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Region Kelheim
Mittwoch, 15. August 2018 26° 6

Nationalpark

Mehr Naturschutz statt „np3“

Das verkündete Aus für einen Nationalpark trifft im Landkreis Kelheim auf viel Gegenliebe – doch es gibt auch Forderungen.
von Benjamin Neumaier

Kurvenreich wie die Donau in der Weltenburger Enge war die Debatte um einen dritten Nationalpark. Nun ist das Thema vom Tisch. Foto: Firmin Forster
Kurvenreich wie die Donau in der Weltenburger Enge war die Debatte um einen dritten Nationalpark. Nun ist das Thema vom Tisch. Foto: Firmin Forster

Kelheim.Bayern soll in absehbarer Zeit nun doch keinen dritten Nationalpark (np3) bekommen. Die Idee solle endgültig zurückgestellt werden, kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch – wie erwartet – in seiner Regierungserklärung im Landtag an. „Ein dritter Nationalpark wird nicht helfen, die Schöpfung zu bewahren“, sagte er. Er legte damit angesichts vieler Widerstände in den möglichen Regionen ein Projekt seines Vorgängers Horst Seehofer auf Eis. Stattdessen sollen Naturparke gestärkt werden. Zudem soll in den zuletzt diskutierten Regionen für einen dritten Nationalpark – dem Spessart, der Rhön und der Donau-Region von Kelheim bis Donauwörth – verschiedene Umweltbegegnungsstätten entstehen.

Bündnis fühlt sich bestätigt

Diese Ankündigung Söders löste im Landkreis Jubel aus – bei der IG Unsere Donau. Die Interessengemeinschaft aus Kanu-Club, Bauernverband, Fischereivereinen, dem Deutschen Alpenverein, Waldbesitzern, Kreisjagdverband, Zillenfahrern oder den Kelheimer Schifffahrtsunternehmen sieht sich in ihrem Kampf gegen den np3 bestätigt, sagt Bündnissprecherin Renate Schweiger: „Wir haben die Nachricht mit viel Wohlwollen aufgenommen. Es ist genau das gekommen, was wir uns gewünscht haben: Das Aus eines Nationalparks vor unserer Haustür, aber dafür gebündelte Aktionen und Investitionen in den Naturschutz. Genau das haben wir in unserer Agenda ja immer wieder gefordert.“

Die IG Unsere Donau formierte sich in Kelheim. Foto: Neumaier
Die IG Unsere Donau formierte sich in Kelheim. Foto: Neumaier

Die beinhaltete auch einen „Stützpunkt für den Naturschutz“ – undein solches Umweltzentrum sieht Schweiger für Kelheim nach den Worten Söders „nun mehr als möglich. Dazu bietet sich das Wittelsbacher Schloss ja regelrecht an. Es liegt direkt am Eingang beziehungsweise Ausgang der Weltenburger Enge, gehört dem Freistaat und ist aktuell nicht genutzt.“ Man wolle von Seiten der IG nun auf „alle Verantwortlichen der Regierung, des Landkreises, der Stadt Kelheim oder von Tourismusverbänden einwirken, um in diese Richtung etwas zu bewegen“, sagt Schweiger.

Eine Vision für die Zukunft

  • Umweltzentrum:

    Das Wittelsbacher Schloss in Kelheim steht seit dem Auszug des Landratsamtes leer. Landrat Martin Neumeyer wünscht sich dort nun den Einzug eines „Umweltzentrums“. Er könne sich vorstellen, „dass man unsere Landschaft mit all ihren Eigen- und Besonderheiten in ihrer kompletten Entwicklung darstellt. Man müsste erläutern, was die Donau als Lebensader für die Region bedeutet. Pädagogisch und modern aufbereitet. Für Schulklassen, Touristen, Einheimische.“ Diese Entwicklung wünscht sich auch die IG Donau, sagt Renate Schweiger: „Dafür ist das Areal prädestiniert. Damit das klappt, müssen aber Stadt, Landkreis und Regierung an einen Tisch.“

  • IG Unsere Donau:

    Am 20. Dezember 2017 wurde die „Unsere DONAU – gemeinsam STARK IG“ gegründet.

