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Advent

„Mammut“ wird Christbaum

Der über 30 Jahre alte Exote, der in Kelheim wuchs, ist eine Besonderheit beim Kelheimer Christkindlmarkt.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

14 Meter ist der weihnachtliche Mammutbaum am Stadtplatz hoch. Foto: Krenz
14 Meter ist der weihnachtliche Mammutbaum am Stadtplatz hoch. Foto: Krenz

Kelheim.Welcher Christbaum bekommt schon regelmäßig Besuch von seinem Züchter? Den Mammutbaum auf dem Kelheimer Stadtplatz besucht sein einstiger Besitzer Hans Zott (90) immer wieder. „So oft es geht“, fährt er mit dem Radl in die Altstadt oder geht zu Fuß dorthin, weil „i grüß Gott sag‘ dazu“.

Der grüne „Mammut“ ragt 14 Meter in den Himmel und hat einen Stammdurchmesser von circa 50 Zentimetern. Der pyramidenförmige Riese ist eine Attraktion in der vorweihnachtlich geschmückten Altstadt. Er hat sich in der niederbayerischen Stadt Kelheim vom Samen zum mächtigen Baum entwickelt. Aber auf hunderte oder tausende Jahre, wie eine solche Art erreichen soll, bringt er es nicht, denn er ist in dem Garten in der Bauersiedlung zu groß geworden und wurde der Stadt gespendet.

Jedoch gegenüber seinen Kameraden, die mit ihm dort aufgewachsen sind, hat er nach dem Fällen bis in die zweite Woche des neuen Jahres noch einen ganz besonderen Auftritt in der Kreisstadt. Als sein Sohn Thomas als Berufssoldat ein Jahr in den USA war, hat er nach Auskunft seines Vaters Hans Zott 1984 „a Butzkuh mitbracht“ und zum Papa gesagt: „,Vielleicht konnst da a Bamerl draus macha.‘“

Freude über die Sämlinge

Hans Zott sen., der aus einer Landwirtschaft stammt, klopfte die Samen aus dem Zapfen eines Mammutbaumes, der die Reise über den Großen Teich hinter sich hatte, und setzte sie in die Erde in den etwa 50 Zentimeter langen und 30 Zentimeter breiten Behälter aus Ofenrohrblech. Am Anfang stellte er diesen auf die Fensterbank in der Garage und goss regelmäßig. Die Bemühungen, im niederbayerischen Kelheim Mammutbaum-Samen zum Sprießen zu bringen, war von Erfolg gekrönt. Es gingen „36 Pflanzl“ auf.

Hans Zott mit dem von ihm großgezogenen Mammutbaum. Foto: Bachmeier-Fausten
Hans Zott mit dem von ihm großgezogenen Mammutbaum. Foto: Bachmeier-Fausten

Sicherlich habe er sich gefreut, „no mehr da Bua“ und die ganze Familie, dass von den Samen so viele aufgegangen waren. Das ging aber nicht von heute auf morgen. „Es hat schon a Vierteljahr, halbes Jahr gedauert“, bis man gemerkt habe, „dass komma“. Als die Baumpflänzchen ungefähr eine Größe von zehn Zentimetern erreicht hatten, setzte sie Hans Zott sen. in Blumentöpfe. Und was wurde aus den 36 Mammutbaum-Pflänzchen dann? Seine Söhne Thomas und Hans hätten welche mitgenommen.

Einer ist nur 80 Zentimeter hoch

Während der Zeit, als Sohn Thomas einen Auslandseinsatz gehabt habe, seien ihm die Pflänzchen eingegangen, da sie niemand gegossen habe. Sohn Hans seien auf dem Balkon bis auf eine Pflanze alle anderen eingegangen. Die eine habe er wieder zurückgebracht und gesagt: „,Pap, vielleicht bringsts Du durch‘“, so der Vater. Er versuchte sein Glück und setzte den Mini-Mammutbaum in die Erde bei der Terrasse. Als einige Jahre später ein Wintergarten gebaut wurde, kam der kleine Mammutbaum auf dem Grundstück an der Schwalbenstraße an einen neuen Standort bei den anderen Artgenossen, die dort schon waren. „Und da steht er heid no und ist höchstens 80 Zentimeter groß“, so Hans Zott.

