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Sport

Mit dem Paddel auf Entspannungs-Tour

MZ-Reporterin Julia Weidner erkundet die Donau vom Kanu aus . Das ist anstrengend, für sie aber dennoch eher Wellness.

MZ-Reporterin Julia Weidner wagt ihre erste Kanufahrt auf der Donau. In ihrem knalligen Canadier ist sie nicht zu übersehen. Fotos: Heike Heindl
MZ-Reporterin Julia Weidner wagt ihre erste Kanufahrt auf der Donau. In ihrem knalligen Canadier ist sie nicht zu übersehen. Fotos: Heike Heindl

Kelheim.Die Wellen brechen sich an dem schwarz-weißen Flitzer, der sich flink durch die Donau bewegt. Die Deutschland-Flagge ist zur Hälfte unter Wasser, am Bug steht in großen weißen Lettern ein Name: Sophia Gruber. Mein Boot ist quietschbunt: eine Mischung aus grellem grün und leuchtendem gelb. Gleich wird klar, wer die Anfängerin ist und wer der Profi. Die 18-Jährige aus Weltenburg war mit ihrem Kanu im Sommer bei der Junioren-Wildwasser-EM in Mazedonien. Jetzt, über drei Monate später, trainiert sie für die nächste Saison. Auch wenn die Temperaturen gerade um den Gefrierpunkt kreisen.

Meine eigene Kanufahrt findet zum Glück schon im Oktober statt, an einem der letzten sonnigen Herbsttage. Schon da war ich unsicher, ob ich diese Sportart im Herbst überhaupt noch ausprobieren darf. Alles, was mit Wasser zu tun hat, ist für mich doch eher ein Sport für den Sommer. Trotzdem steht an diesem Freitagnachmittag im Oktober meine erste Fahrt in einem Canadier auf der Donau in Kelheim an. Sophie Gruber zeigt mir ihre Tricks – oder fürs erste, wie ich auf dem Kanu ein paar Meter vorankomme. In der Redaktion waren schon Wetten abgeschlossen worden, nach wie vielen Sekunden ich patschnass in Donau schwimme. Doch ich werde es allen beweisen.

Für Anfänger gibt es immer eine Schutzweste

Für Julia gibt es sogar eine Schwimmweste. Fotos: Heike Heindl
Für Julia gibt es sogar eine Schwimmweste. Fotos: Heike Heindl

Motiviert bis in die Haarspitzen stehe ich beim neuen Vereinsheim des Kanu-Clubs hinter dem Donaupark. Während meine Kollegen noch im Büro sitzen, genieße ich die Herbstsonne am Donauufer. Gemeinsam mit Marianne Fruth, erste Vorsitzende des Kanu-Clubs, suche ich mir meinen Canadier und ein Paddel aus. Außerdem gibt es für mich – im Gegensatz zu Sophia– eine Schutzweste. Auch der Kanu-Club wähnt mich wohl schon im Wasser.

Vom Ufer aus geht es ins Wasser – doch erst muss die Reporterin noch Übungen am Land machen. Fotos: Heike Heindl
Vom Ufer aus geht es ins Wasser – doch erst muss die Reporterin noch Übungen am Land machen. Fotos: Heike Heindl

Bevor es endlich ins Wasser geht, soll ich am Ufer ein paar Trockenübungen machen. Ich setze mich also in meinen Canadier und suche die richtige Position für meine Beine. Im Kanu sind kleine Stehlen befestigt, auf denen ich meine Füße absetzen kann. Meine Beine muss ich ein wenig anwinkeln sein, die Knie nach außen an den Rand des Kanus drücken. Dann gibt mir Sophie das Paddel in die Hand und ich übe: Immer mit flachen Seite muss ich in die Wasseroberfläche einstechen und mit viel Kraft das Wasser nach hinten drücken. Diese Bewegung sieht am Kiesufer noch sehr befremdlich aus, wird mir im Wasser weiterhelfen.

Der ganze Stolz des Vereins

In der Halle des neuen Vereinsheims hinter dem Donaupark haben über 200 Boote Platz. Fotos: Heike Heindl
In der Halle des neuen Vereinsheims hinter dem Donaupark haben über 200 Boote Platz. Fotos: Heike Heindl

Während ich vor meiner ersten Kanu-Fahrt überhaupt stehe, sind die Mitglieder des Kanu-Clubs fast jeden Tag an der Donau. Und das seit dem Frühjahr 2017 nicht nur fürs Vergnügen. Denn vor knapp zwei Jahren begann dort hinter dem Donaupark der Bau des neuen Vereinsheims. „Wir wollten endlich ein modernes Heim, in dem wir unsere Ausrüstung unterbringen können und auch ein Vereinsleben gestalten können“, erklärt Marianne Fruth. Ein kleines Vereinsheim steht auf dem Hügel über dem Donauufer aber nicht, es wurde viel mehr eine Vereinshalle mit einer Fläche von 160 Quadratmetern. „Unser Vereinsheim ist so groß, weil ein Boot kein Fahrrad ist“, sagt Marianne Fruth. Etwa 200 bunte Boote finden dort ihren Platz: Wildwasserboote, Rennboote, Kajaks. Man merkt gleich, der Verein fühlt sich wohl.

Der Verein in Kürze

  • Kanu-Club:

    Der Kelheimer Verein wurde im Jahr 1963 gegründet. Damals hatten ein paar Jugendliche die Idee, selbst Paddelboote zu bauen. Nach den ersten Bootsfahrten auf der Donau beschlossen sie, einen Verein zu gründen. 55 Jahre später sind knapp 700 Menschen als Mitglied beim Kanu-Club gemeldet. Etwa 150 bis 200 von ihnen sind noch aktiv. Sie holen regelmäßig ihre Canadier aus den Bootshäusern des Vereins oder helfen bei dem Neubau des Vereinsheims mit.

