Kultusminister

Margit Kral ist ebenfalls Realschullehrerin. Sie fragte Sibler, wie es ihre Kollegen zeitlich schaffen sollen, die von ihm angekündigten Maßnahmen zur Digitalisierung an den Schulen mit den dafür nötigen Fortbildungen in die Praxis umzusetzen. „Die ganze Digitalisierung fährt an die Wand, wenn die Kinder nicht genügend lesen können.“ Auch hier versprach Sibler Unterstützung, sowohl bei der Leseförderung wie auch bei der Umsetzung der von ihm beabsichtigten Ausweitung der Digitalisierung.

Zur Person: Bernd Sibler

  • Person:

    „Ich war selbst überrascht, als mich Markus Söder im März zum Kultusminister berufen hat“ sagt der gebürtige Straubinger. Sibler ist 47, verheiratet, und hat zwei Söhne mit 13 und 17 Jahren. Er hat selbst Lehramt studiert bevor er Landtagsabgeordneter wurde.

  • Karriere:

    Sibler war bereits 2007 bis 2008 und ab 2011 als Staatssekretär im Kultusministerium tätig, . Ziele: „Unsere Schüler müssen in erster Linie lesen, schreiben und rechnen lernen“, sagt Sibler. Zugleich will er die Digitalisierung an den Schulen vorantreiben.

Doris Bäumel ist Mittelschullehrerin. Sie hat seit vielen Jahren Erfahrungen an Schulen gesammelt, zur Zeit unterrichtet sie an einer Schule in Spanien. Sie kritisierte unter anderem die unterschiedlichen Beurteilungen und Bezahlungen an den verschiedenen Schularten: „Man sieht oft nicht, was die Lehrer leisten. Die Politik muss viel verändern.“ Hierzu sagte Sibler, er wisse, dass sich die Anforderungen an die Lehrer in den vergangenen Jahren geändert haben. Er bemühe sich um einen Angleich der Besoldungen, dazu seien auch bereits Maßnahmen beschlossen worden. Auch die externe Evaluation, das heißt die Beurteilung von Schulen und Lehrern durch Außenstehende, werde für ein Jahr ausgesetzt und später neu aufgesetzt.

Langquaids Bürgermeister Herbert Blascheck (links) begrüßte Kultusminister Bernd Sibler. Foto: Kugler
Langquaids Bürgermeister Herbert Blascheck (links) begrüßte Kultusminister Bernd Sibler. Foto: Kugler

Werner Forster ist Lehrer an einer Grundschule in Mainburg. Er hat zwei Jahre lang eine Übergangsklasse geleitet, dort sollen Flüchtlingskinder die deutsche Sprache lernen und auf die Regelklassen vorbereitet werden. „Das Problem sind nicht mehr die Kinder von Flüchtlingen“, sagte Forster. „Der Großteil der Schüler mit Migrationshintergrund kommt aus EU-Ländern. Sie und ihre Eltern wollen oft gar nicht unsere Sprache lernen und unsere Werte akzeptieren. Deshalb müssen an sie dieselben Anforderungen zur Integration wie an Asylsuchende gestellt werden“, forderte er. Sibler sagte, dass grundsätzlich dieselben Förderkonzepte für alle gelten würden, aber dass es auf Grund verschiedener rechtlicher Bestimmungen bei Migranten aus der EU tatsächlich oft schwieriger sei, diese umzusetzen.

Kritik an Seehofer

Bei der Asylpolitik der CSU kritisierte Johannes Hartmann das Verhalten von Horst Seehofer. „Wie soll das von Ihnen geforderte Miteinander möglich sein, wenn Seehofer mit seinen Äußerungen Deutschland spaltet?“, fragte er den Kultusminister. „Es ist auch nicht christlich, wenn er Schiffe verurteilt, die im Mittelmeer Menschenleben retten.“ Deutschland habe keine EU-Außengrenzen, man müsse sich auf andere Länder und auf eingegangene Abkommen verlassen können, antwortete Sibler. „Wenn wir das nicht thematisieren, dann wird die AfD noch stärker“ sagte der Kultusminister. Zu Horst Seehofer konkret äußerte er sich nicht.

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