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Naturwald-Pläne erhitzen die Gemüter

In den Naturschutzgebieten „Weltenburger Enge“ und „Hirschberg und Altmühlleiten“ bleibt nicht alles beim Alten.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Steige an den Steilhängen auf der rechten Donauseite flußabwärts sollen in der Zukunft nicht mehr begangen werden dürfen.
Steige an den Steilhängen auf der rechten Donauseite flußabwärts sollen in der Zukunft nicht mehr begangen werden dürfen. Foto: Gabi Röhrl

Kelheim.Die Interessengemeinschaft (IG) „Unsere Donau gemeinsam stark“ kann einen ersten Erfolg verzeichnen: Im Vorfeld der Erarbeitung eines Verordnungsentwurfs für die Naturschutzgebiete (NSG) „Weltenburger Enge“ und „Hirschberg und Altmühlleiten“, die zusammengelegt werden, gab es Gespräche. Allerdings liegt noch nichts Schriftliches vor. Sorgen bereitet den Menschen der vom Freistaat Bayern vorgesehene Naturwald bei der Weltenburger Enge.

Groß war das Interesse an der Informationsveranstaltung der IG zu den Themen Zusammenlegung und Verordnung der NSG und „Naturwald“ am Donnerstagabend. Über 160 Personen waren an Bord des Personenschiffes „Renate“ des Unternehmens Schweiger gekommen – darunter unter anderem Angehörige von Vereinen, Verbänden, Interessengemeinschaften, aber auch Vertreter von Politik und Behörden.


Gespräch auf Augenhöhe

MdL Dr. Hubert Faltermeier berichtete von seinem tagsüber mit dem Umweltminister geführten Gespräch, der Wert darauf lege, dass die große Transparenz fortgeführt werde. Wie Faltermeier sagte, sei es nicht nur ein sensibler Bereich. Die Leute, die hier lebten und arbeiteten, dürften „nicht hinten runtergebügelt werden“. Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger berichtete von einem Gespräch auf Augenhöhe.

Im Herbst soll Entwurf vorliegen

  • Forderung

    Eine Überarbeitung und Zusammenlegung der Naturschutzgebiete (NSG) „Weltenburger Enge“ und „Hirschberg und Altmühlleiten“ erfolgt. Dies wurde laut Regierung von Niederbayern vom Europarat bei der Verlängerung der Auszeichnung der Weltenburger Enge mit dem Europadiplom 2018 unter Nennung konkreter Bedingungen und Empfehlungen gefordert.

  • Schritte

    Zwei Wochen lang führten Regierungsvertreter Gespräche mit betroffenen Vereinen, Verbänden und Interessengruppen in der Region Kelheim. Bis Ende September/Oktober solle der Entwurf für eine Verordnung für die beiden NSG erarbeitet werden, so Regierungsdirektor Wolfgang Lorenz. Dann werde der Entwurf öffentlich vorgestellt. Anschließend folgt ein öffentliches Anhörungsverfahren.

Er habe die klare Aussage erhalten, das der Weg zum Klösterl und die offiziellen Wanderwege begehbar blieben. Es könnte auch weiterhin in der Donau gebadet, die Kanuinsel angefahren werden. Der Wald könne weiterhin betreten werden. Wegen des Geschiebemanagements müsse mit dem Wasserwirtschaftsamt noch gesprochen werden.

Naturschutz

Die Säge ruht in der Weltenburger Enge

Die Staatsforsten verzichten bis auf Weiteres auf Holzernte in den Schutzgebieten. Naturschützern reicht das noch nicht.

Nach Ansicht des Bürgermeisters sei das Vorgehen jetzt im Vorfeld der NSG-Verordnung ein riesiger Unterschied als damals beim Nationalen Naturmonument. Die Fachstellen seien anwesend. Er habe gesagt, „die Kelheimer sind keine Revoluzzer. Wir bestehen auf unseren Rechten. Wir leben mit, an und von der Donau. Unsere Forderungen müssen eingehalten werden.“



Rechtes Donauufer nicht mehr zu betreten

Wie Schifffahrtsunternehmerin Renate Schweiger sagte, werde die Schifffahrt eine Zukunft haben, wenn diese die Corona-Krise überlebte. Die klare Aussage von Regierungsdirektor Wolfgang Lorenz sei, es bleibe beim Status quo. Bernhard Petz, Vertreter des Zillenfahrer, sagte, dass im August „ein Befreiungs-Gespräch stattfinden wird“.

Regierungsdirektor Wolfgang Lorenz im Gespräch mit Hanne Koch-Steindl
Regierungsdirektor Wolfgang Lorenz im Gespräch mit Hanne Koch-Steindl Foto: Elfi Bachmeier-Fausten

Er wies auch darauf hin, dass die Zillenfahrer ihren Beitrag zur Besucherlenkung leisten möchten. Vorstandsmitglied Hanne Koch-Steindl vom Kanuclub sagte, dass alles vor dem man Angst gehabt habe, nicht eingetreten sei. „Wir haben schon Einschränkungen, weil das rechte Donauufer nicht mehr betreten werden darf.“ Den Kompromiss sei man aber eingegangen. Für Kanufahrten gebe es aber keine jahres- und tageszeitlichen Einschränkungen.

Groß war das Interesse an der Veranstaltung der Interessengemeinschaft "Unsere Donau gemeinsam stark" an Bord des Schiffes "Renate".
Groß war das Interesse an der Veranstaltung der Interessengemeinschaft "Unsere Donau gemeinsam stark" an Bord des Schiffes "Renate". Foto: Elfi Bachmeier-Fausten

Josef Feichtmeier von Kreisjagdverband berichtete, dass Regierungsdirektor Lorenz zu einem Jagdkonzept geraten habe. Bauernverbands-Geschäftsführer Alois Schweiger wies darauf hin, dass Naturwald nur auf Staatsflächen geplant sei. Forderungen seien, dass weiterhin Waldschutz erfolge und auch die Jagd ausgeübt werde. Regierungsdirektor Lorenz versicherte, dass „Zusagen eingehalten werden“. Dafür erntete er Beifall.

Kritik am Naturwald

Dr. Stefan Nüßlein, Leiter des Referats für Forstpolitik und Umwelt am bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, informierte über das „grüne Netzwerk“ Naturwald, das zehn Prozent des Staatswaldes in Bayern umfasse.

Diese Wälder seien für die Menschen zugänglich. Damit dies gefahrenfrei möglich sei, erfolge eine Verkehrssicherung. Der Kelheimer Forstexperte Erwin Engeßer äußerte sich kritisch zum Naturwald. Die Eichenwälder lasse man „schleichend kaputtgehen“. Durch seine langjährige Tätigkeit als Revierförster in Kelheim liegt auch Peter Faltermeier der heimische Wald am Herzen. Auch er, wie auch andere Anwesende, übte Kritik am Naturwald-Vorhaben des Freistaates.

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