MyMz
Anzeige

Frauenprojekt

Mit „Tatendrang“ wurde Lachen zum Beruf

Anderen das Lachen beibringen: Diese Geschäftsidee hatte Theresa Piendl schon. In Abensberg holte sie sich Rat zur Umsetzung.
Von Martina Hutzler

„Lachen will gelernt sein“, hat sich Theresa Piendl gedacht und daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Foto: Ksenia Pollakowski
„Lachen will gelernt sein“, hat sich Theresa Piendl gedacht und daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Foto: Ksenia Pollakowski

Abensberg. An Tatendrang hat es Theresa Piendl nicht gemangelt. Ganz im Gegenteil hat sie auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit gemerkt: „Ich muss meine Interessen filtern, mich erst mal auf wenige Projekte konzentrieren.“ Es war eines der Aha-Erlebnisse, die die 25-jährige Langquaiderin aus dem Projekt „Tatendrang“ in Abensberg mitnahm.

Über dieses Frauen-Förderprojekt beim Abensberger bfz, dem Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft, hat die Langquaiderin selbst in Artikeln für die „Rundschau“ berichtet. Und dabei gemerkt: „Das Projekt wär’ doch was für mich“, um ihren Traum von der Selbstständigkeit zu realisieren. Nach der Arbeit als Erzieherin und einem halben Jahr auf Reisen wollte die studierte Pädagogin endlich ihr eigenes Ding machen. Mit einem herzhaften Lachen.

„Lachen will gelernt sein“, hat sich Theresa Piendl gedacht und daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Foto: Ksenia Pollakowski
„Lachen will gelernt sein“, hat sich Theresa Piendl gedacht und daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Foto: Ksenia Pollakowski

Dank Weiterbildung zur Entspannungspädagogin schwebte Theresa Piendl nämlich vor, Kurse und Schulungen anzubieten zum Beispiel für Entspannungstraining und für Lach-Yoga. Bei der IHK holte sie sich 2018 eine erste Beratung zur Existenzgründung. Aber das, merkte sie, reichte noch nicht.

Griffiges Geschäftsmodell fehlte

Wirklich griffig war ihr Geschäftsmodell noch nicht. Das merkte dann auch bfz-Seminarleiterin Elisabeth Lammel-Kargl schnell.

Der Europäische Sozialfonds ESF hatte im Landkreis einen Träger für sein Projekt „Tatendrang“ gesucht; im Kreis Kelheim bekam das Abensberger bfz den Zuschlag für drei Jahre und kann daher Einzel- und Gruppencoaching sowie Seminare anbieten, um Frauen in ihrem beruflichen Tatendrang zu unterstützen. Dank ESF-Förderung ist das Angebot kostenlos für die Teilnehmerinnen.

Beschränken hilft mitunter

Und so sitzen Interessentinnen als erstes mal im Büro von Elisabeth Lammel-Kargl (oder ihrer Kollegin) zum Erstgespräch. Dabei wird geklärt, welchen konkreten Bedarf eine Interessentin hat. Bei Theresa Piendl war’s offenkundig, dass sie noch nicht recht wusste, was sie anbieten wollte – und was nicht. Beschränken ist aber nötig, bekam sie von der bfz-Seminarleiterin erklärt: „Man kann sich nicht mit voller Energie auf fünf Projekte gleichzeitig stürzen.“

In einem Einzel-Coaching führte Lammel-Kargl deshalb mit Piendl die „Elevator pitch“-Übung durch. Man versucht, seine Geschäftsidee so kurz und prägnant anzupreisen (englisch pitch), dass das Gegenüber binnen einer Fahrt mit dem Aufzug (elevator) überzeugt ist. „Deinen ersten elevator pitch hab’ ich Dir ziemlich zerpflückt“, sagt Lammel-Kargl lachend zu Theresa Piendl. Die mittlerweile nicht mehr Klientin, sondern Kollegin ist: Piendl arbeitet heute selbst am bfz.

Dieses Ende des Coachings ist zwar höchst ungewöhnlich und dem Umstand geschuldet, dass die Weiterbildungseinrichtung damals justament eine pädagogische Fachkraft suchte. Durchaus öfter aber kommt es bei „Tatendrang“ zu der Erkenntnis, die auch Piendl im Projekt gewonnen hat: „Ich brauch’ meine Freiheit – aber gleichzeitig ein Stück weit Sicherheit im Beruf“, erklärt die Langquaiderin, warum sie derzeit ihr Selbständigen-Dasein mit dem Teilzeit-Job beim bfz kombiniert.

