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Berufsschul-Zentrum

Lernen und Sporteln unterm grünen Dach

Neue Werkstatt, Turnhalle, Generalsanierung: Der Kreis investiert ins Berufsschulzentrum Kelheim – weit mehr als geschätzt.
Von Martina Hutzler

  • So soll’s 2024 aussehen, das Berufliche Schulzentrum Kelheim: Rechts, großteils unter Gründach, der Turnhallen- und Werkstatt-Neubau; links das Schulhaus: der vordere Teilneubau wurde 2015 fertig; die zwei Querriegel dahinter werden ab 2022 generalsaniert. Foto/Animation: Architekten Raith/Dömges

Kelheim.Ab nächstem Jahr wird das Berufliche Schulzentrum (BSZ) wieder zur Baustelle: Am Hang in Kelheim-Hohenpfahl wird die alte Werkstatt abgerissen und eine neue gebaut. Im Anschluss erhält das BSZ endlich eine Turnhalle. Sind beide Bauten (westlich vom Schulhaus gelegen) fertig, müssen von 2022 bis 2024 noch Ost- und Westflügel des Schulhauses generalsaniert werden. Für all das muss der Landkreis als Träger der Schule tiefer als anfangs geschätzt in die Kreiskasse greifen: 27,8 Millionen Euro kostet das Großvorhaben nach jetzigem Stand; hält die rasante Preissteigerung am Bau an, könnten bis in sechs Jahren 33,2 Millionen auflaufen.

Auch darauf bereitete Architekt Norbert Raith am Montag den Kreisausschuss schon mal vor, als er dem Kreistags-Gremium die Entwurfsplanung und Kostenberechnung für das Großprojekt vorstellte. Im Vergleich zur noch vagen Vorplanung von 2017 fallen Mehrkosten von 2,7 Millionen Euro an: bei der Werkstatt-Ausstattung sowie bei weiteren Um- und Neuplanungen.

Im MZ-Interview erklärt Johann Huber, Leiter des Beruflichen Schulzentrums, warum die neue Werkstatt viel Geld kostet:

Die Ausstattung der neuen Werkstatt wird deutlich teurer als anfangs geschätzt. Wieso?

Johann Huber: Bei der ersten Abfrage unseres Bedarfs waren wir zu „sparsam“. Wir konnten noch nicht detailliert beantworten, was insbesondere für die neuen Bereiche E-Mobilität und Erneuerbare Energien laut Lehrplan nötig würde. Das ist in der jetzigen konkreten Planung alles berücksichtigt.

Wird sämtliches Werkstatt-Inventar neu angeschafft?

Nein. Der Metallbereich ist großteils ja in unserer Werkstatt bereits abgebildet. Ein Teil der Geräte und Anlagen zieht mit um; ein Teil wird erneuert, etwa veraltete Elektrotechnik.

Was braucht denn die Metallwerkstatt eines Berufsschulzentrums so alles?

Zum Beispiel ein Lehrsystem für das Heizungen mit erneuerbaren Energien wie Wärmepumpe, Photovoltaik, Solar; Motorprüfstände für E-Motoren; Roboter mit Raumlizenzen für die „Industrie 4.0“ und anderes.

Gerade technische Berufe wandeln sich rasant. Lässt sich eine Schul-Werkstatt überhaupt zukunftssicher planen?

Wir wissen natürlich nicht, wohin die Entwicklung – technisch und politisch – etwa bei der E-Mobilität geht. Aber das dürfte sich maximal in der Ausstattung niederschlagen. Die Gebäude sind nach unserer Einschätzung zukunftssicher geplant.

Wie organisieren Sie den Unterricht, wenn 2019 die alte Werkstatt großteils abgerissen wird?

Anfangs haben wir überlegt, Räume in einer Firma anzumieten. Dank der Aufteilung des Abbruch auf zwei Bauabschnitte ist das nicht nötig. Den Bereich, der im ersten Teil wegfällt, können wir großteils in den noch verfügbaren Bereich der Werkstatt verlegen: Die Schweißabteilung zieht zum Beispiel in den dortigen Chemiesaal, den wir ins Hauptgebäude verlegen. Eher wird es dort nochmal richtig eng: wenn in vier Jahren die Generalsanierung von Ost- und Westflügel startet.

Oberstudiendirektor Johann Huber ist seit zwei Jahren Leiter in Kelheim. Zum Amtsantritt hatten wir ihn interviewt:

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Bodenständig an die Schulspitze

Johann Huber leitet jetzt das Berufliche Schulzentrum Kelheim. Der Posten erinnert ihn an den eines Unternehmens-Chefs.

Zweiteilung bewahrt vorm Exil

Rund 200 000 Euro Mehrkosten entstehen, weil der Neubau auf zwei Bauabschnitte verteilt wird. Das kostet zwar rund 200 000 Euro mehr. Aber so kann in Abschnitt eins ein kleinerer Teil der alten Werkstatt noch stehen bleiben; möglich ist dies, weil die neue Werkstatt viel tiefer in den Hang hinter der Schule hineingebaut wird. Den Altbau-Rest nutzt die Schule noch für den Praxis-Unterricht und braucht daher keine externe Werkstatt anzumieten. Nach Umzug in die neue Werkstatt wird der restliche Altbau in Abschnitt zwei abgerissen; an der Stelle entsteht die neue Turnhalle samt Sanitärräumen.

