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KELHEIM/SAAL.

Nach Kaiserwerft jetzt auch PR Marine insolvent

Saals zweiter Yachtbauer steht vor dem Aus. Wie der Insolvenzanwalt Dr. Rudolf Dobmeier der MZ bestätigte, sei über die PR Marine AG ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Im Juni 2009 habe die PR Marine AG mit Geschäftsführer Michael Linner und Aufsichtsratsvorsitzendem Peter Rammelmayr Insolvenz angemeldet. Dobmeier prüfe, ob er es eröffnen könne. Nur wenn die Kosten des Verfahrens gedeckt würden, werde er dies tun. „Schiffe sind vor Ort. Da werde ich prüfen, wem die gehören“, kündigte der Regensburger Insolvenzanwalt an.

Offenbar ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg auch noch wegen Untreue. Reinhold Höng von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing sagte: „Es hat ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegeben in Zusammenhang mit PR Marine.“ Die Kripo habe die Ermittlungen beendet und die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft Regensburg abgegeben. Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Günther Ruckdäschel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, verwies auf einen Kollegen, der aber am Freitag nicht im Hause war.

Der Yachtenmakler Darius Wozniak hat der Mittelbayerischen Zeitung im Juli in mehreren E-Mails mitgeteilt, er habe die PR Marine wegen Insolvenzverschleppung angezeigt und die Kriminalpolizei Regensburg schon am 27. Mai darüber informiert, dass die Firma „alles verschiebt, was werthaltig ist“. Ihm selbst sei durch PR Marine AG ein Schaden von 430000 Euro entstanden, schreibt der Pole, der das ganze Jahr über auf dem Mittelmeer unterwegs ist. Er lebt vom Schiffsverkauf und -makeln. „Wir verchartern Yachten und bieten Urlaub auf Yachten an“, sagte er am Handy zur MZ. In perfektem Deutsch berichtet Wozniak von seinen Geschäftsbeziehungen zu PR Marine AG. Für seine Firma habe er Yachten für rund 3,2 Millionen Euro in Saal bestellt und mehrere hunderttausend Euro anbezahlt. Eine Yacht sei gebaut und dann jedoch an einen anderen Kunden verkauft worden. Als er von Peter Rammelmayr die Anzahlung zurückverlangt habe, habe dieser gesagt, er könne nicht zurückzahlen.

Um einen Gegenwert zu bekommen, habe er erneut eine Yacht bestellt und wieder Geld zugeschossen. „Sonst hätte ich das Geld sicher verloren“, versucht er zu erklären. „Dann musst du uns ein anderes Schiff bauen“, habe er Rammelmayr aufgefordert. Die Yacht sei produziert, aber nach Montenegro weiterverkauft worden, behauptet Darius Wozniak. „Das ist so unglaublich!“, schimpft er über dieses Geschäftsgebaren. Der Yachtenmakler hat sein Vermögen nach eigenen Angaben mit einer Entsorgungsfirma für Asbest und Kühlschränke in Erlangen verdient. Er habe lange gezögert, ehe er zur Kripo ging, weil er immer hoffte, doch noch ein Schiff zu bekommen.

Darius Wozniak vermutet, dass Peter Rammelmayr, der schon einmal insolvent war, weiterhin die Zügel in der Hand hielt bei der PR Marine AG.

Peter Rammelmayr lacht erst einmal ausgiebig, als ihn die MZ am Handy mit diesen Vorwürfen konfrontiert. „Der Herr Wozniak hat vor eineinhalb Jahren eine Yacht bestellt und nicht bezahlt“, betont er. „Für fast eine Million Euro.“ Keine der Anschuldigungen sei wahr. „Wenn er meint, soll er halt Anzeige erstatten“, sagt der 63-Jährige ungerührt. Bei der PR Marine tue sich zur Zeit nichts, gibt Peter Rammelmayr zu. Er selbst sei als Schadens- und Wertgutachter für Yachten europaweit unterwegs. „In der heutigen Zeit läuft gar keine Firma.“ Nach der endgültigen Pleite der Kaiserwerft und der Insolvenz der PR Marine geht die lange Kelheimer Yachttradition jetzt wohl zu Ende.

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