  • Die IG besteht aus: Kanu-Club Kelheim e.V., Vereinigte Schifffahrtsunternehmen Kelheim GbR, Bayerischer Bauernverband, Kreisfischereiverein Kelheim e.V., Altmühl-Fischerei-Verein Riedenburg e.V., Neustädter Fischerfreunde e.V., Sektion Kelheim des DAV e.V., Waldbesitzervereinigung Kelheim-Thaldorf w.W., Kreisjagdverband Kelheim e.V., Zillenfahrer, Privatpersonen und Vertreter der Politik. Ziel war die Verhinderung eines Nationalparks in der Donau-Region nach dem IG-Motto: „Ja zum Naturschutz, Nein zum Nationalpark an unserer Donau.“

Um die Fürsprache von Landrat Martin Neumeyer muss sich das Bündnis dabei nicht großartig bemühen – denn auch er spricht sich nach Söders „konsequentem Handeln“ für eine Nutzung des ehemaligen Landratsamtes als Informationszentrum aus: „Für Kelheim und den Landkreis wäre das doch die Traumsituation. Das Schloss liegt perfekt, hat Parkmöglichkeiten, gehört sowieso dem Freistaat. Die Weltenburger Enge hat mit dem Europadiplom auch das nötige Qualitätssiegel, um eine solches Zentrum zu bekommen.“ Er habe bereits einen Termin mit Finanzminister Albert Füracker, um das Thema voranzutreiben. „Es ist jetzt bedeutend einfacher geworden, etwas zu bewegen und auch die Bürger dafür zu begeistern. Ein Nationalpark hätte fünf Landkreise mit eigenen Interessen und Herangehensweisen betroffen das wäre schwierig geworden. Zudem sind nun entsprechende finanzielle Mittel schon in Aussicht gestellt“, sagt Neumeyer.

Derartige Pläne würde – „mit der richtigen Ausrichtung, die man diskutieren müsste“ –, auch Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann unterstützen. „Ich finde es gut, dass nun Klarheit herrscht. So deutlich, wie Herr Söder es gesagt hat, glaube ich auch nicht, dass das Thema je wieder auf den Tisch kommt. Die Entscheidung ist in der Sache völlig richtig.“

Kritiker sprechen von „Show“

Doch die Ankündigung des Bayerischen Ministerpräsidenten sorgte nicht überall für Gegenliebe. Enttäuscht zeigte sich der Bund Naturschutz in Bayern (BN) über die Absage an einen dritten Nationalpark. Dies sei „weit über Bayern hinaus ein negatives Signal für den Naturschutz“, sagte BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger in einer Stellungnahme. Für Peter Forstner, Kreisvorsitzender des BN, „ist das Thema noch nicht erledigt. Die angebotenen Alternativen sind keine richtigen Alternativen, sondern beinhalten einen großen Qualitätsverlust“, sagt er. Der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner geht noch weiter: .„Damit wird Bayern zum Schlusslicht in Deutschland bei der Ausweisung neuer wirkungsvoller Schutzgebiete und gibt seine frühere Vorreiterrolle preis.“

Auch Hubert Aiwanger, Mitglied der IG Unsere Donau, übte Kritik: „Viele der Lösungsansätze Söders sind Showeffekte, die nicht zum Erfolg führen werden, sondern nach dem Wahlkampf verpuffen.“ Das sieht Renate Schweiger anders: „So etwas sagt man Politikern gerne nach, ich denke aber, dass Markus Söder es ehrlich meint und zu seinem Wort steht. Außerdem können wir ihn, sollte es doch anders kommen, bei der Ehre packen.“

Lesen Sie mehr in unserem Spezial zum dritten Nationalpark

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