So soll’s 2024 aussehen, das Berufliche Schulzentrum Kelheim: Rechts, großteils unter Gründach, der Turnhallen- und Werkstatt-Neubau; links das Schulhaus: der vordere Teilneubau wurde 2015 fertig; die zwei Querriegel dahinter werden ab 2022 generalsaniert. Foto/Animation: Architekten Raith/Dömges
So soll’s 2024 aussehen, das Berufliche Schulzentrum Kelheim: Rechts, großteils unter Gründach, der Turnhallen- und Werkstatt-Neubau; links das Schulhaus: der vordere Teilneubau wurde 2015 fertig; die zwei Querriegel dahinter werden ab 2022 generalsaniert. Foto/Animation: Architekten Raith/Dömges

Die Einfach-Turnhalle bekommt einen Zugang von der Schule aus, und einen von außen, aus Richtung der Parkplätze: So könnte sie zum Beispiel für Vereinssport genutzt werden, ohne dass die Sportler den Schulbereich betreten, erklärte Architekt Raith.

Werkstatt und Halle werden in Holzbauweise errichtet: mit Brettsperrholz-Platten in einer Stahlrahmen-Konstruktion.

Rund 150 000 Euro mehr als ein reines Blechdach kostet es, auf einen Großteil von Werkstatt und Halle ein Gründach zu packen. Das sei aber absolut sinnvoll, betonte Raith mit Blick auf den Klimawandel und immer häufigere Starkregen-Ereignisse. Das bepflanzte Dach, ergänzt um einen Pufferspeicher (Rigole) fängt Niederschlags-Spitzen ab und gibt sie mengen-reduziert und zeitverzögert an die Kanalisation ab – so wie es der Abwasserzweckverband fordert. Das erläuterte Fachplaner Jörg Frauenknecht vom Ingenieurbüro Breyer.

Der Wartungsaufwand fürs grüne Dach sei überschaubar; er refinanziere sich locker durch die Einsparung bei den Abwassergebühren, erfuhr Kreisrätin Petra Högl. Die von Kreisrat Richard Zieglmeier vorgeschlagene Regenwasser-Nutzung für die Toiletten im BSZ lehnten Planer wie auch Landrat Martin Neumeyer ab: zu aufwändig, weil die WCs in Ost- und Westflügel bereits erneuert worden sind.

Ingenieur Frauenknecht stellte das Energiekonzept vor. In den Bestandsgebäuden ändert sich nichts: Die beiden Gasbrennwert-Kessel und die Wärmepumpe bleiben wie bisher im Einsatz. Die neue Werkstatt und Turnhalle, in Passivhaus-Bauweise geplant, werden hauptsächlich über eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe, also mit Umgebungswärme, beheizt. Das System wird so konstruiert, dass es bei Hitze auch ein wenig zur Abkühlung beiträgt. Kreisrat Martin Huber kritisierte allerdings den hohen Stromverbrauch des Energiesystems.

Der Strom kommt vom Dach

Dem muss die künftige Stromversorgung der Schule Rechnung tragen und auch dem Mehrbedarf in Werkstatt, Turnhalle, Unterricht: Der Strombedarf werde sich insgesamt verdoppeln, erklärte Fachplaner Helmut Pöhler (Varoplan). Angesichts dieses hohen Bedarfs rentiere sich eine Photovoltaik-Anlage, begründete Pöhler, warum Kreisverwaltung und Planer die entsprechende Anregung von Kreis-Umweltbeauftragtem Peter-Michael Schmalz realisiert haben: Der nicht verschattete Teil der Schul-Dachlandschaft wird mit insgesamt 93 Kilowatt peak Anlagenleistung ausgestattet; fast 92 Prozent des erzeugten Stroms nutze die Schule selbst. Die 140 000 Euro-Investition amortisiere sich daher binnen etwa acht Jahren, so Pöhler.

Neben diesen planerischen Ergänzungen und Aktualisierungen schlägt die erwartete Steigerung bei den Baupreisen zu Buche, erklärte Architekt Norbert Raith. Zu knapp einer Million Mehrkosten habe das schon im Vergleich zur ersten Kostenschätzung geführt. Wenn es weiter bei einer Preissteigerung von rund fünf Prozent jährlich bleibe, könnten die Kosten von den berechneten 27,8 auf 33,2 Millionen Euro steigen, warnte er die Kreisräte vor.

Der Landkreis als Träger der Schule muss Gebäude und Ausstattung finanzieren; erhält dafür aber staatliche Förderung. Der erste Förderantrag muss bis Ende der Woche an der Landshuter Regierung vorliegen. Die Kreisausschuss-Mitglieder legten dem keine Steine in den Weg: Einstimmig billigten sie die vorgelegte Entwurfsplanung und Kostenberechnung.

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