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EU-Wahl

Manfred Weber holt sich Heimvorteil ab

Die CSU ist klare Wahlsiegerin im Kreis Kelheim – und die SPD ebenso klar die Verliererin, überholt von Grünen und der AfD.
Von Martina Hutzler

Manfred Weber bei der Stimmabgabe in seiner Heimatgemeinde Wildenberg. Dort und in Kirchdorf kam die CSU auf jeweils rund drei Viertel aller Stimmen.  Foto: Christof Stache, AfP
Manfred Weber bei der Stimmabgabe in seiner Heimatgemeinde Wildenberg. Dort und in Kirchdorf kam die CSU auf jeweils rund drei Viertel aller Stimmen. Foto: Christof Stache, AfP

Kelheim.Die CSU erzielt den „Weber-Bonus“, die SPD verliert fast allerorten ihren Platz zwei bei den Wählerstimmen, den nunmehr wahlweise die Grünen oder die AfD ergattern: So lassen sich im Kreis Kelheim die Europawahl-Ergebnisse der stimmenstärksten Parteien zusammenfassen. Verglichen mit 2014 ist die Wahlbeteiligung kreisweit satt gestiegen, von knapp 38 auf 60 Prozent.

Allerorten hatten die Wahlhelfer – im Bild  der  Herrnsaaler Wahlvorstand Hannes Zitzelsberger beim Entleeren der Wahlurne –  diesmal mehr zu tun als bei der Europawahl 2014: Die Wahlbeteiligung ist auch im Kreis Kelheim deutlich gestiegen. Foto: Hutzler
Allerorten hatten die Wahlhelfer – im Bild der Herrnsaaler Wahlvorstand Hannes Zitzelsberger beim Entleeren der Wahlurne – diesmal mehr zu tun als bei der Europawahl 2014: Die Wahlbeteiligung ist auch im Kreis Kelheim deutlich gestiegen. Foto: Hutzler

Mit 56,41 Prozent Stimmenanteil ist die CSU im Kreis Kelheim die klare Wahlsiegerin. In fast allen Gemeinden legte sie zu; nur im Landkreis-Süden musste sie einige leichte Verluste hinnehmen. Entsprechend zufrieden war Kreisvorsitzender Martin Neumeyer am Abend: „Wahlbeteiligung steigern und über dem Trend abschneiden – beides haben wir erreicht! Ein super Ergebnis“, freut sich Neumeyer über die starke Schützenhilfe für „unseren Manfred“ Weber, den Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei. In seinem Heimatort Wildenberg holte die CSU fast drei Viertel aller Stimmen – und im nahen Kirchdorf sogar etwas mehr als das: 75,61 Prozent.

Befreit jubeln wollten Martin Neumeyer und die Besucher der „schwarzen Wahlnacht“ in der Kreis-Geschäftsstelle am Sonntagabend indes noch nicht. Das wäre erst angesagt, wenn der Wildenberger Weber tatsächlich EU-Kommissionspräsident werden würde – beim europaweiten Trend derzeit alles andere als sicher.

Immerhin befand Manfred Weber selbst am Abend in Brüssel: „Dieser Rückenwind aus Niederbayern ist für mich eine wertvolle Unterstützung, um in den kommenden Tagen und Wochen das Amt des EU-Kommissionspräsidenten anzustreben.“

SPD-Kreisvorsitzende ist ratlos

Das Wort „dramatisch“ ist arg strapaziert, aber für die SPD wohl angemessen. Die einstige Volkspartei rutscht im Kreis Kelheim von knapp 16 auf 5,94 Prozent ab. „Da weiß ich wirklich nicht mehr, was ich sagen soll. Das ist schwer auszuhalten für mich“, gesteht Kreisvorsitzende Johanna Werner-Muggendorfer ratlos ein. Klar sei es im Heimat-Landkreis des EVP-Spitzenkandidaten besonders schwer zu punkten.

