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Rallye

Mit 54 PS durch halb Europa

Hep und Mike Tuscher fahren mit einem 45 Jahre alten Mercedes eine Oldtimer-Rallye – ohne Navi, GPS und Co., nur nach Karte.
von Benjamin Neumaier

  • Die Abensberger Mike (l.) und Hep Tuscher fahren bei der Oldtimerrallye „Knights of the Island“ für den guten Zweck. Foto: Neumaier
  • Die Tuschers wollen in Lederhosen einmal rund um die britische Insel fahren. Foto: Tuscher

Abensberg.Orientierungslos im Linksverkehr – so könnte man das Vorhaben von Hep und Mike Tuscher aus Abensberg auch betiteln. Denn sie reklamieren beide für sich, „dass wir einen schlechten Orientierungssinn haben“. Soweit eigentlich kein Problem, aber die beiden gehen am 11. Mai auf Tour, fahren eine Oldtimer-Charity-Rallye quer durch Großbritannien. Und weil es sich um eine Oldtimer-Rallye handelt, eben ohne moderne Hilfsmittel wie Navi, GPS und Co. „Meine Frau hat mir aber einige Straßenkarten geschenkt“, sagt Hep Tuscher. „Das kriegen wir schon hin. Wir machen das durch unseren Einfallsreichtum wett.“ Dass sich keiner der beiden Cousins originär als Navigator eignet, schreckt auch Mitfahrer Mike nicht: „Probleme sind da, um sie zu lösen. Ich freue mich schon tierisch auf die Rallye. So etwas macht man schließlich nur einmal im Leben. Es wird ein richtiges Abenteuer.“

Rallye als Weihnachtsgeschenk

Dass die beiden Abensberger nun tatsächlich zur zehntägigen Knights of the Island-Rallye aufbrechen, ist noch gar nicht so lange klar. Kurz vor Weihnachten kam Hep Tuscher mit der Idee auf seine Frau Uli zu. „Es ging um die Weihnachtsgeschenke“, sagt er. „Ich hatte mir im Sommer einen Oldtimer gekauft und der Gedanke eine Rallye zu fahren spukte mir eh schon ewig im Hinterkopf rum. Da hab ich sie gefragt. Der Moment schien mir passend.“ Nun, begeistert war seine Gattin nicht gerade: „Mein erster Gedanke war: Der spinnt doch“, sagt sie, lenkte aber dann doch relativ schnell ein: „Ich weiß ja, dass er diesen Traum hat – und da wollte ich ihm nicht im Weg stehen.“

Auf den Kofferraumdeckel kommen die Aufkleber der Sponsoren. Die Spenden gehen an den VKKK. Foto: Tuscher
Auf den Kofferraumdeckel kommen die Aufkleber der Sponsoren. Die Spenden gehen an den VKKK. Foto: Tuscher

Der Mitfahrer war für Hep Tuscher schnell auserkoren: Sein Cousin Mike sollte es werden. An Heiligabend nahm er ihn ins Gebet. „Ich war im ersten Moment perplex, habe eher mit einem fragenden Ja geantwortet“, sagt Mike Tuscher, Projektleiter UK und Nordeuropa bei Krones. „Es ging schließlich um ein Drittel meines Jahresurlaubs. Der war schon überstrapaziert, und außerdem wusste ich nicht, was meine Freundin Julia dazu sagt.“ Letztlich wurde aus dem fragenden aber schnell ein bestimmtes Ja. „Ich weiß, dass Hep ein gemütlicher Typ ist. Es wird also keine stressige Reise – außerdem sorgt dafür auch schon unser Auto.“

Besagter Oldtimer ist ein Mercedes /8 (sprich: Strich-Acht), mit Baujahr 1973 der älteste der drei Abensberger Rallye-Teilnehmer und mit 54 PS „nicht gerade der schnellste“, sagt Mike. „Das haben wir schon im Landkreis getestet. Zur Rosenburg in Riedenburg sind wir mit 30 km/h raufgekraxelt.“

Für Hep Tuscher stand aber schon lange fest: Es musste genau dieses Auto sein. „Ein baugleicher /8 war mein erstes Auto. Den hab ich mir mit 18 Jahren damals für 500 Mark vom Rückerl Bob gekauft – allerdings ohne Motor. Ich hab den dann mit meinem Opa eingebaut, das ganze Auto zig mal zerlegt und wieder zusammengebaut. Da hing mein Herz dran“. So wie auch jetzt am neuen alten Mercedes.

