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Justiz

Neustädter Messerstecher droht Haft

In Neustadt wurde ein Mann mit einem Messer getötet. Die Anklage geht davon aus, dass der Täter absichtlich handelte.
Von Jochen Dannenberg

In Neustadt starb ein 38-Jähriger durch eine Stichverletzung. Foto: Dr. Satzl
In Neustadt starb ein 38-Jähriger durch eine Stichverletzung. Foto: Dr. Satzl

Neustadt.Es war eines der schlimmsten Verbrechen, die Neustadt seit vielen Jahren erlebt hatte. Ende Mai wurde ein 38-jähriger Arbeiter aus Polen von einem Landsmann (49) in einer Wohnung am Stadtplatz mit einem Messer getötet. Der 49-Jährige sitzt seither in Untersuchungshaft. Die Anklageschrift wurde ihm zugestellt. Ein Termin für die Eröffnung des Hauptverfahrens besteht noch nicht.

Wie Thomas Polnik, Richter am Oberlandesgericht und Pressesprecher des Landgerichts Regensburg, auf Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung mitteilte, sei im Moment nicht absehbar, wann es zu einem Hauptverfahren kommt. Der Tatverdächtige habe noch Zeit, um sich zur Sache zu äußern.

Voraussichtlich kommt es zu einer Anklage am Schwurgericht. Das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft Regensburg, die die Ermittlungen leitet, nicht von einer fahrlässigen Tat ausgeht, sondern von einem Tötungsdelikt „mit einer Vorsatzkomponente“, wie Thomas Polnik sagt. Als solche Tat kommen die Körperverletzung mit Todesfolge, aber auch der Totschlag und der Mord in Betracht.

Längere Haftstrafe erwartet

Der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Regensburg hatte kurz nach der Tat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Regensburg Haftbefehl gegen den 49-jährigen Polen erlassen. Begründet wurde der Haftbefehl seinerzeit mit dem dringenden Tatverdachts des Mordes.

Sicher scheint, dass sich der Täter auf eine längere Haftstrafe einstellen muss. Die Verhandlung am Schwurgericht würde nämlich auch bedeuten, dass in der Sache eine Strafe von mehr als vier Jahren. Möglich ist aber auch, dass am Ende der Hauptverhandlung die Einweisung des Täters in eine psychiatrische Klinik steht. Eine Entscheidung darüber, wann es zu einer Hauptverhandlung kommen wird, ist frühestens kurz vor Weihnachten zu erwarten. Unter Umständen müssen noch Nachermittlungen durchgeführt werden.

Hier sehen Sie eine Chronologie zu Vorfällen aus dem Kreis Kelheim:

Die Bluttat war bei den Neustädter Bürgern auf Entsetzen gestoßen. Zuletzt war es im Dezember 2015 in Neustadt zu einer Bluttat gekommen. Damals wurde eine 58-jährige Frau tot in ihrer Wohnung gefunden. Erschossen. Ob die Tat ein Suizid war oder von einem Unbekannten begangen wurde, wurde nicht ermittelt. Die Tatwaffe blieb verschwunden. Außerdem hatte im Juli 2013 ein damals 35-jähriger, psychisch kranker Rechtsanwalt in einem Neustädter Ortsteile seine Mutter durch Messerstiche getötet.

Tagelang kursierten Gerüchte

Jahrelang war niemand zu Schaden gekommen, da kam es zu diesem Verbrechen. Ein Bürger meinte schlicht: „Wie viel schlechte Laune muss ich haben, dass ich einem so ein Messer in den Leib renne?“

Tagelang hatten nach der Tat, die sich in der Nacht vom Samstag, 26. Mai, auf Sonntag, 27. Mai, ereignet hatte, Gerüchte zu der Tat kursiert, bis die Polizei an die Öffentlichkeit ging und mitteilte, dass es in der Nacht zum Sonntag zu einem Tötungsdelikt gekommen war.