Manfred Weber bei der Stimmabgabe in seiner Heimatgemeinde Wildenberg. Dort und in Kirchdorf kam die CSU auf jeweils rund drei Viertel aller Stimmen.  Foto: Christof Stache, AfP
Manfred Weber bei der Stimmabgabe in seiner Heimatgemeinde Wildenberg. Dort und in Kirchdorf kam die CSU auf jeweils rund drei Viertel aller Stimmen. Foto: Christof Stache, AfP

Aber auch mit Blick auf landes- und bundesweite Zahlen „fällt einem wirklich nichts mehr ein“, so die frühere Landtagsabgeordnete. Gerade in ihrer eigenen Heimatstadt, der einstigen SPD-Hochburg Neustadt, ist der Fall besonders tief, von fast 20 auf knapp sieben Prozent. In keiner einzigen Landkreis-Gemeinde schafften die Sozialdemokraten noch zweistellige Werte.

Damit dürfte klar sein, wo die beiden Gewinner des Wahltags auch im Kreis Kelheim ihre Zuwächse vor allem geholt haben. Grüne und AfD legen, wie im bundesweiten Trend, auch in den 24 Kommunen des Landkreises jeweils teils deutlich zu und wechseln sich auf den Plätzen zwei und drei ab.

Grüne als zweitstärkste Kraft

Unterm Strich schneiden die Grünen mit 10,42 Prozent als zweitstärkste Kraft im Landkreis ab. In einigen Gemeinden wie Mainburg, Painten oder Langquaid konnten sie ihren Stimmenanteil mehr oder weniger verdoppeln; in Bad Abbach kamen sie auf gut 16 Prozent. Nach dem 7,30 Prozent-Ergebnis bei der EU-Wahl 2014 ist denn auch Kreis-Vorstandssprecher Daniel Stephan zufrieden mit dem „sehr positiven“ Kreisergebnis. Es bestätige sich der allgemeine Trend pro Grüne, „und das zeigt, dass unsere Politik die richtige ist.“ Dass der Aufwind in Kelheim nicht so stark ausfällt wie im Bundestrend, ficht ihn wenig an: Bayern sei nun mal anders, zumal der EVP-Spitzenkandidat von hier stamme.

Wildenberg als Heimatort von Manfred Weber rückte heute in den Mittelpunkt des bundesweiten Interesses – als der EVP-Spitzenkandidat hier seine Stimme abgab:

Europawahl

Ganz Europa blickt nach Wildenberg

Knapp 60 Pressevertreter sind bei der Stimmabgabe von Manfred Weber dabei – das wird manchem Wildenberger zu viel.

Um knappe drei Prozentpunkte hat die AfD im Landkreis zugelegt – „aus meiner Sicht ein wunderbares Ergebnis“, kommentiert Kreisvorsitzende Elena Fritz die 8,93 Prozent ihrer Partei auf Kreisebene. Mit Ausnahme von Train (wo die AfD aber auch diesmal zweitstärkste Kraft wurde) legte die Rechtsaußen-Partei allerorten zu, am deutlichsten in Essing und Aiglsbach, wo sie auf jeweils gut 10 Prozent kam. Das sei umso bemerkenswerter, als der Kelheimer Kreisverband erst heuer im Februar gegründet wurde, so die Kreisvorsitzende Fritz. Geglückt sie dies mit Plakaten und Wahlveranstaltungen.

Keine sonst über fünf Prozent

Alle übrigen Parteien erreichten im Kreis Kelheim zusammen 18,33 Prozent; keine einzelne hat mehr als fünf Prozent. Die Freien Wähler verbessern sich leicht von 4,27 auf 4,50 Prozent – „zufriedenstellend“, findet Kreisvorsitzender Christian Nerb. Die ÖDP musste leichte Verluste hinnehmen, von 4,07 auf 3,49 Prozent. Das müsse man im Detail analysieren, so Kreisvorsitzender Peter-Michael Schmalz. Alle anderen Parteien blieben jeweils unter zwei Prozent.

Die Ergebnisse aus ganz Ostbayern finden Sie im Beitrag Europawahl: So hat Ostbayern gewählt

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