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Kandidaten-Porträt

Mit Parteibuch gegen die Populisten

2017 hat Jake Curtis beschlossen: runter vom Sofa, rein in die FDP. Heuer ist der Mainburger schon Direktkandidat.
Von Martina Hutzler

Jake Curtis aus Mainburg-Meilenhofen ist erst 2017 der FDP beigetreten – jetzt kandidiert er für die Liberalen als Kelheimer Direktkandidat bei der Landtagswahl. Warum – das schilderte er im Gespräch mit MZ-Redakteurin Martina Hutzler Foto: Heike S. Heindl
Jake Curtis aus Mainburg-Meilenhofen ist erst 2017 der FDP beigetreten – jetzt kandidiert er für die Liberalen als Kelheimer Direktkandidat bei der Landtagswahl. Warum – das schilderte er im Gespräch mit MZ-Redakteurin Martina Hutzler Foto: Heike S. Heindl

Kelheim.Er haut gerne drauf – als Schlagzeuger in seiner Metal-Band. Im MZ-Gespräch schlägt Jake Curtis ruhige Töne an: Polternde Populisten gibt es derzeit eh zu viele, findet der FDP-Neueinsteiger aus Meilenhofen. Er hat einen Kaltstart als Landtags-Direktkandidaten für Kelheim hingelegt.

„Ich wollte nicht länger zur schweigenden Mehrheit gehören und habe deshalb bei der FDP meinen Mitgliedsantrag eingereicht“

Jake Curtis, FDP-Kandidat

Sein Kreuzchen macht der 33-Jährige bei der FDP schon, „seit ich wählen darf“. Politisch aufgeschreckt hat ihn aber im Frühjahr 2017 der Höhenflug der AfD, samt manchem AfD-Protestwähler in seinem eigenen Umfeld. „Da wollte ich nicht länger zur schweigenden Mehrheit gehören und habe bei der FDP meinen Mitgliedsantrag eingereicht“, schildert der gebürtige Brite. Dabei klingt er selbst noch etwas verwundert, wie schnell’s dann ging.

Jake Curtis aus Mainburg-Meilenhofen ist erst 2017 der FDP beigetreten – jetzt kandidiert er für die Liberalen als Kelheimer Direktkandidat bei der Landtagswahl. Warum – das schilderte er im Gespräch mit MZ-Redakteurin Martina Hutzler Foto: Heike S. Heindl
Jake Curtis aus Mainburg-Meilenhofen ist erst 2017 der FDP beigetreten – jetzt kandidiert er für die Liberalen als Kelheimer Direktkandidat bei der Landtagswahl. Warum – das schilderte er im Gespräch mit MZ-Redakteurin Martina Hutzler Foto: Heike S. Heindl

Er besuchte FDP-Veranstaltungen, half vor der Bundestagswahl 2017 Plakate kleben – und wurde im Herbst vom FDP-Kreisverband gefragt, ob er bei der Landtagswahl kandidieren wolle. Nachdem der Familienrat – Gattin und drei Kinder – grünes Licht gab, sagte er „Ja, aber“: Kandidieren werde er nur auf aussichtsreicher Position.

Zur Person

  • In Kürze:

    Jake Curtis, 33 Jahre alt, lebt mit Frau und drei Kindern (6, 9 und 12 Jahre alt) in Mainburg-Meilenhofen. Er ist Informations-Sicherheitsbeauftragter bei einem Münchner Medienunternehmen.

  • In Kontakt:

    Über seine Homepage ; dort finden sich auch Links zu diversen Sozialen Netzwerken. Telefonisch erreichbar unter 01 63 / 6 32 69 87

Die hat er jetzt, als Direktkandidat und dazu auf Platz drei der FDP-Niederbayern-Liste. Freilich halten die Wahlforscher derzeit noch nicht mal die Rückkehr der FDP in den Landtag für sicher.

Schneller Kandidaten-Check gefällig? Fünf Fragen – fünf Antworten:

Dafür müsse man noch „richtig Vollgas geben“, räumt der IT-Fachmann ein. Dass die Liberalen 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten, sei zwar schlecht für Bayern, aber gut für die parteiinterne Erneuerung gewesen: „Wir wollen weg vom Image der Altherren-Partei, die Hoteliers begünstigt – heute haben wir sehr viele junge, motivierte Kandidaten“.

Jamaika-Aus: Frust und Einsicht

Den Erneuerer freilich hatte 2017 auch Christian Lindner gegeben – und dann doch „Jamaika“ in Berlin platzen lassen. „Da war ich anfangs schon wütend“, auch weil die Entscheidung „seltsam kommuniziert wurde“, gesteht Jake Curtis. Heute findet er aber richtig, dass die FDP zugunsten ihrer Überzeugungen und Wähler auf eine Regierungsbeteiligung verzichtet hat.