Die Tat hatte sich in einer Wohnung am Stadtplatz ereignet. Am Sonntag, 27. Mai, wurde gegen 3 Uhr eine Streife der Kelheimer Polizei wegen Auseinandersetzungen in dem Haus nach Neustadt gerufen. Als die Beamten eintrafen, stellten sie fest, dass ein 38-jähriger Mann aus Polen mit einer Stichverletzung am Boden lag. Für den Mann kam jede Hilfe zu spät. „Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen“, teilte die Polizei mit.

Schwierige Ermittlungen

Sofort versuchten die Beamten, den Tathergang zu ermitteln. Die Ermittlungen gestalteten sich jedoch als schwierig – auch wegen der Sprachprobleme und weil die Polizisten auf eine falsche Fährte gelockt wurden, weshalb erst Tage nach der Tat von der Polizei eine Meldung zu dem Fall herausgegeben wurde. „Die aus Polen stammenden Anwesenden schilderten zunächst einen nahezu identischen Hergang“, berichtete Günther Tomaschko, Kriminalhauptkommissar und Pressesprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing. „Demnach sei der alkoholisierte 38-Jährige mit einem Messer in der Hand unglücklich gestürzt und habe sich dabei verletzt.“

Erheblich alkoholisiert

Die hinzugezogenen Ermittler der Landshuter Kripo hatten jedoch erhebliche Zweifel an den Schilderungen der, wie es heißt, zum Teil „erheblich alkoholisierten Anwesenden“. Die Staatsanwaltschaft in Regensburg teilte die Zweifel und ordnete deshalb zwei Tage nach der Tat die Obduktion des Leichnams an. Das Ergebnis brachte die erste Version vom Tod des 38-jährigen Mannes zum Einstürzen.

Nach dem Obduktionsergebnis sei die Verletzung mit einem Sturzgeschehen eher nicht in Einklang zu bringen, teilte die Polizei mit. Die anschließenden, umfangreiche Vernehmungen der Landshuter Ermittler führten zu dem Verdacht, dass der 38-jährige Mann, der verheiratet war und zwei Kinder hatte, von einem 49-jährigen Landsmann mit einem Messer getötet wurde.

Wie Neustädter Bürger erfahren haben wollen, soll der 38-Jährige mit einem Schnitt durch die Halsschlagader verletzt worden sein und daran gestorben sein. Der Mann soll seit fünf Jahren in der Donaustadt gelebt haben. Wie die Mittelbayerische Zeitung weiter aus unbestätigten Quellen erfuhr, sollen sich in der Wohnung des Getöteten in jener Nacht mehrere Personen aufgehalten haben. Nach unterschiedlichen Quellen wurde von bis zu sieben Personen gesprochen. Von einem Streit wollen Nachbarn nichts bemerkt haben. Um was es bei dem tödlichen Streit ging, ist bis jetzt unklar.

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Straftaten mit Messern

  • Zunahme:

    Messer sind überall verfügbar. Auch deshalb wird bei Straftaten im Landkreis Kelheim immer öfter zum Messer gegriffen. Im Mai wurde ein 38-jähriger Mann am Stadtplatz in Neustadt mit einem Messer getötet.

  • Tier:

    Im Juni wurde bei Mainburg ein Pferd durch Messerstiche so schwer verletzt, dass es an den Verletzungen starb. Im April begegneten zwei 16-Jährige in Abensberg zwei Männern. Einer der 16-Jährigen zückte ein Messer und bedrohte die Männer.

  • Ladendieb:

    Im Februar wurde ein 21-jähriger Neustädter bei einem Ladendiebstahl beobachtet. Als der Ladendetektiv ihn ansprach, öffnete der Mann seine Jacke, in der sich ein 17 Zentimeter langes Brotmesser befand.

  • Niederbayern:

    „Im Bereich des Polizeipräsidiums Niederbayern wurden 2016 circa 220 Straftaten unter Verwendung eines Messers erfasst. 2017 waren es rund 230 Straftaten. Die Zahlen steigen seit 2014 an“, sagt Günther Tomaschko, Pressesprecher der Polizei.

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