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Marlene, Max und der Räuber Rotzbart

Marion Forster-Grötsch schrieb das Kinderbuch „Ich pfeif auf den gelben Stern“. Es geht um eine Freundschaft in der NS-Zeit.
Von Angelika Lukesch

Die Lehrerin Marion Forster-Grötsch aus Bad Abbach hat Träume für ihr neues Buch verarbeitet. Es erzählt von einer Freudschaft in Regensburg im Dritten Reich. Foto: Lukesch
Die Lehrerin Marion Forster-Grötsch aus Bad Abbach hat Träume für ihr neues Buch verarbeitet. Es erzählt von einer Freudschaft in Regensburg im Dritten Reich. Foto: Lukesch

Bad Abbach.Sie sagen, Sie würden von nächtlichen Träumen zu Ihren Geschichten inspiriert! Erzählen Sie davon!

Oft sind es wirklich Träume, die mich zum Schreiben animieren. Durch meinen Beruf begegne ich aber auch immer wieder spannenden Menschen, die förmlich nach einer Verarbeitung in meinen Büchern schreien. Ich beginne am Tag zu schreiben und nachts nehmen die Geschichten in meinem Kopf weitere Formen an. Die Personen beginnen zu leben und ein eigenes Handeln zu entwickeln. So ähnlich war es auch mit „Ich pfeif auf den gelben Stern!“. Ich träumte, stand nachts auf und skizzierte die Geschichte am Computer. Mein Mann weiß dann schon Bescheid.

Wodurch werden Ihre nächtlichen Träume genährt?


Das Schicksal der Juden während des Nationalsozialismus hat mich schon immer bewegt. Durch meinen Beruf weiß ich, dass Kinder sehr wissbegierig diesbezüglich sind und viel Einzelwissen angehäuft haben. Aus den Kindern sprudelt es meist nur so heraus, wenn man im Unterricht das Thema „III. Reich“ anspricht. Mein Job ist es dann, im Unterricht dieses Wissen zu sortieren und zu erweitern.

Die Lehrerin Marion Forster-Grötsch aus Bad Abbach hat Träume für ihr neues Buch verarbeitet. Es erzählt von einer Freudschaft in Regensburg im Dritten Reich. Foto: Lukesch
Die Lehrerin Marion Forster-Grötsch aus Bad Abbach hat Träume für ihr neues Buch verarbeitet. Es erzählt von einer Freudschaft in Regensburg im Dritten Reich. Foto: Lukesch

Wofür interessieren sich Kinder bei diesem Thema besonders?

Kinder sind unvoreingenommen, sie wollen viel wissen und werden nachdenklich, wenn sie vom Umgang mit den Juden während des Nationalsozialismus erfahren. Sie finden es ungerecht. Manche empören sich sehr darüber. Ich versuche natürlich, den Wahnsinn dieser Zeit mit kindgerechter Sprache zu formulieren. Oft genügt das, um ein Gespräch in Gang zu bringen, bei dem die Kinder vom Opa, vom Uropa oder vom Krieg erzählen. Und da schließt sich dann wieder der Kreis: Man muss Kindern erzählen, sie in den Arm nehmen und ihnen von klein an eine Gelegenheit geben, das leere Buch in ihrem Kopf mit Bildern zu bemalen.

Sie schreibt für Kinder und Erwachsene

  • Marion Forster-Grötsch

    ist eine gebürtige Regensburgerin, lebt aber schon immer in Bad Abbach. Sie ist Lehrerin und seit 2003/2004 unterrichtet sie in an der Staatlichen Realschule in Riedenburg die Fächer Deutsch, Geografie und katholische Religionslehre.

  • Die Autorin

    hat bereits vier Kinder- und Jugendbücher geschrieben (Trilogie „Das Geheimnis von Mikosma“ und „Finiola – plötzlich verwachsen“). Auch zwei Krimis für Erwachsene stammen aus ihrer Feder: „Galgenäcker“ (Spielberg Verlag) und „Krumme Gurkerl“ (Sutton Verlag).

Es ist ein schweres Thema, das Sie sich als Geschichte ausgesucht haben. Wie gehen Sie vor?

Ich habe von zwei Kindern geträumt, einem Mädchen und einem Jungen, deren Freundschaft mehr zählt als Vorurteile. Der Junge war bereits in meinen Träumen ein Jude. Das Mädchen Marlene versteht die Welt der Erwachsenen nicht. Obwohl sie nachfragt, will und kann ihr kein Erwachsener das ideologische Denken von damals erklären. Die Schule ist ein Albtraum: Tagtäglich steht Marlene einem hitlertreuen Lehrer gegenüber. Ihre Mutter hat keine Zeit für sie, einen Vater hat sie nicht. Sie ist Außenseiterin in der Klasse, weil sie die Zeichen dieser Zeit albern findet. So macht sie sich über den Hitlergruß oder das Porträt des Führers lustig, das im Klassenzimmer hängt, und wird dafür vom Lehrer bestraft. Das Mädchen ist todunglücklich in dieser harten Zeit. Doch plötzlich taucht Max auf. Er bringt Marlene zum Lachen und akzeptiert sie.

Wie konnten Sie sich in die Seele eines Mädchens im Nationalsozialismus einzufühlen?

Da das Thema sehr ernst ist, habe ich Marlene, die etwa zehn Jahre alt ist, mit lustigen Gedanken ausgestattet. Eine ihrer Charaktereigenschaften ist es, sich witzige Namen für Dinge zu überlegen, die sie nicht versteht. So bezeichnet sie Adolf Hitler wegen seines Bartes und seines strengen Auftretens zum Beispiel als Räuber Rotzbart. Die Gestapo beschreibt sie als tiefbemalte Finsterlinge. Vor denen hat sie Angst.

Die Stolpersteine der Familie Heymann liegen in der Dechbettener Straße. Foto: Forster-Grötsch
Die Stolpersteine der Familie Heymann liegen in der Dechbettener Straße. Foto: Forster-Grötsch

Wie haben Sie recherchiert?

Nachdem die Geschichte geschrieben war, machte ich mich auf die Suche nach einem passenden „Körper“ für meine Helden. Schnell stieß ich bei meinen Recherchen auf die Familie Heymann in Regensburg. Meine Geschichte ist frei erfunden und deckt sich in keiner Weise mit dem Leben und Schicksal der echten Familie. Und doch haben mich die Vier während des Schreibens begleitet. Sie gaben meinen Helden ein Gesicht und eine Stimme. 1942 wurde die Familie deportiert. Im polnischen Piaski verliert sich ihre Spur. Beeindruckt haben mich die Stolpersteine, die vor Norberts Haus im Boden eingelassen sind. So konnte ich dieser kleinen Familie wenigstens ein klein wenig Unsterblichkeit verleihen.

An Kinder welchen Alters richtet sich Ihr Buch?

Ich denke, dass Kinder ab der 4. Klassen den Inhalt verstehen, da die Freundschaft meiner beiden Helden im Vordergrund steht. Dazu gibt es auch Unterrichtsmaterialien.

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