Landtagskandidat der FDP: Jake Curtis Foto: Heike S. Heindl
Landtagskandidat der FDP: Jake Curtis Foto: Heike S. Heindl

Ob in München eine schwarz-gelb-grüne Koalition Chancen hätte? „Schwer zu sagen“, weicht er aus. In jedem Fall habe 2017 gezeigt, dass so lange und ergebnislose Verhandlungen „der politischen Glaubwürdigkeit schaden.“

Die sieht er insgesamt durch das politische „Establishment“ bedroht: viele seit Jahrzehnte aktive Politiker, kaum noch neue, „ganz normale Bürger“ in den Parlamenten: „Das verstärkt dieses Gefühl ,die da droben – wir da unten’“ und habe vor allem der AfD geholfen, „sich in den Bundestag zu schleichen, obwohl sie nur dumpfe Parolen hat“, ärgert sich Jake Curtis.

„Ich würde als Landtagsabgeordneter nicht als Parteisoldat handeln, sondern nach innerer Überzeugung“

Sich selbst sieht er als personifizierten frischen Wind für die Politik, der „nicht als Parteisoldat, sondern nach innerer Überzeugung“ im Landtag agieren würde. Na, ob das die Partei, die Fraktion auf Dauer dulden würde? Ja, hofft Curtis auf liberale Toleranz.

Machen Sie sich selbst ein Bild! Jake Curtis vor der Kamera

Politisches und Privates vom FDP-Kandidaten Jake Curtis Video: Heike S. Heindl & Martina Hutzler

Weniger Staat, mehr bürgerliche Freiheiten – dieses FDP-Credo betet Curtis mit. Unternehmensgründer etwa, gerade solche mit digitalen Geschäftsmodellen, hätten es viel zu schwer, zu reguliert, kritisiert er, der selbst bei einem Münchner Medienunternehmen als Informations-Sicherheitsbeauftragter arbeitet.

„Die Datenschutz-Grundverordnung ist viel zu bürokratisch, vor allem für den Mittelstand.“

Weshalb er zwar EU-einheitliche Datenschutz-Standards begrüßt, nicht aber in Gestalt der Datenschutz-Grundverordnung: „viel zu bürokratisch, vor allem für den Mittelstand“.

Mitunter bräuchte es aber schon mehr staatliches Engagement, gesteht er zu: etwa um die Digitalisierung am Land voranzutreiben, oder auch in Bayerns Bildungssystem: Landes- und schularten-weit müsste man Projekte wie die „Referenzschulen für Medienbildung“ viel stärker forcieren, fordert er – räumt aber ein, dass er sich erst einmal einen genauen Überblick verschaffen müsste, ehe er als Abgeordneter aktiv werden könnte.

Nachholbedarf „am Land“

Das gelte auch für andere Themen, bei denen er gerade „am Land“ Nachholbedarf sieht, beim ÖPNV zum Beispiel. Der sei zu sehr auf wenige Verbindungen in die Metropolen beschränkt, kritisiert er am Beispiel Mainburgs.

Die Hopfenstadt und die gesamte Hallertau bezeichnet Curtis ganz selbstverständlich als seine Heimat – hier lebt er seit 1992. Aufgewachsen ist der Sohn eines US-Amerikaners in Texas.

Jake Curtis ist in Großbritannien geboren, aber in Texas aufgewachsen. Das Bild zeigt ihn mit seinen Geschwistern. Foto: Curtis
Jake Curtis ist in Großbritannien geboren, aber in Texas aufgewachsen. Das Bild zeigt ihn mit seinen Geschwistern. Foto: Curtis

Für ihn als Familienvater bedeutet der Wahlkampf – vor allem mit Infoständen und -veranstaltungen – schon einigen Stress, bekennt er und ergänzt schmunzelnd: „Ich glaub’, ich hab das ein wenig unterschätzt“. Mit der Folge, dass die Tage jetzt halt sehr lang seien. Seine Prioritäten? „Familie – Job – Kandidatur; in der Reihenfolge“. Zum Draufhaun in der Metal-Band bleibt da nicht mehr viel Zeit.

Privat haut Jake Curtis gerne drauf: als Schlagzeuger der Mainburger Synth-Metal-Band „Fudge“. Foto: M. Curtis
Privat haut Jake Curtis gerne drauf: als Schlagzeuger der Mainburger Synth-Metal-Band „Fudge“. Foto: M. Curtis

Alle Porträts der zehn Kelheimer Direktkandidaten und weitere Infos zur Landtagswahl veröffentlichen wir hier!

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