Auf Herz und Nieren getestet hat er seinen Liebling aber noch nicht. „Die weiteste Fahrt war bisher in die Arbeit nach Kösching“, sagt Tuscher, der dort in der Geschäftsführung der INIT Consulting AG arbeitet. Nun hat der 45-Jährige Oldtimer aber eine Tour durch halb Europa vor sich: Startpunkt der Knights of the Island ist in Brüssel dort bekommen die Tuschers ihr Roadbook. Dann geht es nach Calais, mit der Fähre nach Dover und von dort auf einer noch nicht bekannten Route zehn Tage über die Insel. Fest steht nur, dass keine Autobahnen genutzt werden dürfen. Zielpunkt ist die schottische Hauptstadt Edinburgh. Von dort geht es dann per Fähre nach Amsterdam und dann wieder ins heimatliche Abensberg. Insgesamt mehr als 5000 Kilometer.

Das entspricht auch in etwa dem Tachostand des /8 – dort stehen aktuell „5500 und ein paar Zerquetschte“, sagt Hep Tuscher. „Aber der Tachostand geht ja nur bis 99 999 – dann springt er um. Es sind also mindestens 100 000 Kilometer mehr.“ Für ihn kein Grund, das Auto vorher nochmal gründlich checken zu lassen. „Der ist scheckheftgepflegt aus erster Hand. Das passt. Ich vertraue meinem /8.“ Mike hat dafür nur ein Schmunzeln übrig: „Wir packen auf jeden Fall einen Werkzeugkasten ein. Und wenn wir nach 20 Kilometern stehen bleiben, dann macht’s auch nix. Dann zelten wir eben dort zehn Tage lang.“

Lederhose bringt Sonderpunkte

Denn dass die beiden während der Tour zelten, das steht quasi fest. „Dafür gibt es Sonderpunkte. Die wollen wir einheimsen“, erklärt Hep Tuscher. Die gibt es auch für ein speziell aufgepimptes Auto– Rallyestreifen oder eine Lichterorgel – oder originelle Kleidung. Deshalb tragen die Tuscher – logisch – Lederhose und Dandycap.

Originell könnte ihr Auto aber auch durch den speziell designten Kofferraumdeckel werden. Dort platzieren die Cousins ihre Sponsoren – mit Aufklebern. „Grundvoraussetzung für die Teilnahme an der Rallye sind neben 850 Euro Teilnahmegebühr – 500 Euro für den guten Zweck. Unsere Idee war, jeden Quadratzentimeter des Kofferraums für je einen Euro zu verkaufen und mit entsprechenden Logos oder Fotos der Sponsoren zu bekleben. Dann hätten wir 7800 Euro, die komplett gespendet werden. Momentan stehen wir bei 2400 – es ist also noch Platz. 3000 Euro sollten es schon werden“, sagt Mike Tuscher. (Siehe Infokasten) Die Spenden gehen an das Elternhaus des VKKK neben der Kinderklinik Kuno in Regensburg. „Das war die Bedingung meiner Frau“, sagt Hep Tuscher und wirft einen Blick zu seiner Gattin. Die schmunzelt: „Es ist halt wie immer: Die Frauen geben das Geld aus...“

Neben den anvisierten 3000 Euro gibt es für die Tuschers nur noch ein Ziel bei der Rallye: Gesund ankommen. „Wir wollen auf keinen Fall gewinnen“, sagt Mike Tuscher, „denn dann qualifiziert man sich automatisch für eine weitere Rallye des Veranstalters, bei der wir dann quasi teilnehmen und uns komplett neu orientieren müssten.“

Spenden sammeln die Tuschers über die Plattform www.betterplace.org/de/fundraising-events/30757-8-old-england-journey-4-kuno-olduk4kuno

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