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Region Kelheim
Sonntag, 23. September 2018 19° 4

Suchaktion

Mit Schnüffelnase gegen Käferfraß

Weil in Kelheim der „Asiatische Laubholzbock“ wütet, wurde wieder gerodet. Viel Arbeit – für Spürtrupps aus Mensch und Tier.
Von Martina Hutzler

  • „Ivy“, ein Catahoula Leopard Dog, sucht am Rand des Hafengeländes nach dem Asiatischen Laubholzbock-Käfer. Foto: Hutzler
  • Klein, aber oho bei der Suche: der Dackel „Hoheit“ Foto: Hutzler

Kelheim.Unsereins riecht hier: den Harvester und frisch gesägtes Holz, die Autoabgase, Hundegeruch. Für „Risk“ und seine Hundekumpels ist das bloß der geruchliche Heuhaufen, in dem sie die Stecknadel suchen: kleinste Mengen an Duftmolekülen, die vom „Asiatischen Laubholz-Bockkäfer“ (ALB) ausströmen. Falls sich dieser gefräßige Holzschädling an einem der Bäume zu schaffen gemacht hat, die zwischen Regensburger Straße und B16 seit ein paar Wochen gefällt werden, dann soll ihn die bunt gemischte Spürhund-Truppe ihren zweibeinigen Kollegen anzeigen.

„Ivy“, ein Catahoula Leopard Dog, sucht am Rand des Hafengeländes nach dem Asiatischen Laubholzbock-Käfer. Foto: Hutzler
„Ivy“, ein Catahoula Leopard Dog, sucht am Rand des Hafengeländes nach dem Asiatischen Laubholzbock-Käfer. Foto: Hutzler

Viele Gehölze entlang der Bundesstraße werden derzeit kräftig gestutzt – aber im Bereich der B16-Auffahrt in der Regensburger Straße hat das einen besonderen Grund: Dort wurden vorigen Herbst zwei Bäume entdeckt, die vom ALB befallen waren. Die EU-Vorgaben zur Bekämpfung des gefürchteten Asia-Schädlings sind strikt: Im 100-Meter-Umkreis um den Fund müssen alle Laubbäume aus 16 verschiedenen Gattungen – die Wirtsbäume des ALB – samt und sonders gefällt, gehäckselt und verbrannt werden.

•Der Asia-Laubholzbock bedroht hierzulande fast alle wichtigen Laubbäume und wird deshalb rigide bekämpft. Foto: Landesanstalt für Landwirtschaft
•Der Asia-Laubholzbock bedroht hierzulande fast alle wichtigen Laubbäume und wird deshalb rigide bekämpft. Foto: Landesanstalt für Landwirtschaft

Vor dem Häcksler aber sind die Mensch-Hund-Teams dran: Sie sollen checken, ob noch mehr als die beiden Bäume befallen sind; denn dann müsste das Bekämpfungsgebiet erneut ausgeweitet werden, erklärt Ambros Köppl, der für die Landesanstalt für Landwirtschaft die Suchaktion managt. Bislang verlief sie ergebnislos. Das freut die Zweibeiner und betrübt die Vierbeiner – echter Sucherfolg blieb ihnen bisher verwehrt.

Lisa Büsing sorgt deshalb zwischendurch immer wieder für einen fast echten Erfolg für ihren knapp zweijährigen Belgischen Schäferhund „Risk“. Aus einer Glasdose packt sie ein handgroßes Stück Ahorn aus und klemmt es in zwei Metern Höhe in eine Astgabel.

Ein Stammstück, in dem sich vor drei Jahren ein ALB entwickelt hatte, verhilft zum Erfolgserlebnis. Lisa Büsing fasst es nur mit Handschuhen an, damit es nur nach Käfer und nicht nach Mensch riecht. Foto: Hutzler
Ein Stammstück, in dem sich vor drei Jahren ein ALB entwickelt hatte, verhilft zum Erfolgserlebnis. Lisa Büsing fasst es nur mit Handschuhen an, damit es nur nach Käfer und nicht nach Mensch riecht. Foto: Hutzler

Vor fast drei Jahren war darin eine ALB-Larve entdeckt worden. Deren wenige noch verbliebene Geruchsspuren reichen aus für „Risk“, um auf Befehl das Holz zu erschnüffeln – mit lautem Bellen meldet er Vollzug. Als Dreingabe hüpft er so lange am Stamm hoch, bis ihm das Trum vor die Füße purzelt. Obwohl es ihn eigentlich kein bisschen interessiert…

Wie der Blitz lässt er vom Holz ab und erhechtet den kleinen Ball, den ihm Lisa Büsing zuwirft: Das Spiel damit ist die eigentliche Belohnung für ihren dunkelbraunen Rüden.

Deshalb bauen die Hundeführer regelmäßig solche Suchen nach absichtlich versteckten ALB-Holz ein, zwischen dem Absuchen von Holzbeständen, in denen eher nichts vom Käfer zu finden ist. Denn bei solcher ergebnislosen Routinearbeit sind zwar lobende Worte vom Zweibeiner ok. Aber die „echte“ Belohnung wie Spiel oder Leckerlis, die darf es nur geben, wenn der Hund zweifelsfrei einen ALB erschnuppert hat, erklärt Ute Hoyer-Tomiczek, Diplombiologin und Spezialistin für die ALB-Spürhundausbildung am österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald (BfW).

Auch Lisa Büsing und „Risk“ haben bei ihr zehn arbeitsreiche Tage im kärntnerischen Ossiach absolviert. Dienstlich, sozusagen.

Intensiv für Mensch und Tier

  • Die Ausbildung

    Seit dem EU-weit ersten Fund des Asiatischen Laubholz-Bockkäfers (ALB) in Österreich hat die Diplombiologin Ute Hoyer-Tomiczek am dortigen Bundesforschungszentrum für Wald (BfW) die Ausbildung von zertifizierten ALB-Spürhunden aufgebaut. Es ist auch für deutsche Behördenmitarbeiter und private Dienstleister die erste Adresse in Sachen ALB-Training.

  • Die Voraussetzungen

    Geeignet sind alle Rassen (und Mischlinge daraus), die speziell auf Nasenarbeit gezüchtet sind, ob für die Jagd oder die Spürarbeit bei Zoll, Polizei, etc; bedingt auch Hütehund-Rassen. Das BfW bildet Tiere ab sechs Monaten und bis fünf Jahren Alter aus. Sie brauchen Grundgehorsam, eine gute Bindung an ihren zweibeinigen Partner, viel Arbeitswillen und Finder-Ehrgeiz.

  • Der Ablauf

    In zwei mal fünf Tagen werden die Hunde auf den ALB-Geruch „geeicht“ und lernen das gezielte Suchen danach – ob an stehendem oder liegenden Holz, Verpackungsmaterial etc. Die Zweibeiner pauken Theorie: Hundewissen, ALB-Spuren erkennen, Rechtsgrundlagen usw. Jeder Block endet mit einer Prüfung: praktisch für den Hund, schriftlich für den Mensch. (hu)

Denn Büsing ist als Forstoberinspektorin beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten in Abensberg (AELF) derzeit die „ALB-Beauftragte“ im Waldbereich, während die LfL für die Feldflur und Siedlungsgebiete zuständig ist. Beide Behörden sind seit April 2016 im Kreis Kelheim besonders gefordert: Damals wurden im Hafen die ersten Bäume entdeckt, in denen sich Larven vom ALB eingenistet hatten. Seither ist ein Zwei-Kilometer-Radius rund um die Hafenstraße für vier Jahre zur Quarantänezone erklärt worden, in dem unter anderem regelmäßig nach weiteren ALB-Exemplaren gefahndet wird – so wurde auch besagter Befall an der Regensburger Straße entdeckt. Und weil es bislang noch nicht allzu viele ALB-Spürhunde gibt, durften Lisa Büsing und ihr Schäferhund zum Kurs nach Kärnten reisen.

