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Bildung

Medienkompetenz als Unterrichtsfach

Die Grundschule Offenstetten ist niederbayernweit die einzige Schule, die ein derartiges Projekt anbietet. Die Kinder sollen Stück für Stück lernen.
Von Walter Dennstedt

Schüler der Realschule helfen den Erstklässlern beim iPad-Erkunden. Foto: Abeltshauser

Offenstetten.Das Ziel ist hehr, die Aufgabe mannigfaltig: Wie Kindern und Jugendlichen lehren, richtig und verantwortungsbewusst mit Medien, Schwerpunkt Neue Medien, umgehen? Die Grundschule Offenstetten unter Leitung von Rektorin Liane Köppl ist nicht nur landkreis- sondern auch niederbayernweit die einzige Grundschule, die sich „Referenzschule für Medienbildung“ nennen darf.

Es geht darum, dass Lehrer an dieser Schule, nämlich Liane Köppl und ihre Kollegin Barbara Stegbauer, bei Fortbildungen den Umgang mit den neuen Medien lernen, dabei sowohl didaktisches als auch rechtliches Rüstzeug an die Hand bekommen und dieses Wissen an die Kinder weitergeben. Zudem sollen die beiden Lehrerinnen im Schneeballsystem ihr Wissen an die KollegInnen weitergeben, schulübergreifend.

Die technischen Voraussetzungen stimmen in Offenstetten, 40 iPads stehen zur Verfügung, mit denen Kinder arbeiten können und so war es nicht verwunderlich, dass nach Zustimmung der Lehrer, des Elternbeirats und nicht zuletzt des Sachaufwandsträgers, der Stadt Abensberg, der Antrag als Referenzschule eingereicht werden konnte. Der wurde positiv beschieden. Damit ist die Grundschule Offenstetten eine von derzeit bayernweit 118 Schulen. Dabei sind Grundschulen eher rar in der Liste, meist haben sich Gymnasien und Realschulen für das Modellprojekt beworben.

Nicht das Kind alleine lassen

Im Kern ist die Zielsetzung des Projekts mit einem Satz zu beschreiben: Nicht das Kind am Computer alleinlassen, sondern ihm den verantwortungsvollen Umgang lehren. Dazu haben die Praktiker ein breites Themenspektrum entwickelt, das bereits beim Abc-Schützen ansetzt und bei Gymnasiasten noch lange nicht aufhört.

Bei einem Elternabend, so teilt Köppl mit, habe sich bei einer Umfrage ergeben, dass 100 Prozent der Eltern sowohl Fernseher als auch Computer nutzen, rund 80 Prozent aller Eltern besitzen Digitalkameras, beim iPad liegt die Rate derzeit noch bei, im Vergleich mageren, 30 Prozent – Tendenz steigend.

Dabei, so der gesellschaftspolitische Ansatz, wachsen Kinder heutzutage mit der Nutzung des Internets auf. Waren es vor 15 Jahren noch Computerspiele, so sind mittlerweile Facebook, Whatsapp und Twitter die essenziellen Bestandteile einer Gesellschaft, die sich immer mehr vernetzt und, positiv ausgedrückt, das weltweite Wissen bereitstellt. Freilich, es gibt auch mannigfaltige Gefahren im Internet, denen Kinder ausgeliefert sind.

Der didaktische Ansatz zielt deshalb darauf ab, den Kleinsten in einem ersten Schritt beizubringen, wie man einen Computer bedient. In einem weiteren Schritt wird dann versucht, Kinder darauf zu sensibilisieren, wie sie mit Situationen umgehen lernen, die sie noch nicht kennen. Oder, einfacher ausgedrückt: Die Kinder sollen Medien für sich nutzen, nicht die Medien die Kinder.

Was verbirgt sich hinter den Tasten

Ganz konkret sieht dies so aus, dass die Erstklässler in Offenstetten nun beispielsweise lernen, wie man die Geräte ein- und ausschaltet, wie man die Maus bedient, die Enter-, Pfeil- und Entfernentaste. Beim iPad lernen die Abc-Schützen zum Beispiel, wie man ein Foto damit aufnimmt. Zudem werden sie ans Internet herangeführt, indem man ihnen zeigt, wie sie einen Browser öffnen und eine kindgerechte Suchmaschine einstellen.

In der vierten Klasse ist der Lehrinhalt bereits einen Quantensprung anspruchsvoller: Hier sollen die Kinder sich eigenständig im kindersicheren Internet bewegen, Bilder aus dem Internet herunterladen und dabei die Urheberrechte beachten.

Aufgebaut sind die einzelnen Module wie ein Lehrplan. Darin enthalten sind beispielsweise das Projekt Antolin (eine Lernplattform zum Lesenlernen), integriert ist zum Beispiel auch eine Tonaufnahme. So haben Erstklässler im vergangenen Dezember zu Weihnachten ein Gedicht gesprochen, das sie den Eltern dann auf einer CD als Geschenk überreichten. Dabei, so berichtet Köppl, seien die Schülerinnen und Schüler durchaus selbstkritisch, wenn sie beispielsweise beim Vortragen stockten, und besserten nach. Auch das sei ein Lerneffekt, durchaus auch für die Lehrer.

So wird Schritt für Schritt das Wissen der Kinder aufgebaut, bis hin zur vierten Klasen, in der bereits ein Film gedreht wird. Flankierend werden die Kinder dabei auch in Mediensicherheit unterrichtet: Wie muss ein sicheres Passwort aussehen? Was bedeutet Login, was Logout? Die zweite Klasse lernt, das Passwort zu ändern und was es mit den Altersfreigaben auf sich hat. Die dritte Klasse übt sich in Textrecherche und behandelt das Thema Profilbild. „Wichtig ist vor allem die Aufklärung“, sagt Köppl, „wir wollen die Kinder zur Verantwortlichkeit erziehen. So lautet denn folgerichtig in der vierten Klasse das Thema „persönliche Daten im Netz schützen“. Behandelt werden dabei bereits die Portale Facebook und Youtube.

Köppl hat vor kurzem 160 Eltern zu Gast gehabt, die sich für das Thema interessierten. Sie durchliefen auch einzelne Workshops, wo ihnen gezeigt wurde, mit welcher Technik ihre Kinder mittlerweile umgehen. Und so mancher Elternteil staunte Bauklötze, was die Kleinen schon jetzt können, als er die Arbeitsergebnisse sah.

Und noch einen Nebeneffekt haben Computer oder Tablet: Sie erfreuen sich ungebrochener Anziehungskraft bei den Kindern und beim Schreibenlernen sei es effektiver als die Art und Weise, wie bisher das Schreiben gelehrt wurde. Auch beim Lesen zeigten die Kinder oftmals mehr Eifer als vor einem herkömmlichen Schulbuch.

So arbeiten Neue Medien und „alte“ Medien Hand in Hand. Ihr Wissen geben die Lehrer weiter, damit bald viele weitere Schulen sich in der Medienbildung kompetent bezeichnen dürfen.

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