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Lebensretter

Mit vier Pfoten Leben retten

Sie helfen, wo Menschen an Grenzen stoßen: Bei der Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbands geht es oft um Leben und Tod.
Von Jochen Dannenberg

Leo hat es geschafft und erfolgreich eine vermisste Person bei der Übung im Kelheimer Forst gefunden. Zur Belohnung gibt es was zum Knabbern. Fotos:Dannenberg
Leo hat es geschafft und erfolgreich eine vermisste Person bei der Übung im Kelheimer Forst gefunden. Zur Belohnung gibt es was zum Knabbern. Fotos:Dannenberg

Kelheim.Lotte ist völlig entspannt. Um sie herum springen die anderen Hunde der BRK-Rettungshundestaffel, ein junges Mitglied der Gruppe ist recht aufgeregt und zeigt das durch sein Kläffen. Herrchen Benedikt und Frauchen Laura plaudern mit den Besitzern der anderen Hunde. Es ist ein sommerlicher Morgen im Wald hinter der Kelheimer Goldberg-Klinik. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut, fast schon ausgelassen, dabei steht ein anstrengender Tag bevor.

Lotte, ein viereinhalb Jahre alter Golden Retriever, und die anderen Hunde gehören zur neuen Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbands Kelheim.

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Eine Spürnase auf der Suche nach unserem Reporter

Die wurde zu Monatsbeginn gegründet. „Es gibt sie aber schon länger“, erklärt Christine Schuster, Leiterin der Gruppe. Die Staffel hat sich vom Kreisverband Neumarkt abgespalten – nicht weil man sich uneins war, sondern weil es im Landkreis Kelheim noch keine Rettungshundestaffel gab. Das „Loch“ auf der Landkarte sollte geschlossen werden.

Unterschiedliche Aufgaben

Die Teams der neuen BRK-Rettungshundestaffel Kelheim
Die Teams der neuen BRK-Rettungshundestaffel Kelheim

Deshalb stehen an diesem Samstagmorgen im Forst oberhalb der Waldbauernschule mehrere Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen. Sie zeigen, dass die Fahrzeughalter u.a. aus den Landkreisen Neumarkt, Amberg-Sulzbach und Regensburg kommen. Die Autos verraten aber auch, dass die Besitzer zu einer Gruppe – der Rettungshundestaffel des BRK – gehören. Die Inneneinrichtung der Fahrzeuge ist deshalb nahezu identisch: Wo bei anderen Autobesitzern im Kofferraum der Platz für den Wochenendeinkauf oder den Kinderwagen ist, können sich hier zum Beispiel Dalmatinerhündin Maja, Pudel Whoopi, Berner-Sennen-Hündin Emma und Golden-Retriever-Hündin Lotte niederlassen. Ein Gitter sperrt jeweils den Platz für den Hund vom übrigen Fahrgastraum ab.

16 Hundeführer

  • Einsatzbereit:

    Seit diesem Monat verfügt der BRK-Kreisverband Kelheim über eine hoch qualifizierte Rettungshundestaffel. Zu der Gruppe gehören gegenwärtig 16 Hundeführer, die teilweise schon voll ausgebildet sind, und mehrere Mitglieder, die sich mit ihren Hunden noch in der Ausbildung befinden.

  • Teams:

    Aktuell sind sechs Teams beim BRK-Kreisverband einsatzbereit. Alle Teams, ein Führer und mindestens ein Hund, sind als Flächensuchhunde ausgebildet. Von diesen sind zwei Teams auch für die Trümmersuche qualifiziert und ein Hund hat aktuell auch die Eignungsprüfung als „Man-Trailer“ bestanden.

  • Infos:

    Geleitet wird die Gruppe von Christine Schuster und von ihrer Stellvertreterin Sonja Kienlein. Infos zu Mitgliedschaft, Fördermitgliedschaft und Ausbildung beim BRK, gibt es beim Kreisverband Kelheim unter Telefon (0 94 41) 5 02 80, E-Mail info@kvkelheim.brk.de oder ehrenamt@kvkelheim.brk.de.

„Esgeht darum, vermisste Personen zu finden“, erklärt Sonja Kienlein, die stellvertretende Leiterin der Staffel. Und weil es bei der Vermisstensuche verschiedene Aufgaben gibt, werden die Hunde auch für unterschiedliche Ziele trainiert. Dann erklärt Sonja Kienlein. Es gibt Hunde für die Flächensuche. Dabei geht es insbesondere um vermisste Kindern oder verwirrte Menschen, aber auch Menschen mit suizidalen Absichten. Beim Mantrailing suchen die Spürhunde eine bestimmte Person anhand eines Geruchsträgers. Sie sind in der Lage den Trail (gelaufenen Weg) auch noch nach mehreren Tagen nachzulaufen. Außerdem gibt es die Wassersuche und die Trümmersuche, beispielsweise nach Gasexplosionen wie am Wochenende in Rettenbach. Dort waren 100 Rotkreuzler und elf Rettungshunde im Einsatz, um nach Vermissten zu suchen.

Gute Spürnase ist wichtig

Damit keine Verwechslung möglich ist, tragen die Hunde die Kenndecke.
Damit keine Verwechslung möglich ist, tragen die Hunde die Kenndecke.

Die Rettungshunde helfen, wo Menschen allein an ihre Grenzen stoßen: Wenn die Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbands Kelheim ausrückt, geht es oft um Leben und Tod. Vor allem geht es aber darum, Vermisste zu finden. Dafür ist regelmäßig auch eine gute Spürnase wichtig. Im Bereich Kelheim, sagen die Teams der BRK-Rettungshundestaffel sei das vier-, fünfmal im Jahr der Fall. Die Zahl der Alarmierungen liegt jedoch höher. Weil nur ungefähr jeder zweite Kreisverband eine Staffel hat, muss immer wieder bei anderen Kreisverbänden ausgeholfen werden. Außerdem können die Vierbeiner nicht uneingeschränkt im Einsatz sein. Oft sind die Tiere nach einer Stunde erschöpft. Bei der Suche in Trümmern aufgrund des schwierigen Terrains oft noch früher.

Auch für Lotte gab es nach der erfolgreichen Übung Leckerlis.
Auch für Lotte gab es nach der erfolgreichen Übung Leckerlis.

Und so werden an diesem Samstag, einem von zwei wöchentlichen Trainingstagen, wieder und wieder die Aufgaben der Rettungshunde trainiert. Ein Hund nach dem anderen muss im Wald eine Person finden. So muss Lotte, die Golden Retriever-Hündin, als „Verbeller“ ran. Darum bellt sie, als sie im Wald die gesuchte Person gefunden hat. Zur Belohnung gibt es für Lotte was zum Knabbern. Dann ist auch schon Leo, ein Mischling mit deutlichem Anteilen von einem Husky, dran. Auch Leo löst seine Aufgabe bravourös und bekommt deshalb ebenfalls sein Leckerli.

Gelände gesucht

Die Hunde sind im Gegensatz zu Fahrzeugen, Funkgeräten oder medizinischer Ausrüstung kein Eigentum des BRK. Sie gehören ihren Besitzern, die auch alle Kosten für die Tiere tragen müssen. Der Dienst in der Rettungshundestaffel ist damit noch Ehrenamt in einem sehr klassischen Sinn – man muss noch Geld mitbringen. Die Teams der Rettungshundestaffel wissen das. Darum werden Lotte, Leo, Whoopi und all die anderen auch nach Erreichen des „Rentenalters“ nach ungefähr zehn Dienstjahren ein gutes Auskommen haben.

Ihre Herrchen und Frauchen haben unterdessen vor allem einen Wunsch: Sie suchen einen Trainingsplatz im Landkreis Kelheim. Er sollte sich nordwestlich der Kreisstadt befinden. Wer ein entsprechendes Gelände anbieten kann, möge sich an die Leiterin der Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbandes wenden (christine.schuster@brk-kelheim.de oder Telefon 0175/915 77 01).

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