Denn ohne Hunde stünden die Menschen im Käfer-Kampf auf ziemlich verlorenem Posten: Sie können mit Auge und Fernglas nur nach den typischen Bohrlöchern des ALB suchen. Bis in vier, fünf Metern Höhe sind ihnen Hunde weit überlegen. „Wir trainieren sie so, dass sie alle Stadien des ALB, vom Ei bis zum Käfer aufspüren können“, erklärt Ute Hoyer-Tomiczek. Die typische Duftmarke genau dieses Käfers (und seines nächsten, ebenso gefährlichen Verwandten Citrusbockkäfer) möglichst zweifelsfrei vom Geruch anderer Insekten zu unterscheiden, war eines der wesentlichen Lernziele für „Risk“ in Ossiach Bei der Abschlussprüfung müssen die vierbeinigen Schüler mindestens zwei von vier versteckten Proben finden. Und sie müssen gelernt haben, wie sie ein Gebiet systematisch absuchen.

Lisa Büsing schreitet das Areal ab, das abzusuchen ist.  Ihr Hund „Risk“ beobachtet sie genau – er weiß dann schon, was zu tun ist.
Lisa Büsing schreitet das Areal ab, das abzusuchen ist. Ihr Hund „Risk“ beobachtet sie genau – er weiß dann schon, was zu tun ist.

Dabei freilich sind auch die Zweibeiner gefragt, erlärt Lisa Büsing: „Der Hundeführer muss den Überblick behalten“, damit das vorliegende Material wirklich komplett abgesucht ist. Hier am Rand vom Kelheimer Hafen leisten ein Harvester und Forstarbeiter die Vorarbeit: Sie fällen die Bäume und sägen sie in Stücke, damit die Hunde leichter rankommen.

Harvester erledigen das Fällen und zerlegen die Stämme gleich, damit sie für die Hunde leichter absuchbar sind. Foto: Hutzler
Harvester erledigen das Fällen und zerlegen die Stämme gleich, damit sie für die Hunde leichter absuchbar sind. Foto: Hutzler

Jede Charge wird sicherheitshalber von mindestens zwei Teams nacheinander abgesucht. Ein sehr zeitaufwendiges Prozedere – aber aus Sicht der Insektenkundlerin Hoyer-Tomiczek gelingt die Ausrottung des ALB in einem bestimmten Areal nur, „wenn man die Maßnahmen konsequent durchzieht“.

Der Kelheimer Hafenbereich ist immerhin ein noch halbwegs abgrenzbares Areal. Denkt man sich hier Autoterminal, Bahngleis und Bundesstraße weg, könnte man grade auch auf einer Hundeschau sein – so viele verschiedene Rassen starten abwechselnd zur Schnüffeljagd: Ein „Catahoula Leopard Dog“ hat die nordamerikanischen Waschbären-Wälder mit bayerischen ALB-Befallsgebieten vertauscht; auch die beiden Chesapeake-Bay-Retriever stammen von jenseits des Atlantiks. Sie suchen den Asia-Käfer genauso zuverlässig wie die ihre Kollegen aus der alten Welt: Bayerische Gebirgsschweißhunde, Deutsch Drahthaar, und natürlich „Hoheit“, der Dackel!

Alle 20 bis 30 Minuten legen sie jeweils Pausen ein und dösen in den Autos ihrer Besitzer. Dringend nötig, damit die beim Suchen ganz aufgeregten Tiere zwischendurch wieder „runterkommen“, erklärt Lisa Büsing. Deshalb hat jedes Tier auch sein Dienst-Ritual. Bei Risk ist es unübersehbar: Knall-orange Warnweste drüber – an die Arbeit! Weste aus: Feierabend!

Weitere Berichte rund um die ALB-Funde im Kelheimer Hafen finden Sie hier!

Lisa Büsing versteckt ein Stück Holz, in dem mal der „Asiatische Laubholzbock-Käfer“ gehaust hat. Ihr Belgischer Schäferhund „Risk“ spürt das Holz auf.

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