  • Ziele:

    Ein Projekt des Kanu-Clubs ist die Jugendarbeit. Der Verein bietet verschiedene Kurse an und versucht seinen Nachwuchs zu fördern. Außerdem hat sich der Verein den Umwelt- und Naturschutz auf die Fahnen geschrieben. Der Kanu-Club kämpft deswegen darum, die Fließgewässer in ihrer natürlichen Form zu erhalten.

  • Bootshaus:

    In der Anfangszeit konnten die Mitglieder des Kanu-Clubs ihre Boote in einer Höhle beim Klösterl lagern. Im Jahr 1972 begannen die Mitglieder dann mit dem Bau ein eigenes Bootshauses im Garten des Klösterl. Nach sieben Jahren Bauzeit wurde das Haus fertiggestellt. Auch jetzt, mit dem neuen Vereinsheim am Donaupark, wird das alte Bootshaus noch als Lager genutzt.

Ganz wichtig beim Kanufahren: Das richtige Paddel. Eine angemessene Länge ist wichtig. Außerdem gilt: Je leichter, desto besser. Fotos: Heike Heindl
Ganz wichtig beim Kanufahren: Das richtige Paddel. Eine angemessene Länge ist wichtig. Außerdem gilt: Je leichter, desto besser. Fotos: Heike Heindl

Mit dem Heim ist ein Traum für Marianne Fruth und ihre Kameraden wahrgeworden. Für die Vorstandschaft gibt es sogar ein eigenes Büro. Von dort aus hat man einen perfekten Blick zur Befreiungshalle und der Einstiegsstelle der Kanufahrer hat – an der ich mich gerade befinde und im Trockenen mit dem Paddel meine Kreise ziehe.

Das Kanu ist stabiler als gedacht

Sophia gibt mir letzte Instruktionen und schon schieben wir meinen Canadier ins seichte Wasser. Ich schaffe es sogar einzusteigen, ohne nass zu werden, dann stoße ich mich vom Ufer ab. Am Anfang kratzt mein Boot noch an den Kieseln am Grund, doch mit dem Paddel kann ich mich weiter in den Fluss drücken. Dort warte ich bis Sophia auch in die Donau kommt. Derweil wackle ich ein wenig in meinem Boot. Meine Erkenntnis: Es ist stabiler als erwartet. Insgeheim habe ich selbst befürchtet früher oder später im Wasser zu landen. Jetzt bin ich aber sicher: Diese Genugtuung muss ich meinen Kollegen nicht bescheren. Als Sophia bei mir ankommt, fangen wir an, flussaufwärts in Richtung Kloster Weltenburg zu paddeln. Nach meinen Übungen am Ufer geht das ganz leicht von der Hand. Als wir auf der Donau entlang schippern kann ich mich sogar mit Sophia unterhalten, nur manchmal sind meine Stöße in die eine Richtung zu stark und ich komme von meiner geraden Linie ab. Nach ein paar hundert Metern wird wieder klar, wer der Profi ist. Denn dort werden meine Arme schon schwer. Sophie dagegen lacht nur.

Interview

Interview: Sie ist Kanutin von Geburt an

Sophia Gruber aus Weltenburg nahm schon mehrmals an einer Junioren-EM teil. Sie erzählt von ihrem Training und den Erfolgen.

Der Ausblick ist es wert

Wir fahren bis zum Klösterl, dem alten Standort des Kanu-Clubs. Wir sind bestimmt 45 Minuten unterwegs, es fühlt sich aber an, als wären wir gerade erst los. Ich merke, wieso die Mitglieder des Vereins am liebsten jeden Tag hier raus kommen und für eine Stunde in ihr Boot steigen. Auf der Donau ist es komplett ruhig, die Sonne scheint angenehm herab, der Ausblick auf den Donaudurchbruch ist unglaublich. Hier komme ich richtig zur Ruhe und erfreue mich einfach nur am Paddeln. Sophie scheint es genauso zu gehen. Sie flitzt sogar einmal zurück zu unserem Startpunkt und ist in nicht einmal zehn Minuten wieder da.

In unserem Video erleben sie Einblicke in die Kanu-Fahrt:

Vor dem Rückweg graut es mir ein wenig. Noch einmal 45 Minuten Paddeln finden meine Arme nicht sehr toll. Als Sophia mich zu einem Wettrennen auffordert, denke ich, sie macht einen Witz. Trotzdem versuche ich, mit ihr mitzuhalten und bin überrascht, wie schnell ich auf einmal bin. Bin ich doch ein Naturtalent`? Fehlanzeige. Jetzt paddeln wir einfach mit dem Strom. Und Sophia hängt mich nach ein paar Schlägen schon wieder ab. Aus der Traum von der großen Sportkarriere.

Sophia kämpft noch immer für diesen großen Traum. Dafür wagt sie sich auch jetzt im Advent in die kalte die Donau. Das Wasser ist gerade 0 Grad kalt. Da bin ich doch froh, meinen Ausflug noch bei Sonnen genossen zu haben.

Mitgemacht – so heißt die Serie der Kelheimer Lokalredaktion der Mittelbayerischen Zeitung, bei der Redakteure Sportarten testen und Vereine aus der Region vorstellen.

MZ-Reporterin Julia Weidner auf ihrer ersten Kanu-

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