Düngen war nicht nötig

Ein Mammutbaum „wächst wie ein normaler Nadelbaum mit Jahresringen, bloß dass er bedeutend älter wird“. Zu düngen, habe er „net braucht“. Der Kelheimer, der gerne in der Natur ist, erwähnt, dass die Mammutbäume im Garten von „Leuten bewundert wurden“. Nun kann einer von ihnen im Lichterglanz mitten in der Altstadt betrachtet werden.

Mithilfe eines Kranwagens eines Betriebs ist der größte der Mammutbaum-Gruppe aus dem Garten gehoben worden. Nach Auskunft von Bauhofleiter Günther Biebl „haben auch Kollegen vom Stadtwald beim Fällen mitgeholfen“. Um etwa acht Meter war der Stamm von unten her bereits an Ort und Stelle gekürzt worden.

Weihnachtliches Kelheim

Auf dem Kranwagen des Bauhofes erfolgte dann der Transport des grünen Riesens unter Begleitung der Feuerwehr zur Altstadt. In der letzten November-Woche hielt das Prachtexemplar auf dem Ludwigsplatz gegenüber dem Rathaus Einzug. Dort kam der Stamm dann in den Ständer, eine vorhandene sogenannte Bodenhülse. Von fünf Mammutbäumen habe man sich in diesem Spätherbst getrennt, „weil‘s einfach zu groß und zu breit wurden“, sagt Hans Zott sen.. Er erwähnt die lange Diskussion im Vorfeld darüber, was getan werden soll. Die Trennung von den Eigenzüchtungen sei der „ganzen Familie sehr schwergefallen“, sagt der Senior. Man freue sich aber, dass das größte Exemplar nun auf dem Stadtplatz stehe.

Als das Spendenangebot für den Mammutbaum eingegangen war, habe er, so Biebl, sich beim Bürgermeister erkundigt, ob der grüne Riese aufgestellt werden dürfe, „weil‘s kein typischer Weihnachtsbaum für unsere Verhältnisse ist“. Es gab grünes Licht. Kelheims Bauhofleiter Günther Biebl sagt, er sei seit von Anfang an von dem Bergmammutbaum begeistert. Das Exemplar auf dem Stadtplatz ist mit circa 280 Lichterkerzen geschmückt und zieht sicherlich in den nächsten Wochen noch viele Blicke auf sich. Seinen einstigen Artgenossen ist auch eine schmückende Rolle zugekommen – ihre Zweige wurden zum Binden von Kränzen und für Torbögen genutzt.

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Die ältesten sind über 2560 Jahre alt

  • Bezeichnung

    Der Riesenmammutbaum, auch Bergmammutbaum oder Wellingtonie genannt, ist die einzige Art in der monotypischen Pflanzengattung Sequoiadendron in der Unterfamilie der Mammutbäume innerhalb der Familie der Zypressengewächse.

  • Beheimatet

    Die Heimat des Riesenmammutbaumes liegt an den Westhängen der Sierra Nevada in Kalifornien in Höhenlagen zwischen 1350 und 2500 Meter. Dort wächst er in Hainen, sogenannten „Groves“, in voneinander isolierten Talschluchten.

  • Alter

    Der Riesenmammutbaum wird bis zu 95 Metern, sein Verwandter, der Küstenmammutbaum, kann bis zu 115 Meter hoch werden. Die ältesten Exemplare des Riesenmammutbaums sind über 2560, vielleicht auch bis zu 3900 Jahre alt. Quelle: Wikipedia

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