Das Projekt „Tatendrang“

  • Informieren:

    Ins „Tatendrang“-Büro in der Regensburger Straße 2 in Abensberg kann man dienstags um neun Uhr unverbindlich kommen oder nach Vereinbarung (. 09443 92816-13, vormittags; oder per Mail an Tatendrang-AB@bfz.de)

  • Teilnehmen:

    Im gut einstündigen Erstgespräch wird der Bedarf einer Interessentin besprochen. Entsprechend kann sie dann Gruppen-, Einzel- und E-Learning-Angebote sowie Netzwerk-Treffs nutzen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Eine andere Erkenntnis erhofft sich eine Frau, die jetzt zum Erstgespräch ins Büro kommt: gelernte Bankkauffrau, die nach 20 Berufs- und elf Familienjahren wieder eine Stelle sucht, aber nicht mehr in einer Bank. Ihre bisherigen Bewerbungen waren erfolglos – als sie über „Tatendrang“ in der Zeitung las, meldete sie sich deshalb. Und möchte nun mit Elisabeth Lammel-Kargl besprechen, wie sie ihre Bewerbung optimieren kann.

Bewerbungstipps sind gefragt

Auch dies ein häufiges Anliegen von Projekt-Teilnehmerinnen. Die Seminarleiterin beleuchtet mit der Interessentin als erstes die Sichtweise von Personalabteilungen. Für die bedeuten Bewerbungsunterlagen und -gespräche vor allem: Zeitaufwand. Tabu seien folglich: ellenlange Lebensläufe, langatmige Anschreiben und ein Packen an Zeugnissen und Zertifikaten, erklärt Lammel-Kargl der aufmerksam lauschenden Frau. Macht ihr aber auch klar, dass sie eine verpasste Stelle nicht als Niederlage sehen darf: „Jede Stelle kann nur ein Mal besetzt werden. Deshalb haben alle Bewerberinnen außer einer das Nachsehen – selbst wenn sie nur minimal weniger geeignet sind.“

Elisabeth Lammel-Kargl im Gespräch mit einer Interessentin für das Projekt „Tatendrang“: In der Erstberatung wird abgeklärt, welche Unterstützung die Frau sucht. Foto: Hutzler
Elisabeth Lammel-Kargl im Gespräch mit einer Interessentin für das Projekt „Tatendrang“: In der Erstberatung wird abgeklärt, welche Unterstützung die Frau sucht. Foto: Hutzler

Mehr dazu kann die Frau erfahren, wenn sie sich zur Projektteilnahme entschließt und den Workshop „Bewerbungsunterlagen“ besucht. Workshops sind neben der Einzelberatung der zweite wichtige Baustein bei „Tatendrang“. Einen gibt es zum Thema „Selbstbewusstsein“. Denn daran fehlt es Frauen in der Berufswelt oft, weiß Lammel-Kargl aus langjähriger Berufserfahrung. Mädchen würden einfach nach wie vor oft noch mehr in Beziehungsmustern erzogen als Jungs, denen eher das Ziel „Karriere machen, sich durchsetzen“ vermittelt wird. „Aber mit reiner Hilfsbereitschaft kommen Frauen im Beruf nicht weiter!“ Freundlich-sachlich, aber „mit Schmackes“ seine Vorstellungen, Ideen oder Forderungen durchzusetzen, auch mal höflich, aber bestimmt ,Nein’ zu sagen: Das soll der Workshop vermitteln.

Netzwerk-Treffen mit Fachfrauen

Vermitteln können das auch Frauen, die sich im Beruf erfolgreich durchgebissen haben. Sie zu lockeren „Netzwerk-Treffen“ in die Runde der Projektteilnehmerinnen einzuladen, ist ein neuer Baustein von „Tatendrang“. Zur Premiere war die Personalleiterin der „Passauer Wolf“-Gruppe da; sie erklärte, wie Personalauswahl abläuft.

Das bescherte mancher Teilnehmerin, die in den Beruf zurückkehren oder sich beruflich verändern will, wohl auch bittere Einsichten, bilanziert Lammel-Kargl – „aber alle haben wertvolle Infos aus erster Hand mitgenommen.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht