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Rückblende

Müller – Kelheims Schäffler-Urgestein

Der 93-Jährige ist der älteste noch lebende Tänzer von 1946, die nach dem Weltkrieg die Tradition wieder aufleben ließ.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Die Kelheimer Schäffler der Saison 1946, oben Zweiter von links ist Alfred Müller. Foto: Wachter, Bachmeier-Fausten
Die Kelheimer Schäffler der Saison 1946, oben Zweiter von links ist Alfred Müller. Foto: Wachter, Bachmeier-Fausten

Kelheim.„Einmal Schäffler, immer Schäffler“ – auf den Kelheimer Senior Alfred Müller trifft das auf alle Fälle zu. Der 93-Jährige ist der älteste der beiden noch lebenden Teilnehmer der Schäffler, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Tanztradition der Fassmacher, in Kelheim fortsetzte. Müller verfolgt nicht nur in der Mittelbayerischen die Berichterstattung über die Saison 2019, sondern war im Januar auch beim Auftakt in der Altstadt dabei.

Nach einer Pause von sieben Jahren tanzen die ATSV-Schäffler 2019 in Kelheim wieder. Das Video entstand beim Saison-Auftakt im Januar.

Der Kelheimer erzählt, wie es vor 73 Jahren war, als er als 21-Jährige einer der 16 Tänzer war. Dafür, dass die Schäffler 1946 auftreten durften, hatten der damalige Apotheker der Ludwigsapotheke Robert Häfner und der einstige Turnverein (TV) die Initiative ergriffen. Häfner war laut Kelheims Stadtarchivar Dr. Wolf-Heinrich Kulke „als Sozialdemokrat 1933 von den Nazis ins KZ Dachau deportiert und nach Kriegsende von den US-Besatzern am 29. April 1945 zusammen mit Eduard Staudt in die erste Nachkriegs-Stadtregierung berufen worden“.

Grünes Licht von Major

Der Major der amerikanischen Besatzungskräfte genehmigte laut Alfred Müller die Schäffler-Aufführungen. Müller, der das Kriegsende in Dänemark miterlebt hatte und im August 1945 wieder nach Kelheim zurückgekehrte, gehörte als Turner dem TV an. Die Schäffler begannen im Herbst im Saal des einstigen Gasthauses Gebhart zum Trainieren. Überwiegend seien Männer dabei gewesen, die schon 1935 bei den Schäfflern mit tanzten.

Damals ein Schäfflermeister dabei

Der damalige Schmied Josef Eberl studierte mit der Truppe den Schäfflertanz ein. Das Amt des Oberschäfflers hatte Max Amann inne. Amann beherrschte selbst das Handwerk der Fassmacher. Er war Schäfflermeister, aber auch Bäckermeister. Alfred Müller kennt die Teilnehmer auf dem Foto, das vor 73 Jahren vor dem Weissen Bräuhaus von der Schäfflertruppe aufgenommen wurde. Neben Müller lebt noch sein damaliger Schäffler-Kamerad Ingo Baier.

Der 93-jährige Alfred Müller gehörte der Schäffler-Truppe an, als in Kelheim 1946 nach dem Krieg die Schäfflertradition wieder auflebte. Im Bild ist er mit seiner Frau Erna. Foto: Bachmeier-Fausten
Der 93-jährige Alfred Müller gehörte der Schäffler-Truppe an, als in Kelheim 1946 nach dem Krieg die Schäfflertradition wieder auflebte. Im Bild ist er mit seiner Frau Erna. Foto: Bachmeier-Fausten

Er ist einige Wochen jünger als Alfred Müller. Auch Baier lebt im BRK-Seniorenheim Kelheim wie das Ehepaar Erna und Alfred Müller. Müller besucht seinen Angaben nach den einstigen Kollegen der Tanz-Truppe täglich in seinem Zimmer

Zwei Kasperl dabei .

Wie auch heute noch, so tanzten die Schäffler vor 73 Jahren während der Faschingszeit im Januar und Februar. Im Vergleich zu 2019 mit über 250 Auftritten gab es 1946 wesentlich weniger Vorstellungen. Insgesamt 80 Mal wurde getanzt und ein Tanz kostete 25 Reichsmark. Zwei Kasperl gehörten zur Schäfflertruppe 1946, die von der Kapelle Halkenhäuser begleitet wurde. Die beiden Spaßmacher, „die ham Sachen geliefert, das war unwahrscheinlich“. Alfred Müller erwähnt beispielsweise den Lastenaufzug mit Seil, den es zur damaligen Zeit „beim Hallermeier“ gab. Daran habe ein Kasperl etwas an der Fassade hochgezogen.

Ein volles Weizen im Reifen

Wie Alfred Müller sagt, seien die Zuschauer von den Schäffler-Auftritten begeistert gewesen, wie dies auch in der heutigen Zeit der Fall sei.

Chronist Knittl sucht Fotos

  • Chronik

    Peter Knittl, Chronist der ATSV-Schäffler, will die Schäffler-Chronik ergänzen mit Geschichten und Fotos. Wer Bilder, Videos, Infos von den Anfängen der Schäffler 1911 bis zur Saison 2019 zur Verfügung stellen kann, soll sich bitte unter Tel. (0 94 41) 25 00 melden.

  • Ereignisse

    Besonders sucht Knittl Fotos vom 100. der Befreiungshalle, von der 800-Jahr-Feier der Stadt und von der Hellwig-Sendung.

Offiziell tanzte Müller in der Saison 1946 (sie war außerhalb vom siebenjährigen Turnus), 1949, 1956 und 1963. 1970 habe er als Reifenschwinger ausgeholfen. Der Senior berichtet von Auftritten der Kelheimer Schäffler in Frankfurt u. a. anlässlich des Hoechst-Jubiläums, und beim Gäubodenfest in Straubing. Bei der Sendung Bayern Champions (Kelheim trat beim Städteduell gegen Memmingen an) hat Alfred Müller den Reifen mit einem gefüllten Weizenglas geschwungen.

Alles von den Kelheimer Schäfflern lesen Sie hier.

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